<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Corona &#8211; gezeit</title>
	<atom:link href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/tag/corona/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://gewi.bagru.at/gezeit</link>
	<description>Zeitschrift der FV GEWI</description>
	<lastBuildDate>Mon, 30 Nov 2020 18:13:20 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.7.2</generator>
	<item>
		<title>Ein Spaziergang durch die Corona-Gesellschaft oder warum wir eine befreite Gesellschaft brauchen.</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/spaziergang-corona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FV GEWI]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2020 18:02:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Persönliche Eindrücke]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.fv-gewi.at/gezeit/?p=754</guid>

					<description><![CDATA[In den letzten Wochen sind viele Gedanken durch meinen Kopf gewandert &#8211; zur Gesellschaft, dazu, wie diese mit kranken Menschen umgeht, zu meinem eigenen Verhalten und zu meinen Ängsten. Viele versuchen sich im Moment noch an die Corona-Regeln zu halten,&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/spaziergang-corona/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>In den letzten Wochen sind viele Gedanken durch meinen Kopf gewandert &#8211; zur Gesellschaft, dazu, wie diese mit kranken Menschen umgeht, zu meinem eigenen Verhalten und zu meinen Ängsten. Viele versuchen sich im Moment noch an die Corona-Regeln zu halten, oft mit der guten Absicht, den Virus nicht weiter zu verbreiten. Allerdings fast genauso oft recht gedankenlos. Andere haben <em>auf-</em> und dem Wunsch nach Alltag <em>nach</em>gegeben oder sich vielleicht auch nie an Abstände und dergleichen gehalten. Vielleicht haben sie größere, dringlichere Probleme. Vielleicht haben sie solche Angst, dass sie Corona als Ganzes verdrängen. Das lässt sich schwer sagen, ohne ins Gespräch zu kommen, aber gerade das fällt mir schwer im Moment. Also versuche ich hier einige Gedanken zu teilen und so vielleicht andere zu Gesprächen zu bringen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Du musst draußen bleiben!</strong></h4>



<p>Nach und nach wurden immer mehr Geschäfte geöffnet, und im gleichen Ausmaß nahmen die Schilder zu, die an ihren Türen hängen. Vor dem Supermarkt werden nun große Tafeln aufgehängt, wer Fieber hat, Husten, Schnupfen oder schlecht Luft bekommt darf nicht hinein, auch, wer sich unwohl fühlt. Ich bleibe kurz stehen. Luft bekomme ich nie so richtig gut, meine Nase ist immer zu und Husten habe ich auch nicht selten. Soll ich trotzdem rein gehen? Wer hat dieses Schild wohl gemacht? Kennt die Person keine anderen Krankheiten als Corona? Ich ziehe die Maske über und gehe hinein. Ein Kratzen im Hals beginnt. Ich will nicht husten. Will nicht, dass mich alle skeptisch anstarren. Dabei schaue ich genauso, wenn andere husten. Warum nur? Habe ich solche Angst vor dem Virus, dass ich andere ablehne, die ihn haben könnten? Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn alle misstrauisch sind und es zur Ausgrenzung von erkrankten Menschen kommt?</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Komm mir bitte nicht zu nah!</strong></h4>



<p>Eine Frau beginnt einen Gang weiter herumzuschimpfen, eine andere Person ist ihr zu nahe gekommen. In meinem Kopf kämpfen zwei Seiten. Eine, die sich selbst über all die Menschen ärgert, die grundsätzlich zu nahe kommen und eine, die dieses Klima nicht mag und sich wünscht, dass sich Menschen wieder entspannt und frei begegnen können. Dann kommen wieder die Stimmen von all den Menschen und Ärzt*innen, die mir immer wieder gesagt haben: „Du musst aufpassen! Du bist Risikogruppe! Du musst Abstand halten! Es ist gefährlich für dich!“ Diese Stimmen höre nicht nur ich, sondern viele, und viele sind verunsichert und ich kann auch gut verstehen, dass eine*n das gereizt machen kann, und dass es Angst macht, so wenig zu wissen und dabei so viel zu „müssen“.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Wer ist für wen verantwortlich?</strong></h4>



<p>Also versuche ich, brav Abstand zu halten, zu den anderen Menschen, die einkaufen, zu jenen, die an mir vorübergehen, und zu allen, die dort arbeiten müssen. Warum bin ich brav? Warum sind plötzlich so viele „brav“, die sich sonst das Widerständige auf die Fahnen heften? In einer Krise sollen Menschen zusammenhalten. Aber wer hält hier zusammen, und entstehen dadurch nicht auch immer auch Ausschlüsse? Ist es nicht gerade jetzt wichtig, an den richtigen Stellen Kritik zu üben? Sich für jene einzusetzen, denen es mehr Kraft kostet? Grenzen werden geschlossen, Altersheime dürfen nicht betreten werden, und alle, die zur Risikogruppe zählen könnten sollen lieber gemieden werden.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Selbst- oder Fremdbestimmung?</strong></h4>



<p>Meine Oma rufe ich jetzt öfter an, auch meine Mama und viele meiner Freund*innen. Zum einen, weil diese alleine sind, aber auch, weil ich sie vermisse. Weil jetzt plötzlich viel Abstand zwischen uns liegt &#8211; da, wo Grenzen sind, scheinen sie tatsächlich unüberwindbar, und dort, wo keine sind, wirkt alles trotzdem plötzlich sehr weit weg. Meine Oma freut sich über die Anrufe, und sie ärgert sich, dass sie nicht gefragt wird, ob sie das Risiko von Corona eingehen will: „Ich sterbe sowieso in den nächsten ein bis fünf Jahren, da will ich Menschen sehen! Mir ist egal, ob ich Corona bekomme, aber mir ist nicht egal, ob ich einsam bin in dem bisschen Zeit, die ich noch habe!“ Mit dieser Meinung ist sie wohl nicht allein. Hier ist die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben gefordert, aber dafür fehlen oft die Strukturen &#8211; Altersheime sind dafür unzureichend eingerichtet. Das gilt jedoch vermutlich für viele Einrichtungen, in denen Menschen gemeinsam leben. Selbst WGs stellt die Situation vor große Herausforderungen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Was kann ich von anderen verlangen?</strong></h4>



<p>Nehmen wir an, in einer 5er-WG lebt eine Person, die zur Risikogruppe zählt und vier Personen, die zu jung und gesund sind, um sich zu ängstigen. Welche Einschränkungen können eingefordert werden? Was ist zu viel verlangt? Schon bei einer Zweier-Wohnsituation kommen diese Fragen auf. Was ist, wenn eine*r arbeiten muss? Wie kann mit gegensätzlichen Bedürfnissen umgegangen werden? Eine Person hält es nicht mehr aus, Freund*innen oder Familie nicht zu sehen und eine andere hat Angst vor jedem Kontakt und will sich zurückziehen. Sicher macht es Sinn, immer wieder miteinander zu sprechen, aber gerade, wenn es um Einschränkungen anderer geht, ist genau das oft schwer. Jetzt ist es wohl Zeit, langsam immer mehr Menschen zu sehen, aber auch da braucht es für mich (persönlich?Anm. mm) Regeln, um diese Begegnungen auch genießen zu können.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Wie sage ich das bloß?</strong></h4>



