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	<title>Elisabeth Hanzl &#8211; gezeit</title>
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	<description>Zeitschrift der FV GEWI</description>
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		<title>Colour Me Culture</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/colour-me-culture/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elisabeth Hanzl]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 18:55:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2010 #2]]></category>
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					<description><![CDATA[Analogien zu Kulturverständnis. Wer kennt nicht das Gefühl nach dem Tragen einer Ski- oder Snowboardbrille (oder sonstigen bunt gefärbten Brillen): trägt mensch sie für längere Zeit und nimmt sie dann ab, entsteht eine verkehrte Farbenwelt. Plötzlich scheint der weiße Schnee&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/colour-me-culture/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Analogien zu Kulturverständnis.</h2>
<p>Wer kennt nicht das Gefühl nach dem Tragen einer Ski- oder Snowboardbrille (oder sonstigen bunt gefärbten Brillen): trägt mensch sie für längere Zeit und nimmt sie dann ab, entsteht eine verkehrte Farbenwelt. Plötzlich scheint der weiße Schnee ohne Brille blau oder grünlich zu sein. Auge und Gehirn haben sich an die Farbfolie derart gewöhnt, dass sie uns noch ein paar Minuten später eine Welt in Komplementärfarben vorgaukeln.</p>
<p>Was aber nun, wenn wir alle von vorn herein eine farbige Brille tragen, durch die wir die Welt sehen? Es ist keine „rosarote Brille“ im geläufigen Sinne, denn selbst wenn wir sie abnehmen, werden wir dahinter keine Realität finden – wenn überhaupt, dann nur eine graue Welt ohne Vorstellungen, Wünsche und Lebenskultur. Die Hypothese, dass jede_r mit einer farbigen „Kulturbrille“ ausgestattet ist stammt aus dem Kontext des Interkulturellen Lernens.<br />
Sie findet sich in unzähligen Hand- und Lehrbüchern und wird von unterschiedlichsten Institutionen als Analogie für Interkulturelle Erfahrungen verwendet.1 Um den Wert dieser Farbanalogie für Kulturerfahrungen aufzuzeigen, möchte ich die Geschichte kurz in eigenen Worten umreißen (und dabei mich bewusst Formulierungen wie „angeboren“ nicht anschließen und auch Kulturen nicht als nationalbestimmt begreifen, wie es in vielen Versionen der Analogie vereinfacht passiert).</p>
<p>Jeder Mensch wird in einen bestimmten Kulturkreis sozialisiert, von dem kleinen Kreis des persönlichen Umfelds bis hin zur großen gesellschaftlichen und politischen Situation. Diese Sozialisierung wird in der Analogie mit einer Sonnenbrille, die mitgewachsen ist, gleich-gesetzt. Vereinfacht gedacht hat diese Sonnenbrille für alle Menschen eines Kulturkreises die gleiche Farbe, in dem Beispiel der Analogie ist sie gelb:</p>
<blockquote><p>„Nehmt die gelben Sonnenbrillen ab und seht sie euch an. Was sie gelb machen, sind die Werte und Einstellungen, die wir gemeinsam haben. Alles was wir gesehen, gelernt oder erfahren haben, ist durch die gelben Gläser ins Gehirn gelangt. Alles wurde durch die Werte und Ideen, die die Gläser gelb gemacht haben, gefiltert und interpretiert. Die gelben Gläser repräsentieren also unsere Einstellungen und Werte; sie repräsentieren unsere Kultur.“</p></blockquote>
<p>Wenn wir reisen oder uns länger in einem anderen Kulturkreis aufhalten, so erkennen wir bald die Notwendigkeit einer anderen Brille, um mehr begreifen und verstehen zu können. Was passiert daraufhin in der Analogie?<br />
