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	<title>Grandhotel Abgrund &#8211; gezeit</title>
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	<description>Zeitschrift der FV GEWI</description>
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		<title>„Vom Wahn und Wahnsinn der Soli (Solidarische Linke)“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Grandhotel Abgrund]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 11:25:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2013]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Speerspitze Linken Antisemitismus‘, falscher Kapitalismuskritik und völkischen Denkens tritt zu den ÖH Wahlen an der Uni Wien an. Was bei diesem eigenartigen Bündnis aus StalinistInnen (KSV-KJÖ und Young Struggle) und TrotzkistInnen (Linkswende) als erstes ins Auge springt, ist der&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2013/vom-wahn-und-wahnsinn-der-soli-solidarische-linke/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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<h2>Die Speerspitze Linken Antisemitismus‘, falscher Kapitalismuskritik und völkischen Denkens tritt zu den ÖH Wahlen an der Uni Wien an.</h2>
<p>Was bei diesem eigenartigen Bündnis aus StalinistInnen (KSV-KJÖ und Young Struggle) und TrotzkistInnen (Linkswende) als erstes ins Auge springt, ist der Unterschied ihres historischen Bezugrahmens.<br />
Es stellt sich die Frage wie lange es überhaupt bestehen wird, also ob es überhaupt genug Gemeinsamkeiten gibt, die diese Gruppen miteinander verbinden. Zur Erinnerung: der letzte Versuch eines derartigen Bündnisses in Wien (die so genannte rote Antifa) hat sich innerhalb weniger Wochen an der so genannten Eispickelfrage (der Ermordung Leo Trotzkis) gespalten. Ich möchte nun ein paar Themen darstellen, die diese Gruppen dennoch verbinden.</p>
<h3>Falsche Kapitalismuskritik</h3>
<p>Diese ließ sich bereits in der Vorstellungsveranstaltung dieses Bündnisses beobachten. So hielt der KSV-KJÖ Vertreter (im Namen des Bündnisses Solidarische Linke) ein Referat in dem er zunächst richtig feststellte, dass es eine zunehmende Entsolidarisierung unter den Studierenden gibt, im Anschluß daran aber den Fehlschluß zog, dass dies von irgendwelchen ominösen Kräften dazu verwendet werde, Studierende daran zu hindern, sich ihrem gemeinsamen Feind entgegenzustellen.</p>
<p>Diesen Mist der falschen Kritik gab es bereits zu Zeiten eines Karl Marx &#8211; weshalb dieser, um dem entgegenzuwirken, bereits im Vorwort des ersten Bandes des Kapitals anmerkte:</p>
<blockquote><p><em>„Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“</em> (MEW 23 S.16)</p></blockquote>
<p>Die falsche Kritik dieses Büdnisses zeichnet sich also dadurch aus, dass sie Einzelne dafür verantwortlich macht, dass sich Studierende entsolidarisieren anstatt sich anzusehen wie die Dynamik kapitalistischer Produktionsweise von Studierenden (wie von den meisten Menschen) derart verinnerlicht wird, dass sie eben nicht nur zuallererst auf sich schauen sondern auch ihre KollegInnen sabotieren.</p>
<h3>Linker Antisemitismus</h3>
<p>Eine falsche und personalisierende Annahme über die gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse bildet die Grundlage für jede Form von Antisemitismus &#8211; oder anders: Antisemitismus ist die Personalisierung und Projektion des gesamten kapitalistischen Herrschaftszusammenhangs auf Menschen, die als jüdisch gelten.</p>