<p>Es ist für mich nicht leicht, Menschen, die ich sehr mag, nicht zu umarmen und von ihnen das gleiche zu verlangen. Es fühlt sich auch seltsam an, dass ich allen ein eigenes Handtuch gebe, die Flasche nicht teile und nicht zu nah sitzen will. Trotzdem brauche ich diese Verhaltensregeln jetzt noch, um mich mit anderen wohl zu fühlen. Manche sind von selbst aus achtsam, vielleicht, weil ihnen der Abstand auch ganz recht ist, oder weil sie darüber nachgedacht haben, oder weil sie Angst haben, mich anzustecken. Manchmal auch, weil wir darüber geredet haben. Gerade bei nicht so engen Freund*innen fällt mir das Darüber-Reden aber schwer. Weil es sehr persönlich ist, weil ich sagen muss, dass ich chronisch krank bin, weil ich Angst habe, dass sie mich für ein bisschen verrückt halten und weil ich grundsätzlich ungern etwas einfordere.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Abstand</strong></h4>



<p>Allerdings ist es auch so, dass ich zu Menschen, die wenig auf die allgemein empfohlenen Regeln achten, mehr Abstand brauche, und dort ist es dann umso schwerer, diesen auch einzufordern. Denn würden sie es genauso sehen oder für sinnvoll halten, würden sie sich ja ohnehin daran halten. Ich muss also etwas fordern, das sie für nicht so wichtig oder gar für sinnlos halten. Ich muss allerdings auch sehen, dass ich einen Vorteil habe, da ich in einer Beziehung bin, mit der ich auch zusammen wohne. Ich habe Nähe und ich habe Berührung und beides fehlt gerade vielen. Da ist es dann auch verständlich, nicht immer zu allen Abstand halten zu können. Manchen Menschen fällt es außerdem immer schwerer als anderen, das richtige Maß an Distanz zu finden. Was heißt das aber jetzt für mich? Diese Menschen einfach gar nicht zu sehen ist auch keine befriedigende Lösung.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zur Einheit werden.</strong></h4>



<p>Viele WGs, Paare und Familien sind durch die Ausgangssperren, Abstandsregeln etc. zwangsweise stärker zu einer Einheit geworden. Wenn es gut läuft, dann heißt das, dass gut abgesprochen und gemeinsam entschieden werden kann, wie agiert wird, und dass Zeit da ist, sich miteinander zu beschäftigen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Es heißt aber auch, dass Beziehungen und Familien einen höheren Stellenwert bekommen, da ich mich entscheiden muss, wen ich sehe und mit wem ich wohne. Ich stelle mir aber vor, dass es der reine Horror ist, wenn hier eine Zwangsgemeinschaft entsteht mit Menschen, mit denen es bereits vorher schwierig war. Stell dir mal vor, du wolltest dich gerade trennen von dein*er Partner*in, mit der du zusammenwohnst, und dann kommen die Ausgangsbeschänkungen und keine*r kann weg und ihr sitzt gemeinsam in der Wohnung fest. Oder mit Eltern, denen du sonst möglichst viel aus dem Weg gegangen bist, weil sie dir nicht guttun. Auch die angestiegenen Zahlen bei Gewalt gegen Frauen weisen darauf hin. Unter Krisenbedingungen mit Ungewissheit, Unsicherheit und mit mangelndem Ausgang spitzt sich hier sicher vieles zu. Dazu kommt noch, dass gerade Männer oftmals nicht gut gelernt haben, mit Stress und Konflikten umzugehen. Wie kann ich hier helfen? Wie kann ich diejenigen stärken, die es gerade brauchen?</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Warum fällt mir die Decke nicht auf den Kopf?</strong></h4>



<p>Zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen haben meine Kolleg*innen Tipps ausgetauscht, wie sie sich beschäftigen könnten: Sport zu Hause, einmal am Tag spazieren gehen, Online-Vorträge besuchen, usw… In meinem Freund*innenkreis wurden Serientipps weitergereicht, und dennoch hab ich einfach nichts davon geschafft. Meine Tage waren weiterhin so voll wie immer, nur, dass ich eben von zu Hause aus gearbeitet habe, das Abendessen mit der Familie über Skype stattfand und ich keine Helfer*innen für meinen Umzug und die Renovierung der Wohnung hatte. Meine Tage sind nach wie vor so voll, dass es mir nicht schadet, wenn ich nicht auch noch ins Kino, zu einer Ausstellung oder einem Vortrag gehe. Zumindest für eine gewisse Zeit tut das sogar ganz gut. Auf Dauer sicher nicht. Auch den Freund*innen mit kleineren Kindern wurde absolut nicht langweilig. Sie waren ganz im Gegenteil vollkommen überlastet, weil Home-Office mit ein bis drei Kindern einfach unmöglich ist und weil jegliche Unterstützung weggefallen ist. Weder Freund*innen und Familie noch Kindergarten oder Schule konnten hier etwas übernehmen. Wie kann auch unter solchen Bedingungen Last besser verteilt werden? Macht es Sinn, sich zu widersetzen und die Kinder den Freund*innen abzunehmen und/oder diese einfach trotzdem zu sehen?</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Privater Raum</strong></h4>



<p>Ein weiteres Glück, das ich habe, ist ausreichend Wohnraum. Ich kann mich, seit meinem Umzug, zurückziehen, habe einen Platz für Home-Office mit Videokonferenzen und einen Balkon zum Luft holen. Balkone sind in Wien schon selten, aber auch der Wohnraum ist für viele sehr beengt, und da ist dann nicht nur das Arbeiten schwer, sondern genauso, hin und wieder auf Distanz zu gehen. Wenn die Arbeit, Uni, Schule etc. jetzt auch zu Hause stattfindet, ist das Abgrenzen auch von diesen Tätigkeiten umso schwerer. In WGs und Familien wird der Kampf um unterschiedliche Ruhebedürfnisse mehr ausbrechen. Ganz schwierig wird es wohl für diejenigen, die keinen richtigen Wohnort haben, die sonst bei Freund*innen unterkommen, an wechselnden Plätzen schlafen oder auf der Straße.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Ruhezeit</strong></h4>