Mensch setzt zusätzlich zur gelben Brille einfach eine zweite Brille (in dem Beispiel ist sie blau) auf und sieht, in dem Glauben, die andere Welt nun perfekt verstehen zu können, alles grün. Demzufolge ist unser Verständnis einer anderen Kultur immer nur ein Teilverständnis, ein „Mischverständnis“, das von unserer eigenen Sichtweise geprägt ist. Die Analogie schließt mit dem Ausblick, dass für besseres Verstehen zuerst die Auseinandersetzung mit den eigenen Vor(ein)stellungen notwendig ist. Erst ein Erkennen der eigenen „Brille“ ermöglicht es, andere Farben differenzierter wahrzunehmen.</p>
<p>Andere, ebenfalls im Kontext des Interkulturellen Lernens häufig zitierte Konzepte von Kulturerfahrung beachten die enormen Auswirkungen der eigenen Voreinstellungen auf das Verstehen anderer Kulturen nicht. Zu erwähnen ist an dieser Stelle das sogenannte Eisberg-Modell, das ursprünglich den Aufbau von Persönlichkeit beschreiben soll, allerdings auch auf sichtbare und unsichtbare Teile einer Kultur übertragen werden kann. Ihm zufolge ist stets nur ein kleiner Teil als Ausdruck von Kultur sichtbar (Kleidung, Essen, Gestik, Mimik etc.) und der viel größere Teil bleibt unsichtbar, muss erst langsam erkannt und verstanden werden.2 Gert Hofstedes Zwiebelmodell veranschaulicht ähnliches: Dass jeweils nur die Praktiken einer Kultur sichtbar sind, ihre Bedeutungen und Werte aber, einer Zwiebel gleich, Schicht um Schicht verborgen sind.3</p>
<p>Das Modell mit den unterschiedlichen Farben der Sonnenbrillen hingegen betont mehr die Seite der Rezipient_innen und die Eigenheiten der Rezeption von anderen Kulturen. Mischfarben, das ist also die Seherfahrung beim Kennenlernen anderer Kulturen. Als extremste Form wäre dann der Kulturschock ein buntes  Chaos, der Moment, indem wir feststellen, dass Grün auch  nicht geeignet ist um alles zu verstehen – es ist ein komplexer Prozess einer sich verändernden Farbwahrnehmung, einer differenzierteren Kulturwahrnehmung.</p>
<p>Elisabeth Hanzl</p>
<p>1 Einfach den Suchbegriff „Sonnen-brillen-Analogie“ im Internet eingeben und in den Resultaten schmökern.</p>
<p>2 http://www.transkulturelles-portal.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=56&amp;Itemid=63</p>
<p>3 http://www.transkulturelles-portal.com/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=56&amp;Itemid=65</p>
<h3>Weiterführendes und Praktisches:</h3>
<ul>
<li> Trainingskit zu Interkultureller Kommunikation, herausgegeben vom Council of Europe: http://youth-partnership-eu.coe.int/youth-partnership/publications/T-kits/4/Tkit_4_GER</li>
<li>„Promoting European Citizenship Education“, Handbuch mit Theorie und Aktivitäten zu Interkulturellem Lernen, herausgegeben von EFIL (European Federation for inter-cultural Learning): http://efil.afs.org/efi_en/view/2957</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wo’s rosa draufsteht, ist‘s rosa drin.</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/wos-rosa-draufsteht-ists-rosa-drin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Elisabeth Hanzl]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 23:39:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2010 #2]]></category>