<p>Hier ist wichtig festzuhalten, dass es dabei irrelevant ist, ob sich diese Menschen selbst als jüdisch bezeichnen oder nicht, es handelt sich wie gesagt um eine Projektion. Der/Die AntisemitIn richtet sich gegen etwas, dass als übermächtig, alles durchdringend und beherrschend empfunden wird &#8211; nur dass er/sie es eben als das „jüdische Prinzip“ missversteht und nicht als kapitalistischen Herrschaftszusammenhang. Das ist auch der Grund dafür, dass sich der Nationalsozialismus zum Ziel setzte, Menschen, die als jüdisch galten, eben nicht zu versklaven wie dies z.B. bei PolInnen der Fall war sondern, entgegen aller wirtschaftlichen und kriegsstrategischen “Rationalität“, restlos zu vernichten.</p>
<p>Als Reaktion auf diese Ideologie des Antisemitismus hat sich eine Bewegung entwickelt, die zum Ziel hatte und hat, Menschen, die vom Antisemitismus bedroht sind, einen einigermaßen sicheren Aufenthaltsort zur Verfügung zu stellen. Diese Bewegung war und ist der Zionismus, das Bestreben vieler Juden/Jüdinnen nach einem eigenen Staat.</p>
<p>Nach dem Menschheitverbrechen des Holocaust hat sich der Fokus von emanzipatorischem Handeln selbst verschoben, da sich gezeigt hat, dass diese Gesellschaft zu Schlimmerem in der Lage ist als dem kapitalistischen Normalvollzug: nämlich seine negative Aufhebung in ein wahnhaftes Mordkollektiv. Daher gilt: <em>„(&#8230;) im Stande der Unfreiheit (&#8230;) Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole nichts ähnliches geschehe&#8230;“</em> (Adorno ND S.358)</p>
<p>Die Unfähigkeit der meisten Linken, diese historische Erfahrung zu reflektieren und sich mit dem Ziel des Zionismus solidarisch zu zeigen verkennt den Charakter des Antisemitismus und die Gefahr, die von ihm ausgeht &#8211; und ist damit selbst schon eine Form der Holocausrelativieruing und tendiert selbst zum Antisemitismus. Es loht sich hier einen Blick auf die Positionen der Linkswende zu werfen um den antisemitischen Wahn in Aktion zu erleben:</p>
<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Aus der marxistischen Sicht ist ein unbelesener, abergläubischer, muslimischer palästinensischer Bauer, der die Hamas wählt, unterstützenswerter, als ein belesener, liberaler und atheistischer Israeli, der hinter dem Zionismus steht. (http://www.linkswende.org/6174/Die-linke-Sicht-der-Dinge-auf-Atheismus)</p>
<p>Die Hamas bekennt sich in ihrer Charta offen dazu, Juden/Jüdinnen restlos vernichten zu wollen. Ein Glück, dass sie hierzu nicht in der Lage sind und perspektivisch auch nicht sein werden. Jedoch stellen sich Organisationen wie die Linkswende mit ihrer Parteinahme definitiv nicht auf die Seite der Emanzipation sondern auf die der Barbarei.</p>
<h3>„Solidarität ist die Zärtlichkeit der Volksgemeinschaften“</h3>
<p>Mit dem Antiimperialismus der Solidarischen Linken, der immer mit ihrem Antisemitismus einhergeht wird klar, wo diese Gruppen ihren Feind ausmachen. Mit dem permanenten Verweis auf wirtschaftliche Interessen wird das Vorgehen westlicher Staaten gegen islamistische, faschistoide und Israel hassende Staaten und Organisationen dämonisiert. Es soll hier nicht bezweifelt werden, dass militärische Aktionen meist herrschaftssichernden Interessen folgen. Jedoch stellt sich die Frage, ob eine solche Aktion eventuell doch in der Lage ist, aus den falschen Gründen das Richtige zu bewirken.</p>