<p>Nur wer einen geeigneten Ort hat, kann sich dort auch ausruhen, kann die Zeit „zu Hause“ genießen. Nur wer genug Unterstützung hat, kann sich wohlfühlen. Durchaus aufgeatmet haben jene Freund*innen, die eigentlich ganz gerne alleine sind, die die es ohnehin als Stress empfinden, zu viel raus zu müssen, bzw. diejenigen, die ein sicheres Einkommen haben und nicht von der Angst überfordert wurden &#8211; diese konnten durchaus ausruhen. Ich bin über einen spannenden Artikel von Julia Pfligl im <em>Kurier</em> gestolpert, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Unter dem Titel „Fear of going out: Die neue Angst vor dem alten Leben“ beschreibt sie, wie die Angst etwas zu verpassen in die Angst vor dem Rausgehen umschlägt. Die feministische Kulturwissenschaftlerin Beatrice Frasl gibt in diesem Artikel folgende Antwort auf die Frage, welche Reaktionen sie auf ein Posting bekommen hat, in dem sie beschreibt, dass die Ausgangsbeschränkungen auf die oben genannten Personen entlastend wirken: „Die Menschen, von denen ich Antworten bekam, empfanden das Wegfallen von professionellen und sozialen Verpflichtungen und Erwartungen als große Erleichterung. Es war okay, sich zurück zu ziehen, weil es alle taten. Viele berichten, dass sich der Rückzug wie ein natürlicher Modus anfühlt, dem sie endlich nachgehen konnten.“ <a href="#note_1" id="link_1">[1]</a>
 So ging es mir zum Teil wohl auch. Ich war zufrieden mit meiner Zurückgezogenheit und konnte die Angst, etwas zu verpassen, ablegen. Jetzt habe ich etwas Angst, wieder teilnehmen zu müssen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Wie soll es weiter gehen?</strong></h4>



<p>Es ist gar nicht so leicht, wieder zurück zu finden zu „normalen“ Begegnungen. Zum einen, weil es immer noch kein Heilmittel gegen den Virus gibt, aber auch, weil die Distanz nicht einfach wieder aufzuheben ist. Zwischen heute und Anfang März haben sich zwar die Zahlen der Erkrankten geändert und die Länder, die besonders unter Corona leiden sind andere, aber eine Impfung oder ein gutes Medikament gibt es noch nicht. Und irgendwie irreal ist es auch weiterhin. Alle wissen noch viel zu wenig, um die Situation gut einschätzten zu können. Zumindest die Risikogruppen sollen weiterhin aufpassen. Da bleibt nur die Frage, wie diese weiter aufpassen können, wenn die Menschen um sie herum nicht mitmachen. Außerdem gibt es kaum Unterstützung von Ärzt*innen, weil diese selbst noch nicht mehr wissen und zurecht nichts Ungeprüftes raten wollen.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zuspitzung der schlechten Zustände</strong></h4>



<p>Wenn ich so darüber nachdenke, spitzt sich gerade einfach viel zu, was schon lange als Problem vorhanden ist. Vereinzelung, mangelnder Raum für selbstbestimmtes Leben, ungleiche Belastung mit Reproduktionsaufgaben, Zuschreibung von Geschlechterrollen, fehlendes Abfangen von Existenzängsten, mangelnde psychologische/psychosoziale Betreuung, zu wenig guter Wohnraum, schlechte Arbeitsbedingungen, ungleiche Löhne, viele, die ständig unter Stress stehen, usw…<br><br>Gefahren, an denen ich sterben könnte, gibt es auch sonst immer, und doch setze ich mich vielen davon aus, weil ich ja auch leben will, und genau, weil ich an diesem Leben so hänge, bekomme ich jetzt Angst. Die Risiken beim Wandern abzustürzen oder von einem Auto angefahren zu werden sind Gefahren, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier habe ich gelernt, mich möglichst gut zu schützen und mit dem Risiko zu leben, damit umzugehen und habe es für mich auch immer abgewogen. Corona ist neu und erfordert einen neuen Weg, den ich und alle anderen erst finden müssen. Jede*r für sich selbst und alle gemeinsam.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Zeit für eine solidarische, befreite Gesellschaft</strong></h4>



<p>Es ist Zeit, darüber nachzudenken, wie eine Gesellschaft aussehen kann, in der Lasten gleich verteilt sind, Zeit zum Verschnaufen bleibt und Ängste abgebaut werden können. In der nicht der Norm entsprochen werden muss, und in der Krankheit und Behinderung keine Gründe sind, abseits zu stehen. In der wir Rücksicht nehmen können, ohne uns zu viel einzuschränken, und in der Solidarität tatsächlich gelebt wird. In der wir frei genug sind, um Kritik zu üben, und um zu wissen, was wir brauchen und das auch einzufordern. In der wir frei genug sind, um auf andere zu achten und gemeinsam zu leben, ohne dabei als Einzelne unterzugehen. In der wir die Schwächsten zu Starken machen und in der alle eine Stimme haben, die etwas zählt und die ernst genommen wird.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quelle</h2>



<p><a href="#link_1" id="note_1">[1]</a> Fear of going out: Die neue Angst vor dem alten Leben, Kurier.at (29.05.2020), URL: <a href="https://kurier.at/freizeit/leben-liebe-sex/fear-of-going-out-die-neue-angst-vor-dem-alten-leben/400865036">https://kurier.at/freizeit/leben-liebe-sex/fear-of-going-out-die-neue-angst-vor-dem-alten-leben/400865036 das ist die Quelle</a> (abgerufen am 30.06.2020)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Veränderungen des Zugangs zu Schwanger&#173;schafts&#173;ab&#173;brüchen für Betroffene in Polen während der Covid-19-Pandemie</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/schwangerschaftsabbruch-polen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FV GEWI]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2020 18:29:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[polen]]></category>
		<category><![CDATA[schwangerschaftsabbruch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.fv-gewi.at/gezeit/?p=730</guid>

					<description><![CDATA[Dieser Artikel beschäftigt sich mit der aktuellen Situation bezüglich des Zugangs zu sicheren und legalen Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs in Polen während der Covid-19-Pandemie, den damit verbundenen staatlichen Maßnahmen sowie der Arbeit von Gruppen, welche Betroffene unterstützten Die nationalkonservative Regierung Polens&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/schwangerschaftsabbruch-polen/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Dieser Artikel beschäftigt sich mit der aktuellen Situation bezüglich des Zugangs zu sicheren und legalen Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs in Polen während der Covid-19-Pandemie, den damit verbundenen staatlichen Maßnahmen sowie der Arbeit von Gruppen, welche Betroffene unterstützten</em></p>



<p>Die nationalkonservative Regierung Polens erlangt aktuell mit Diskussionen um eine erneute Verschärfung des Abtreibungsgesetzes mediale Aufmerksamkeit. Mitte April 2020 wurde im Parlament eine Gesetzesnovelle diskutiert, welche vorsieht, die aktuell geltende Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch wegen Missbildungen oder unheilbaren Krankheiten des Kindes zu streichen <a href="#note_1" id="link_1">[1]</a>. Dadurch wären Schwangerschaftsabbrüche nur noch unter zwei Voraussetzungen erlaubt: Bei Gefährdung des Lebens der schwangeren Person und bei Schwangerschaften, die aus einer Vergewaltigung resultieren. Offizielle Zahlen der Regierung weisen darauf hin, dass etwa 95% aller legal in Polen durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche gerade aufgrund dieser aktuell parlamentarisch diskutierten Indikation durchgeführt werden <a href="#note_2" id="link_2">[2]</a>. Der Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen in Polen würde durch diese Novelle somit nahezu komplett verunmöglicht <a href="#note_3" id="link_3">[3]</a>
.</p>