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					<description><![CDATA[Über Vermarktung, Verharmlosung und Verweiblichung – machen uns Pillen zu dem, was wir sein sollen? Hormonelle Verhütung als große Revolution des 20. Jahrhunderts, als Möglichkeit auf Selbstbestimmung und sexuelle Freiheit – oder doch nicht? Doch eher ein Zwang an eine&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/wos-rosa-draufsteht-ists-rosa-drin/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Über Vermarktung, Verharmlosung und Verweiblichung – machen uns Pillen zu dem, was wir sein sollen?</p>
<p>Hormonelle Verhütung als große Revolution des 20. Jahrhunderts, als Möglichkeit auf Selbstbestimmung und sexuelle Freiheit – oder doch nicht? Doch eher ein Zwang an eine tägliche Uhrzeit, ein Unterwerfen an Hormone, eine doppelte Verweiblichung?</p>
<p>Keineswegs will ich der Pille ihre historische Bedeutung, ihre Verdienste um Unabhängigkeit der Frau in Verhütungsfragen absprechen. Keineswegs soll sich der Artikel einer Tradition von geforderter Renaturalisierung bei Verhütung anschließen oder sich biologistischer Argumente bedienen. Keineswegs geht es um „do’s &amp; don’ts“. Möglichkeiten zur Verhütung gibt es viele unterschiedliche und die Entscheidung bleibt jeder* (und jedem) selbst überlassen – hier werden jedenfalls keine Lösungen präsentiert.</p>
<p>Doch bei all den Dingen, die hier nicht Thema sein sollen, bleibt ein Problemfeld offen, das kritischer Hinterfragung bedarf. Herausgreifen möchte ich einen eventuellen Zusammenhang zwischen einer auffälligen Vermarktung in rosa als „Mädchenprodukt“ und einer scheinbar vernachlässigbaren Nebenwirkung, Stimmungsschwankungen.</p>
<h3>Unbehagen 1</h3>
<blockquote><p><em>„Ich verschreibe Ihnen die Pille, die verbessert dann zugleich auch Ihr Hautbild.“</em></p></blockquote>
<p>Frausein reicht ihn vielen Fällen schon völlig für eine Verschreibung, ja geradezu eine ärztliche Empfehlung aus. Von der Frauenärztin mit Rezept, einem Gratismuster in rosaroter Verpackung, Aufbewahrungsbox mit Kosmetikspiegel und Blümchen als Vergiss-mein-nicht-Aufkleber aus der Praxis geschickt (ohne wirklich mit der Absicht hingegangen zu sein), fängt das erste Unbehagen an. Der Name diesen Produktes ist mit einem weiblichen Diminutivaffix (-ette/-elle/etc.) versehen. Und statt des normalen Beipackzettels befindet sich in der kleinen Blümchenbox mit Spiegel ein ganzes Büchlein mit Vorteilen, Einnahmetipps und schlussendlich eine endlos lange Liste von Nebenwirkungen. Verpackung und Vermarktung machen klar: diese Pille ist für junge Frauen konzipiert.<br />
Die Versicherung, dass durch eine besonders niedrige Dosierung jegliche Nebenwirkungen (insbesondere natürlich Gewichtszunahme) verringert werden konnten, trotzt der langen Liste. Auf der Homepage finden sich als Vorteile dieser „Minipille“ (schon wieder eine Verkleinerungsform) bessere Haut und stabiles Gewicht; sogar ein Online-Rechner für den Body-Mass-Index steht dort bereit. In dem Büchlein zur Pille wird als häufige Nebenwirkung „Vergrößerung der Brust“ genannt – eine vielfach erwünschte Wirkung, wie Einträge in diversen Internetforen bezeugen. Abseits der sicheren Verhütung sind es also äußerst hinterfragenswürdige Muster und Motivationen die Kauf und Verkauf dieser Pillen prägen. Macht uns erst die Pille zu besseren, „richtigeren“ Frauen – Frauen, die die Verantwortung für Empfängnisverhütung alleine tragen (wohlgemerkt auch finanziell), mit reinem Hautbild, größeren Brüsten und stabilem Gewicht?! Ist es dieses unbehagliche Konstrukt, in welches wir, dank Pille, besser passen sollen?</p>
<h3>Unbehagen 2</h3>