<p>Konnten diese AntiimperialistInnen zu zeiten eines Vietnamkrieges und Interventionen in Chile noch von sich behaupten, auf Seiten des Fortschritts zu stehen (ob das stimmte oder nicht ist wieder eine andere Frage), so ist es nun offensichtlich, dass das Weltbild dieser AntiimperialistInnen nicht so weit weg von dem der FaschistInnen ist, wie oft behauptet wird. Das Ziel der allgemeinen menschlichen Emanzipation wird aufgegeben zugunsten eines völkischen Denkens: jedes Volk auf seinem Boden und ja nichts von außerhalb. Es wird sich ohne mit der Wimper zu zucken auf die Seite von Hamas, Ahmadinejad und den IslamistInnen in Mali gestellt. Die Ermordung Homosexueller und GegnerInnen des Regimes, die eliminatorischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel und die Unterdrückung von Frauen spielen keine Rolle mehr. Der Rassismus dieser Weltanschauung besteht darin, nicht universell die Emanzipation der Menschheit zu fordern, sondern die Verwirklichung von Gemeinschaften nach dem „Blut-und-Boden-Prinzip“, von der Jüdinnen/Juden natürlich ausgeschlossen sind.</p>
<h3>„Mund auf &#8211; aber nicht schlucken“</h3>
<p>Auch wenn es hin und wieder wichtig und witzig sein kann sich über die Prüderie der Linken lustig zu machen scheint es befremdlich wenn Gruppen in einem Zustand um 1917 herumoszillieren. So zu betrachten bei der sogenannten Antisexismuskampagne der KJÖ. Es werden wiedereinmal irgendwelche FeministInnen aus der glorreichen Sowjetunion hergenommen um zu zeigen: wir waren schon immer cool.</p>
<p>Dass Alexandra Kollontai für die KJÖ nur als Feigenblatt interessant ist, zeigt sich in der Art und Weise der Präsentation: reine Biographie statt einer Auseinandersetzung mit der Theorie (womit man diesen Personen sehr viel respektvoller gegenübertreten würde).</p>
<p>Auch die Titel der einzelnen Artikel sprechen für sich selbst: „Schlucks nicht, spucks aus, schlag zurück“, „Mund auf, Lohnschere zu“, „Ein revolutionäres Frauenbild könnte zu unerwarteten weiblichen Orgasmen führen“. Die Sexualisierung von Titeln, die sich zufälligerweise mit den Unterdrückungsverhältnissen von Frauen “beschäftigen“, bewirkt eine Degradierung der Thematik im Vergleich zu anderen Themen. Offensichtlich kann die KJÖ nur ans Ficken denken wenn es um die Diskriminierung von Frauen geht.</p>
<p>Überflüssig zu erwähnen, dass jene Artikel, die sich mit dem Zusamenhang von Sexismus und Kapitalismus “auseinandersetzen“, die selbe falsche Analyse der Verhältnisse zu Grunde liegt wie sie eingangs erwähnt wurde.<br />
Wer sich also dazu berufen fühlt, bei den anstehenden ÖH Wahlen Leute zu wählen, die das Ding mit der Emanzipation ernst nehmen, sollte von der Solidarischen Linken besser die Finger lassen.</p>
</div>
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		<title>Critical Whiteness und der Essenzialismus des Rassismus</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/critical-whiteness-und-der-essenzialismus-des-rassismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Grandhotel Abgrund]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 18:51:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2010 #2]]></category>
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					<description><![CDATA[Für die Weißseinsforschung ist das Weiße nicht eine bloße Farbe, sondern ein gesellschaftliches Konzept. Durch das Aufblühen der Kulturwissenschaften im Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsbetrieb hielten viele Disziplinen in die europäische Lehre und Forschung Einzug, wie es in der Form bis&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2010/critical-whiteness-und-der-essenzialismus-des-rassismus/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für die Weißseinsforschung ist das Weiße nicht eine bloße Farbe, sondern ein gesellschaftliches Konzept.</p>