<p>Einen Monat später, im Mai 2020, wurde durch die Veränderung des Arztgesetzes in Polen der Zugang zu Informationen bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen für Betroffene eingeschränkt. Bis dato waren Ärzt_innen und Spitäler bei Verweigerung der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs aus Gewissensgründen verpflichtet, den Betroffenen Auskunft über Einrichtungen zu geben, in denen Abbrüche durchgeführt werden. Mit dem neuen Gesetz sind die Betroffenen auf sich allein gestellt, da diese Auskunft nicht mehr gegeben werden muss <a href="#note_4" id="link_4">[4]</a>
.</p>



<p>Doch Abbrüche finden statt, egal ob der Staat sich in den Weg stellt oder nicht. Betroffenen stehen dabei medizinisch grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs zur Verfügung: der medikamentöse Abbruch und der chirurgische Abbruch. In ersterem werden Medikamente eingenommen, welche künstlich eine Abbruchblutung herbeiführen. Der chirurgische Abbruch ist ein ambulantes Verfahren unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose. Dabei werden das Embryo und die Gebärmutterschleimhaut mittels eines durch die Gebärmutter eingeführten Röhrchens abgesaugt.</p>



<p>Unter den gesetzlichen Umständen in Polen bieten sich für Betroffene vor allem zwei Möglichkeiten, einen Schwangerschaftsabbruch möglichst sicher durchzuführen. Einerseits können sie einen pharmakologischen oder operativen Abbruch in einem anderen Land durchführen, in dem Schwangerschaftsabbrüche möglich sind, wie beispielsweise Deutschland, Österreich, die Niederlande oder Großbritannien. Andererseits besteht die Möglichkeit einen medikamentösen Abbruch zu Hause durchzuführen <a href="#note_5" id="link_5">[5]</a>
. In diesem Fall kann die Person die notwendigen Medikamente bei privaten Anbieter_innen im Internet oder bei Organisationen wie beispielsweise <em>Women Help Women</em> (WHW) legal erwerben. Die Medikamente werden der betroffenen Person dann postalisch zugesandt. Aus rechtlicher Perspektive sind sowohl Schwangerschaftsabbrüche im Ausland als auch selbst herbeigeführte medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche zu Hause legal. Es ist also nicht illegal, die Medikamente einzunehmen, allerdings sind die Medikamente in Polen nicht legal zugänglich.</p>



<p>Verschiedene feministische Organisationen versuchen Betroffene zu unterstützen: sie teilen rechtliche, medizinische und psychologische Informationen, beraten oder unterstützen auch konkret bei einem Abbruch, indem sie finanzielle Zuschüsse geben, Reisen organisieren oder mit Kliniken in Kontakt stehen. Hierzu zählen beispielsweise die Organisationen <em>Ciocia Basia</em> (Tante Barbara), <em>Aborcyjny Dream Team</em>, <em>Abortion Network Amsterdam</em> oder das <em>Abortion Support Network</em> (Großbritannien). Allein <em>Ciocia Basia</em> betreut rund 25 Personen pro Woche, wobei etwa 80% der Betroffenen sich für einen medikamentösen Abbruch entscheiden.</p>



<p>In folgenden möchte ich der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die Pandemie auf den Zugang zu und die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen für Betroffene in Polen bisher hatte. Hierzu werde ich sowohl einzelne gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beschreiben als auch damit verbundene Auswirkungen auf die Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs für Betroffene skizzieren. Die Informationen stammen dabei vor allem aus öffentlich zugänglichen Quellen sowie aus einem Gespräch mit Zuzana Dziuban, einer Aktivistin der Gruppe <em>Ciocia Basia</em>, welche Betroffene bei Schwangerschaftsabbrüchen in Berlin unterstützt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>AUSWIRKUNGEN DER PANDEMIE AUF DEN ZUGANG ZU SCHWANGER­SCHAFTS­AB­BRÜCHEN VON IN POLEN LEBENDEN PERSONEN</strong></h3>



<p>Seit Beginn der Ausbreitung von Covid-19 in Polen verzeichnet die Gruppe <em>Ciocia Basia</em> etwa 50% mehr Anfragen als vor der Krise. Den Anstieg erklärt sich die Gruppe primär dadurch, dass die Verschlechterung der ökonomischen Situation dazu führe, dass mehr Personen einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen. Die Gespräche seien von einer großen Unsicherheit der Anrufenden geprägt. Einerseits gäbe es aufgrund der Reisebeschränkungen mehr Unsicherheiten und Ängste bezüglich des Zugangs zu Abbrüchen im Ausland. Anderseits berichtet <em>Ciocia Basia</em> auch, dass sie vermehrt von schwangeren Personen kontaktiert werden, welche sich noch nicht sicher sind, ob sie die Schwangerschaft abbrechen möchten oder nicht. Diese Unsicherheit führt die Gruppe auf die schwer einzuschätzenden sozialen und ökonomischen Auswirkungen der globalen Pandemie zurück. Vor der Pandemie hätten sich primär Betroffene gemeldet, die bereits einen festen Entschluss zu einem Schwangerschaftsabbruch gefasst haben.</p>



<p>Die Grenzen zu allen Nachbarstaaten Polens wurden mit 15. März 2020 geschlossen <a href="#note_6" id="link_6">[6]</a>. Laut offiziellen Angaben der Regierung ist eine Ausreise nur unter Nachweis bestimmter Begründungen an den Grenzübergängen möglich. Hierzu zählt beispielsweise ein Anstellungsverhältnis oder Schulbesuch im Ausland – medizinische Behandlungen werden auf der Website der Regierung nicht als Begründung angegeben. Die Gruppe <em>Ciocia Basia</em> berichtet jedoch, dass eine Einreise nach Deutschland sehr wohl möglich ist. Demnach können die Kliniken eine Bescheinigung ausstellen, welche es den Personen aufgrund einer „nicht aufschiebbaren medizinischen Behandlung“ erlaubt, nach Deutschland einzureisen. Die Ausstellung dieser Bescheinigungen von Seiten der deutschen Kliniken funktioniere nach Angaben von <em>Ciocia Basia</em> seit Beginn der Grenzschließungen rasch und ohne Probleme. Die Tatsache, dass diese Information jedoch nicht öffentlich von der Regierung angeführt wird <a href="#note_7" id="link_7">[7]</a>, ist ein Problem. Denn nicht jede_r Betroffene_r hat die Ressourcen, diese Information einzuholen und nicht jede_r Betroffene kennt und kontaktiert Gruppen wie <em>Ciocia</em> <em>Basia</em>. So kann der Eindruck erweckt werden, dass ein Schwangerschaftsabbruch im Ausland aufgrund der Ausreisebeschränkungen nicht möglich ist.</p>