<blockquote><p><em>„Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Ärzt_in oder Apotheker_in…?“</em></p></blockquote>
<p>Vom stabilen Gewicht zur instabilen psychischen Verfassung.</p>
<p>Angesichts der langen, angsteinflößenden Liste von Nebenwirkungen scheinen Stimmungsschwankungen, die an erster Stelle stehen (angegebene Häufigkeit: bei mehr als 1 von 100, aber weniger als 1 von 10 Frauen), fast gänzlich vernachlässigbar. Und überhaupt, was sind schon Stimmungsschwankungen? Wie kann mensch sie messen, wissen, erkennen und zuordnen? Und wer kommt schon auf die Idee so etwas Eigenartiges (im Sinne von Suspekt-Sein, aber auch das eigene Selbst treffend) der Verhütungsmethode zuzuschreiben?<br />
Persönliche Erfahrungen und Gespräche mit Freundinnen zeigen, dass es doch immer die kleinen und großen Krisen im Studium, die Schwierigkeiten bei der Diplomarbeit, die Selbstzweifel oder auch Beziehungsprobleme sind, die als Auslöser für langandauernde Stimmungsschwankungen gesehen werden. Und erst wenn frau sich ihr eigenes Verhalten nicht mehr erklären kann, dann ist irgendwann die Idee, dass es an den täglich verschluckten Hormonen liegen kann, nicht mehr so abwegig. Unerklärliche Weinkrämpfe in der Nacht und das Unvermögen auf jede unangenehme Situation anders als mit Tränen in den Augen zu reagieren; durch Hormone beeinflusst? Schließlich war frau vorher eher verärgert, konnte ihrer Wut freien Lauf lassen, und war nicht von Kleinigkeiten emotional mitgenommen, deprimiert oder einfach nur traurig gestimmt.</p>
<p>Frappant, dass solche Stimmungsschwankungen so sehr mit dem gesellschaftlich konstruierten Bild der schwachen Frau zusammenfallen. Jene, die beschützt und getröstet werden muss, weil sie so schnell sentimental, unsicher, weinerlich wird. Jene, die in solchen Momenten einen liebevollen oder freundschaftlichen Arm um die Schulter braucht und sich einfach anlehnen will. Und wenn ihr selbst diese Rolle nicht passt, dann folgt noch mehr Verzweiflung, das Gefühl, mit den eigenen Reaktionen nicht zurechtzukommen.</p>
<h3>Die rosarote Brille abnehmen</h3>
<p>Vielleicht also doch den Körper aus dem ständigen Scheinzustand der Reproduktion herausholen und kurz produktiv-kritisch nachdenken: was ist das für eine Verhütung, die uns rosa-geblümt zu besseren Frauen machen will, uns aber zugleich mit großer Wahrscheinlichkeit Stimmungsschwankungen und emotionaler Schwäche aussetzt? Welche Formen von Biopolitik kommen darin zum Ausdruck? Ist das Mittel zur Selbstbestimmung zugleich auch eine Macht, die fremdbestimmt und oftmals schwer definierbar am eigenen Körper wirkt?</p>
<p>Verdammt, hier würde doch echt gut ein Foucault-Zitat passen:</p>
<blockquote><p><em>„Bio-Politik der Bevölkerung. Die Disziplinen des Körpers und die Regulierungen der Bevölkerung bilden die beiden Pole, um die herum sich die Macht zum Leben organisiert hat. Die Installation dieser [ &#8230; ] Technologie charakterisiert eine Macht, deren höchste Funktion nicht mehr das Töten, sondern die vollständige Durchsetzung des Lebens ist. Die alte Mächtigkeit des Todes, in der sich die Souveränität symbolisierte, wird nun überdeckt durch die sorgfältige Verwaltung der Körper und die rechnerische Planung des Lebens. [ &#8230; ] Ironie dieses Dispositivs: es macht uns glauben, daß es darin um unsere ‚Befreiung‘ geht.“</em><br />
Michel Foucault, Der Wille zum Wissen, Frankfurt a.M. 1983, S.136.</p></blockquote>
<p style="text-align: right;">Elisabeth Hanzl</p>
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