<p>Durch das Aufblühen der Kulturwissenschaften im Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsbetrieb hielten viele Disziplinen in die europäische Lehre und Forschung Einzug, wie es in der Form bis Dato nicht denkbar gewesen wäre. Es entstanden interdisziplinäre Forschungsbereiche, die sich mit den Themen Geschlecht und Gesellschaft beschäftigen, postkoloniale Theorien entwikeln oder sich mit der Hautfarbe als gesellschaftlicher Kategorie auseinandersetzen. Was alle drei Bereiche eint, ist deren Nähe zur Postmoderne, vor allem zum Poststrukturalismus, der besagt, dass sich eine Identitätenbildung nur in der Abgrenzung zum Anderen konstituieren und erkannt werden kann.</p>
<p>Die Weißseinsforschung, als kritisches Gesellschaftsprinzip Critical Whiteness genannt, etablierte sich in den 1990er Jahren vor allem in den USA in Verbindung mit den Black- bzw. Afroamericanstudies, einem Forschungsbereich, der sich vor allem mit der Geschichte und der gesellschaftlichen Stellung der AfroamerikanerInnen beschäftigt.<br />
Otto Busse schildert in seinem Text „weiß-sein“ eine Szene aus dem alltäglichen Leben, anhand derer sich die Kernthesen der Weißseinsforschung charakteristisch zeigen lassen. Daniela hat sich beim Gemüseschnippeln in den Finger geschnitten, sie blutet. Daniela holt sich ein Pflaster und verarztet sich.Die Weißseinsforschung stellt sich die Frage, ob der Verlauf eines alltäglichen Ereignisses, in diesem Fall das einfache Schneiden mit einem Messer, für Daniela genauso ablaufen und stattfinden würde wenn sie schwarz wäre. Wäre Daniela schwarz, so könnte sie sich kein Pflaster in ihrer Hautfarbe kaufen, denn in einer Gesellschaft wie unserer ist alles auf die Menschen mit weißer Hautfarbe ausgerichtet. Das weiße Pflaster, das auf ihrer schwarzen Haut kleben würde, würde sie kennzeichnen, würde allen, die an Daniela vorbeilaufen offenbaren: Daniela ist anders als die „Normalen“.</p>
<p>Das Beispiel zeigt, dass viele gesellschaftliche Gegebenheiten, wie etwa das Produkt Pflaster, weiße Privilegien sind. Das Weißsein jedoch als Identität ist nicht eine bloße Farbe.<br />
Es ist ein Konzept, auf das sich das tägliche Handeln und das tägliche Empfinden stützt. Schon Bobby Searle, der Begründer der Black Panther Party, formulierte vor fast 30 Jahren, dass das Weißsein ein soziales Konstrukt sei. Es konstituiert sich am Anderen, am Schwarzen. Es benötigt laut Busse das Schwarzsein, um selbst zu existieren, um die eigene Identität zu entwickeln. Während das Schwarze als das Besondere erscheint, wird im Gegenzug das Weiße zum Normalen, zum Nichtsichtbaren.<br />
Otto Busse schreibt: „Es ist scheinbar keine Farbe und doch alle Farben in Einem, eine Leerstelle und doch universell, alles und nichts zugleich. Weiß-Sein erzeugt das Andere, entzieht sich aber selbst der Definition durch Andere.“</p>
<p><strong>Herrschaft</strong> und Kategorienbildung sind für Michel Foucault sowie für den Poststrukturalismus aufs Engste miteinander verzahnt. Das Weißsein, das sich in Abgrenzung zur Kategorie des Schwarzen konstituiert, sich jedoch nicht als eigenständige Kategorie ausdrückt, entwirft und manifestiert ein Herrschaftsverhältnis. Anders als die meisten Wissenschaften versucht die Weißseinsforschung mit ihrem Konzept Critical Whiteness der gesellschaftlichen Wirklichkeit entgegenzuwirken. Während sie sich vor allem mit der Analyse eines gesellschaftlichen Rassismus auf einer anderen Ebene beschäftigt, ist es ebenfalls ihr Ziel, eine Praxis des Antirassismus zu entwickeln, die sich auf die Erkenntnis des Weißseins als gesellschaftlichem Konstrukt stützt.</p>