<p>Zeitweise waren alle internationalen und nationalen Zug- und Flugverbindungen ausgesetzt. Ein Grenzübergang war von März bis Mai 2020 somit nur noch mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß möglich <a href="#note_8" id="link_8">[8]</a>. Dies erschwert den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen im Ausland, da nicht jede_r Zugriff auf ein Auto hat. Seit Mitte Mai wurde schrittweise ein eingeschränkter Flug- und Zugverkehr wieder aufgenommen <a href="#note_9" id="link_9">[9]</a>. <em>Ciocia Basia</em> weist jedoch darauf hin, dass trotz der Wiederaufnahme des Flug- und Zugverkehrs viele Fahrten kurzfristig storniert wurden und werden. Dies bedeutet nicht nur einen finanziellen Mehraufwand für die unterstützenden Gruppen und Betroffenen. Es besteht auch die Gefahr, dass die Betroffenen bei Verschiebung der Fahrt zu spät im Zielland ankommen und ein Abbruch innerhalb der legalen Fristen für einen Schwangerschaftsabbruch dann nicht mehr möglich ist. Die Unsicherheit der Flug- und Zugverbindungen kann so zu einer zusätzlichen Belastung für die Betroffenen werden. <em>Ciocia Basia</em> berichtet zudem, dass Spitäler – im Gegensatz zu Abtreibungskliniken – in Großbritannien und Belgien keine ausländischen Patient_innen mehr behandeln. Dadurch werden die Auswahloptionen für die Betroffenen eingeschränkt. Diese Möglichkeiten können bei fortgeschrittenen Schwangerschaften jedoch sehr wichtig sein. Im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo ein Abbruch bis zur 14. Schwangerschaftswoche möglich ist, endet die Frist in Großbritannien beispielsweise erst mit der 24. Schwangerschaftswoche.</p>



<p>Eine weitere Belastung kann die Begründung für eine Auslandsreise während einer globalen Pandemie vor Verwandten, der Familie und Freunden sein. So war es bereits vor der Pandemie üblich, dass die Betroffenen Angehörige nicht über einen Schwangerschaftsabbruch bei einem Aufenthalt im Ausland informierten. Gängige Ausreden, wie der Besuch einer Freundin oder ein Kurzurlaub, erweckten bei den Angehörigen nur selten einen Verdacht. In Zeiten einer globalen Pandemie können diese „Ausreden“ jedoch von Angehörigen hinterfragt werden und „verdächtig“ wirken.</p>



<p>Die aufgrund von Covid-19 verhängten Maßnahmen in Deutschland haben jedoch auch eine positive Auswirkung auf die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen, zumindest in Deutschland. <em>Ciocia Basia</em> berichtet, dass sich das <em>Setting</em> der in Deutschland verpflichtenden psychologischen Beratungsgespräche (bezüglich der Niederschwelligkeit) verbessert hat. Während Betroffene vor der Krise drei Tage vor dem Abbruch eine persönliche psychologische Beratung in Deutschland in Anspruch nehmen mussten, gäbe es nun auch telefonische Beratungen. Dadurch würde sich der Aufenthalt in Deutschland verkürzen, was für viele eine finanzielle Erleichterung ist darstellt und den zeitlichen Aufwand eines für einen Schwangerschaftsabbruches verringert. Die Hoffnungen der Gruppe sind groß, dass diese Praxis auch nach der Pandemie beibehalten wird.</p>



<p>Die postalische Zusendung der Medikamente funktioniere nach <em>Ciocia Basia</em> weiterhin wie gewohnt. Trotzdem habe sich die Situation für Betroffene, welche einen Abbruch zu Hause durchführen möchten, aufgrund der verhängten Maßnahmen verschärft. Wie bereits erwähnt, verheimlichen viele Betroffene den Eltern, Partner_innen, Bekannten und sonstigen Angehörigen, ihre Schwangerschaft bzw. den Abbruch dieser. Die negativen Konsequenzen, wenn die ‚falschen‘ Personen von einem (geplanten) Abbruch erfahren, reichen von Stigmatisierung, <em>Outings</em> bis hin zur Androhung der Meldung bei der Polizei oder der Verhinderung des Abbruchs mit allen Mitteln. Ähnlich wie in Deutschland und Österreich wurden in Polen aufgrund der steigenden Anzahl von Covid-19-Infektionen im März 2020 Ausgangsbeschränkungen eingeführt. Hierzu zählt beispielsweise die Schließung von Schulen, der Gastronomie und großer Teile des Handels. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur für zwei nicht im selben Haushalt lebenden Personen unter Einhaltung eines Mindestabstandes von zwei Metern möglich <a href="#note_9" id="link_9">[9]</a>. Zusätzlich wurden Arbeitgeber_innen dazu aufgerufen, ihre Angestellten von zuhause arbeiten zu lassen, wenn dies möglich ist <a href="#note_10" id="link_10">[10]</a>. Diese Ausgangsbeschränkungen führen dazu, dass Angehörige eines Haushalts mehr Zeit gemeinsam zuhause verbringen. Die Durchführung eines Abbruchs ohne dass Familienangehörige, Mitbewohner_innen oder Partner_innen dies mitbekommen, hat sich dadurch erschwert. Es besteht z. B. das Risiko, dass Angehörige desselben Haushaltes das Paket der Post oder die Tablettenverpackung finden, oder die Blutungen oder Schmerzen bemerkten, die einen medikamentösen Abbruch begleiten. Betroffene, die allein aufgrund des Abbruchs schon psychisch belastet sein können, erleben dadurch zusätzlichen Stress. Auch der heimliche Kontakt zu Organisationen wie beispielsweise <em>Ciocia Basia</em> kann erschwert werden, wenn Betroffene weniger Möglichkeiten haben, um ungestört zu telefonieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>CONCLUSIO</strong></h3>



<p>Es lässt sich somit festhalten, dass sich die Situation von Betroffenen, welche einen Schwangerschaftsabbruch durchführen möchten, mit der Pandemie und den damit verhängten Maßnahmen verschlechtert hat. Personen, die selbstständig einen Abbruch im Ausland organisieren, sind nicht nur mit unklaren rechtlichen Aus- und Einreisebestimmungen und fehlenden öffentlich zugänglichen Informationen konfrontiert, auch der eingeschränkte Zug- und Flugverkehr erschwert die Planung einer Reise. Umso wichtiger sind in diesen Zeiten deshalb Organisationen, welche Betroffene in der Reiseplanung aufklären und finanziell wie psychisch unterstützten und begleiten.</p>



<p>Es ist zudem festzuhalten, dass diese Organisationen – welche größtenteils unbezahlt tätig sind – auf Hochtouren arbeiten müssen, um die benötigte Unterstützung zu gewährleisten. So ist nicht nur die Anfrage nach Unterstützung bei und Informationen über Schwangerschaftsabbrüche(n) gestiegen. Die Organisationen sehen sich auch mit sich rasch und stetig ändernden gesetzlichen Bestimmungen konfrontiert, auf die sie schnellstmöglich reagieren müssen. Im Falle <em>Ciocia Basias</em> ermöglichten genau diese schnellen Reaktionen, dass Betroffenen bei Schwangerschaftsabbrüchen – egal ob im Ausland oder zu Hause – weiterhin geholfen werden konnte und kann.</p>



<p>Es gilt also nach wie vor, global für die Rechte der Selbstbestimmung über den eigenen Körper zu kämpfen und diese Rechte gegen Angriffe von Kirche, (national)konservativen Kräften und Staat zu verteidigen, wo es nur möglich ist. Denn wie am Beispiel Polens gezeigt werden konnte, setzten diese Angriffe während der globalen Pandemie nicht aus. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, trotz Ausgangsbeschränkungen und dem öffentlichen und medialen Fokus auf die Pandemie, sichtbaren und lauten Widerstand gegen solche Entwicklungen zu leisten.</p>



<p>Sandra Jurdyga</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Quellenverzeichnis</strong></h3>



<p><a href="#link_1" id="note_1">[1]</a> Polen will härteres Abtreibungsrecht und Verbot von &#8222;Sexpropaganda&#8220;, Die Standard (16.04.2020), URL: <a href="https://bit.ly/3h5ImHN">https://</a><a href="https://bit.ly/3h5ImHN">bit.ly/3h5ImHN</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_2" id="note_2">[2]</a> Aborcja w Polsce i na świecie. Fakty i liczby: czym jest aborcja, (nie)legalne metody przerywania ciąży i ich skutki, Ideologia (o.D.), URL: <a href="https://bit.ly/2Y8TY4i">https://</a><a href="https://bit.ly/2Y8TY4i">bit.ly/2Y8TY4i</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_3" id="note_3">[3]</a> Die Gesetzesnovelle wurde zum aktuellen Zeitpunkt vom Parlament weder abgelehnt noch angenommen. Stattdessen wurde es der Gesundheitskommission und der Kommission für Sozialpolitik und Familie übergeben, um dort überarbeitet zu werden. Nach der Überarbeitung würde der Antrag erneut im Parlament eingebracht werden. Es ist also noch offen, ob das Gesetz in Zukunft in Kraft tritt oder nicht. Quelle: Posłowie będą dalej pracować nad projektem &#8222;Zatrzymaj aborcję&#8220;: Ustawa trafiła do komisji, Gazeta Prawna (16.04.2020), URL: <a href="https://bit.ly/2z8KugO">https://bit.ly/2z8KugO</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_4" id="note_4">[4]</a> Dudek, Anna J.: Mój światopogląd jest lepszy niż twój. Poprawka Piechy skazuje kobiety na aborcyjne podziemie Wysokie Obcasy (29.05.2020), URL: <a href="https://bit.ly/37WPe6d">https://</a><a href="https://bit.ly/37WPe6d">bit.ly/37WPe6d</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_5" id="note_5">[5]</a> Aborcja – musisz wiedzieć, Aborcyjny Dream Team (o.D.), URL: <a href="https://bit.ly/2XDYwk0">https://</a><a href="https://bit.ly/2XDYwk0">bit.ly/2XDYwk0</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_6" id="note_6">[6]</a> Zamykamy granice przed koronawirusem, Serwis Rzeczypospolitej Polskiej (13.03.2020a), URL: <a href="https://bit.ly/2AV339p">https://</a><a href="https://bit.ly/2AV339p">bit.ly/2AV339p</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_7" id="note_7">[7]</a> Koronawirus: informacje i zalecenia – Pytania i odpowiedzi, Serwis Rzeczypospolitej Polskiej (o.D.), URL: <a href="https://bit.ly/2VbnTIv">https://</a><a href="https://bit.ly/2VbnTIv">bit.ly/2VbnTIv</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_8" id="note_8">[8]</a> Polen in Deutschland: Eindämmungsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus, Serwis Rzeczypospolitej Polskiej (10.06.2020b), URL: <a href="https://bit.ly/2Z18oUE">https://</a><a href="https://bit.ly/2Z18oUE">bit.ly/2Z18oUE</a> (abgerufen am 24.06.2020)</p>



<p><a href="#link_9" id="note_9">[9]</a> Coronavirus: Situation in Polen – aktuelle Lage und laufende Updates, WKO (22.06.2020a), URL: <a href="https://bit.ly/2ZihMn1">https://</a><a href="https://bit.ly/2ZihMn1">bit.ly/2ZihMn1</a> (abgerufen am 10.06.2020)</p>



<p><a href="#link_10" id="note_10">[10]</a> Serwis Rzeczypospolitej Polskiej (11.05.2020c) URL: <a href="https://bit.ly/2Z1hCjH">https://</a><a href="https://bit.ly/2Z1hCjH">bit.ly/2Z1hCjH</a> (abgerufen am 24.06.2020): <a href="https://www.gov.pl/web/koronawirus/prawa-i-obowiazki-pracownika-podczas-epidemii">https://www.gov.pl/web/koronawirus/prawa-i-obowiazki-pracownika-podczas-epidemii</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>In Zeiten brennender Mobilfunk-Masten</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/in-zeiten-brennender-mobilfunk-masten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FV GEWI]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2020 18:08:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kritische Theorie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.fv-gewi.at/gezeit/?p=718</guid>

					<description><![CDATA[Digitalisierung ist in aller Munde – zugleich scheint eine zweifelhafte Klarheit darüber zu herrschen, worum es sich dabei überhaupt handelt. Nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie sind in diesem Zusammenhang in den vergangenen Monaten Auswirkungen und Phänomene sichtbar geworden, welche die spezifische&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/in-zeiten-brennender-mobilfunk-masten/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Digitalisierung ist in aller Munde – zugleich scheint eine zweifelhafte Klarheit darüber zu herrschen, worum es sich dabei überhaupt handelt. Nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie sind in diesem Zusammenhang in den vergangenen Monaten Auswirkungen und Phänomene sichtbar geworden, welche die spezifische Verdinglichung der Wirklichkeit durch die Digitalisierung ideologisch einhüllen und damit verdecken, was sich dem gesellschaftlichen Bewusstsein entzieht. Eine kritische Beschreibung, Analyse und Diagnose der Gegenwart sowie ihrer Prophet_innen.</em></p>



<p>Es scheint auf der Hand zu liegen, von einem Ausnahmezustand, gar einer Krise fern der Normalität zu sprechen. Die von nahezu allen Regierungen weltweit vorgenommenen Pandemie-Verordnungen und ihre massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wie wir es bisher kannten, lösen diesen Affekt unwillkürlich aus. Es scheint, als bräche der Lauf der Zeit entzwei in die moderne Welt vor und die nach der Pandemie. Dieser Einschnitt definiert so ein Ende des Bestehenden und deutet zugleich den Anfang einer noch unbestimmten Zukunft an. Wenig überraschend und scheinbar automatisch hallt nun auf einmal ein verklungenes Echo nach dem Ruf eines ‚revolutionären Moments‘ zurück. Gar allzu messianisch verheißen zahlreiche Stimmen aller politischen Spektren, dass jetzt die Zeit einer Neueinrichtung der Welt gekommen sei. <a href="#note_1" id="link_1">[1]</a> Von zuhause aus? Wenn aber unerwarteterweise die Streaming-Verbindung der ‚revolutionären Zelle‘ abreißt, weil der_die Nachbar_in lieber die gesamte Bandbreite mit <em>Haus des Geldes</em> auf <em>Netflix</em> in Beschlag nimmt, drängt sich einem_einer ernüchternd auf, die ‚Verhältnisse‘ haben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Offenbar ist es leider doch wieder kompliziert.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>„Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“ vom Küchentisch</strong></h3>