<p>Walter Benn Michaels, Professor für Literaturwissenschaften an der University of Chicago, äußert hingegen Bedenken an der Kategorisierung von Schwarz und Weiß und stellt sich in seinem Text „Autobiography of an Ex-White Man. Why Race is not a social construcion“ kritisch mit der These des Weißseins als bloßer gesellschaftliche Kategorie auseinander. Er zitiert zu Beginn seines Textes aus James Weldon Johnstons Werk „Autobiography of an Ex-Colored Man“. Johnston schildert den Unterschied zwischen der Inspiration schwarzer und weißen Musiker, die sich durch schwarze Musik (z.B. Jazz, Blues oder HipHop) inspirieren lassen. Während die von Weißen geschaffene schwarze Musik als Imitation bezeichnet wird, so wird die von Schwarzen erzeugte schwarze Musik als Inspiration interpretiert. „Race Traitor“, das wichtigste Magazin für die Weißseinsforschung, bezeichnete die Imitation als eine Absprache des legitimen Erbes der Schwarzen.</p>
<p>In Johnstons Werk jedoch ist die Rasse die <strong>Funktion</strong> des Blutes, während „Race Traitor“ die mittlerweile anerkannte These vetritt, dass die Rasse keine „biologische“, sondern „gesellschaftliche“ Tatsache ist. Dadurch wird das „passing“ (Durchgehen oder Passieren) möglich, durch das Schwarze, die ihre auf schwarzen Wurzeln basierende Inspiration vernachlässigen, zu Ex-Schwarzen werden.<br />
Sie werden dadurch zu Imitatoren, ähnlich wie es Weiße sind, die schwarze Musik spielen. Für „Raice Traitor“ scheint es auch möglich zu sein, dass Weiße durch die Identifikation mit den Schwarzen zu Ex-Weißen werden.<br />
Dennoch, während Schwarze ihr Schwarzsein durch die Verheimlichung ihrer Wurzeln verlieren, so können Weiße nur durch die Zerstörung ihrer weißen Identität sich des Weißseins entledigen.</p>
<p>Walter Benn Michaels <strong>kritisiert</strong> die Auffassung der Rasse innerhalb der Weißseinsforschung dahingehend, dass er darauf insistiert, dass der Begriff „Rasse“ seinen essentialistischen Grundkern behalten muss, wenn Rasse weiterhin als Rasse begriffen werden soll. Ihm geht es selbstverständlich nicht um die Rettung eines Rassebegriffs, sondern er verweist auf die Notwendigkeit, Rasse nicht als gesellschaftliche Kategorie zu begreifen, wenn die gesellschaftlich rassistischen Praktiken aufgespürt und kritisiert werden sollen. Wenn Rasse antiessentialistisch aufgefasst werden kann, dann kann am Begriff der Rasse nicht mehr festgehalten werden, denn er hat für den Rassisten oder die Rassistin notwendigerweise einen essentiellen Kern. Wenn die Rasse notwendigerweise mit einem Essentialismus verknüpft ist, dann ist das oben angeführte Prinzip des „passings“ unmöglich, denn für RassistInnenen bleibt der Schwarze immer noch Schwarz, auch wenn er sich gesellschaftlich nicht schwarz verhält oder gar seine Wurzeln verleugnet. Die Rasse war und ist für den Rassisten oder die Rassistin eine biologische Eigenschaft, die durch eine nachträgliche Erklärung zu einer sozialen Kategorie verharmlost wird.</p>
<p><strong>Weißseinskonzepte</strong> haben die Beschäftigung mit der Rasse und dem Rassismus wieder in die akademische Auseinandersetzung geführt. Durch die Etablierung des Poststrukturalismus treffen Interpretationen aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können. Während im angeführten Beispiel Walter Benn Michaels von der Essentialität des Blutes und der Hautfarbe für den Rassisten ausgeht, so guckt die Weißseinsforschung von einem ganz anderen Blickwinkel auf den Rassismus. Sie begreift ihn als Funktion zur Identitätsstiftung des Weißen ohne das Weißsein an sich zu kategorisieren.</p>
<p style="text-align: right;">Grandhotel Abgrund</p>
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