<p>Mitte März 2020 überschlagen sich die Nachrichten. Es schließen Kindergärten, Universitäten, Museen, Theater, Kinos, Clubs – Arbeitsstätten. Beschäftigte werden entlassen, beurlaubt, in Kurzarbeit oder direkt ins <em>home office</em> geschickt. Die ganze Welt geht nach Hause – solang sie ein Zuhause hat. Die Straßen sind leer, aber die Kabel der Netze glühen. Was nun geschieht, ist alles andere als Stillstand. Während wie von Geisterhand der Fernsehsender <em>ARTE</em> Live-Sets von menschenlosen Berliner Tanzflächen sendet, um vermeintlich das Sterben der Diskotheken aufzuhalten und Freundeskreise sich von nun an über <em>ZOOM</em> gemeinsam gegen die Einsamkeit betrinken, startete am 03. April die<em> ZDF</em>-Miniserie „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“, produziert von der <em>Bildundtonfabrik</em> (BTF) als kondensiertes Sinnbild dieses Zustandes.</p>



<p>„Die 35-jährige Charlotte (Lavinia Wilson) wollte ihr Leben umkrempeln, und zwar so richtig. Mit ihrem Job in der Werbeagentur hadert sie schon lange und mit ihrer Familie läuft es auch nicht rund. […][P]lötzlich kommt die Pandemie und alles wird anders. Eigentlich wollte Charlotte einfach nur raus. Raus aus dem Job, raus aus der Ehe, aber jetzt muss sie erstmal inne halten und bleibt DRINNEN.“ <a href="#note_2" id="link_2">[2]</a></p>



<p>Geschrieben, produziert und gedreht direkt aus dem <em>home office</em>, heißt es gerade zu euphorisch vom ZDF-Hauptredaktionsleiter Frank Zervos. <a href="#note_3" id="link_3">[3]</a> Als Dreh- und Angelpunkt der Handlung fungiert das MacBook der Protagonistin. Doch anders als nur ‚Unterhaltung‘ bringt die 15-teilige ZDFneo-Miniserie damit ganz unscheinbar das Wesen der aktuellen Lage hervor. Viel deutlicher als bei vergleichbaren weltpolitischen Situationen bisher, tritt auf einmal ein gesellschaftsformendes Prinzip aus dem Schatten heraus, welches scheinbar so allgegenwärtig wie unerkannt ist. Nennen wir es der Einfachheit halber vorsichtig <em>Digitalisierung </em>. Belächelnd und mit einer gewissen Skepsis ließe sich behaupten, dass es sich dabei lediglich um eines unter zahlreichen postmodernen ,Buzzwords‘ handele. Doch dies soll nicht darüber hinweg täuschen, dass es ohne Frage als solches gebraucht wird; was sich aber dahinter verbirgt, soll sich noch zeigen. Die bloße Schlussfolgerung, aus wahrnehmbaren alltagskulturellen Veränderungen der vergangenen Monate von einer wie auch immer gearteten Krise oder einem Ausnahmezustand zu sprechen, vernebelt den Übergang von <em>Analogem </em>zu<em> Digitalem</em>. Eine materialistische Betrachtung dessen kann womöglich grundlegend für die Durchdringung gesellschaftlicher Wirklichkeit sein.</p>



<p>Von zuhause aus zu arbeiten kann selbstredend auf den ersten Blick sehr komfortabel sein. Doch was geschieht, wenn das die einzige Möglichkeit ist, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten oder die jeweilige Ausbildung fortzusetzen? Prekäre, nicht-systemrelevante Beschäftigungsverhältnisse müssen sich so kurzerhand und gezwungenermaßen den Raum mit Reproduktionsarbeit teilen. Vermittelt durch eine Datenleitung, scheint sich auf einmal die öffentliche Sphäre auf wenige bewohnte Quadratmeter zu komprimieren. Eine solide Verbindung des Informationsaustausches und seine digitale Verlagerung der Sphäre des Öffentlichen in die private Wohnung hinein führt nun dazu, dass sich Lohnarbeitsverhältnisse weiter prekär verschärfen, da Arbeitgeber_innen über das Diktum einer vielbeschworenen „Flexibilität“ nun direkter Einfluss auf die Arbeitnehmer_innen nehmen können. Das geschieht durch die Expropriation der Privatsphäre und ihrer warenförmigen Reglementierung mittels der impliziten Erwartung, auch außerhalb regulärer Arbeitszeiten und außerhalb der eigentlichen Arbeitsstätte, nämlich nun in den eigenen vier Wänden, für das Lohnarbeitsverhältnis verfügbar sein zu müssen. In diesem Sinne ist dieser Prozess unter dem Marx’schen Begriff der ursprünglichen Akkumulation zu begreifen. Grundsätzlich heißt dies, dass Arbeiter_innen vom Eigentum ihrer Arbeitsbedingungen getrennt – enteignet – werden und damit zwangsweise in ein Verhältnis der Lohnarbeit übergehen. <a href="#note_4" id="link_4">[4]</a> Dies beschrieb Marx zunächst historisch im Übergang der bäuerlichen Arbeit zur doppeltfreien Lohnarbeit. Jedoch gilt es hierbei nicht, den Prozess der „sogenannten ursprünglichen Akkumulation<em>“</em> als ein spezifisch-historisches, sondern vor allem als ein allgemein-permanentes Verhältnis zu verstehen, das sich so auch in den täglichen Zoom-Meeting-Marathons am Küchentisch oder aus dem Bett wirkmächtig zeigt. Eigentumsverhältnisse, die bislang der Privatsphäre zugeschrieben waren, werden nun zu Stätten, an denen sich abstrakte Arbeit unter Konsumption materieller Bedingungen – wie beispielsweise die Wärme der Gasheizung, die eigenen gekauften Möbel und nicht zuletzt die Internetverbindung – in Wert vergegenständlicht. Wenn man den Ausführungen von Marx folgt, dann müssen wir davon ausgehen, dass durch eine globale Vernetzung eine vermittelte und unumkehrbare Möglichkeit geschaffen ist, eine bislang nicht zugänglich gewesene materielle Basis zu erschließen, die somit an ein Kapitalverhältnis geknüpft ist. Das anfänglich als emanzipatorisches Moment proklamierte Internet als <em>global village</em> hat sich schon längst im Dienste des Weltmarktes sowie des industrialisierten Fortschritts in ihr Gegenteil verkehrt. Zwar mag vielleicht gerade jetzt durch <em>home office</em>-Instastories dieses Ausbeutungsverhältnis zunehmend sichtbarer werden, doch scheinen die Bedingungen dieser Ausbeutung kaum jemanden hinter dem Ofen hervor zu holen, in dem das häusliche <em>DIY</em>-Sauerteigbrot bäckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was nicht digital ist, findet nicht statt</strong></h3>



<p>Denken wir nun an die ‚innovativen‘ Einfälle und Angebote der letzten Monate: Theater streamen Aufzeichnungen ‚legendärer‘ Aufführungen. Die Deutschen Bundesregierung hackt gemeinsam mit tausenden Freiwilligen an ‚Solutions‘ (<em>#wirvsvirus</em>). Unzählige Online-Spendenaufrufe fluten die <em>Feeds</em> und alle Universitäten stellen ihr Lehrangebot auf sogenanntes <em>home-learning</em> um. An all diesen Beispielen wird es kaum vorstellbar, dem stoischen und fast schon wahnhaften inhärentem Diktum zu entkommen: alles <em>kann</em> digitalisiert werden, also <em>muss</em>&nbsp; alles digitalisiert werden. Noch 2019 benannte die Universität Wien ein neues Vizerektorat mit dem Titel „Digitalisierung und Wissenstransfer“, welches vom Wirtschaftsinformatiker Ronald Maier besetzt wurde. Angefangen bei der Digitalisierung von Forschung und Lehre reicht sein Arbeitsbereich über die IT-Infrastruktur der Universität bis hin zur „(Weiter-)Entwicklung digitaler Prozesse inklusive des Managementinformationssystems“. <a href="#note_5" id="link_5">[5]</a> Die erste Amtshandlung Ronald Maiers war es, das neue ‚bahnbrechende‘ Erweiterungscurriculum „Digitalisierung verstehen und mitgestalten“ zusammen mit der Ringvorlesung „Digitale Transformationen“ aus der Taufe zu heben. Als Gegenstand einer ubiquitären Herausforderung kommt der Digitalisierung darin fast schon die Rolle einer ‚wilden Natur‘ zu, die es zu beherrschen gelte. Mit den Worten Ronald Maiers müsse man ihr einfach „mit Freude“ begegnen, indem man „Ängste adressiert“, weil sich „die Menschen sorgen“ würden. <a href="#note_6" id="link_6">[6]</a> Diese Aussage wirkt in ihrem funktionalen Jargon geradezu absurd und auch bezeichnend für die Virulenz der Thematik. Roger Behrens versucht in seinem Text „Was ist das Digitale?“ die kulturhistorische Bedeutung des Begriffs innerhalb seiner jeweiligen ideologischen Bedingungen auszuloten und liefert darauf eine grundlegend kritische Diagnose. „Der Kulturpessimismus von einst [hätte sich] in einen Kulturoptimismus verwandelt“ und sei seit je dennoch im Geiste zwischen „Popdiskursen“ und „postbürgerliche[m] Feuilleton“ konservativ geblieben. <a href="#note_7" id="link_7">[7]</a> Der Umgang mit der Digitalisierung finde so rein affirmativ-praktisch statt, doch worum es sich im materialistischen Sinne konkret handelt, wenn wir von Digitalisierung oder dem Digitalen sprechen, bleibt allzu oft unbeantwortet. Um die Digitalisierung aus dieser augenscheinlichen Mystifizierung zu befreien, wäre es notwendig, sie in erster Linie hinsichtlich des Naturverhältnisses, also ihrem Bezug zur gesamten wahrnehmbaren Welt der Dinge zu befragen, um somit eine begriffliche Präzisierung zu ermöglichen. So steht das Wort digital <em>digitus</em> etymologisch für den Finger oder die Zehen und damit einerseits für einen zeigenden Gestus, andererseits für eine Zählbarkeit von Dingen. In dieser rudimentären Funktion hat dies noch kaum etwas mit dem gemein, was wir landläufig als Digitalisierung bezeichnen würden. Trotzdem verbirgt sich darunter bereits ein Prinzip, die <em>erste Natur</em> formhaft und so beschreibbar zu machen. Dies geschieht jedoch nur unter dem Preis eines getakteten Reduktionismus, durch die Vereinzelung der mannigfaltigen Natur zu Monaden. Zeit wie auch Wert, beides gesellschaftlich durch Diskretion hervorgebracht, ermöglichen eine Quantifizierung als nur scheinbar unabhängige und gesetzmäßige Unterscheidbarkeit von Zuständen. Erst dadurch kann die erste Natur als digitales Signal kommodifiziert werden. Gestaltlose erste Natur wird in dieser Weise ästhetisiert bzw. in eine vergesellschaftete <em>zweite Natur</em> überführt. Die Dinge werden damit gewissermaßen der unbestimmten Welt enthoben.</p>



<p>Doch anders als in einem analogen System, wo in einem kontinuierlichen Vorgang durch die direkte Umwandlung von Energie Informationen angehäuft werden, geschieht dies in einem digitalen System mittels unterschiedlicher Annäherungsverfahren, beispielsweise innerhalb sogenannter Analog-Digital-Umsetzer. Dazu ist es notwendig, physische und zu übersetzende Signale durch eine elektronische Spannungsänderung zu erfassen, deren spezifischer Wert im dualen Zahlensystem mit der Leistung zahlreicher Logikgatter speicherbar und abrufbar wird. Da diese Mechanik begrenzten physikalischen Gesetzen unterliegt, produziert ein digitales System in jedem Fall Verluste gegenüber der ersten Natur. Diese Verluste lassen sich für die menschlichen Sinne zwar nicht unmittelbar wahrnehmen und scheinen so auf den ersten Blick unwesentlich, die dadurch erzeugten ‚Fehler‘ sind aber gerade ‚systemrelevant‘, indem sie die Funktionalität gewährleisten. Greifen wir jetzt wieder die „ursprüngliche Akkumulation“ auf, so zeigt sich, dass genau durch den von der Digitalisierung vorgenommenen rationalisierten und entfremdenden Zugriff auf die Privatsphäre die Produktion von Wert erst möglich wird. Obgleich sich materiell weder etwas an den Dingen der Welt noch augenscheinlich dem Eigentum geändert hat, wurde etwas hinzugefügt, das sich der ersten Natur entzieht. Alfred Sohn-Rethel erkennt an diesem Moment die bereits von Marx ins Spiel gebrachte Teilung von geistiger und materieller Arbeit.<a href="#note_8" id="link_8">[8]</a> Dem „exakten Begriff der Natur“, wie ihn Alfred Sohn-Rethel darin denkt, wird zugleich das mechanistische Denken in derselben vorausgesetzt, das ebenso seinen Ursprung in der Primärabstraktion des Tauschverhältnisses hat und aus der sich damit die Handlung wechselseitiger privater Aneignung präsentiert. <a href="#note_9" id="link_9">[9]</a> Sohn-Rethel gelingt es so, die idealistische Fetischisierung der Mathematik als mutmaßliches Produkt reinen Verstandes wieder auf das gesellschaftliches Sein zurück zu führen. Die Mathematik ist demnach weniger als bloß abstrakt und formelhaft, sondern vielmehr als Grundlage eines verdinglichten&nbsp; Bewusstseins zu begreifen. Jedoch zeugt die Wirklichkeit des grassierenden, undialektischen Irrationalismus wohl eher vom Scheitern oder einer Schrumpfform dieser Erkenntnis.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bill Gates in der „Verwalteten Welt“</strong></h3>



<p>Eine Pandemie ist zunächst eine Naturkatastrophe besonderer Art, da sie sich unserer direkten sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Die Auswirkungen eines Tsunamis, Erdbebens oder einer Lawine hingegen sind in erster Linie kausal mit der Zerstörung, die sie hinterlassen und damit unmittelbar nachvollziehbar. Die stete Ausbreitung von SARS-CoV-2 kann so für uns nur durch Ziffern darstellbar und begreifbar gemacht werden. Allzu präsent sind die Diagramme der John-Hopkins-University <a href="#note_10" id="link_10">[10]</a> sowie die modellhaften Prognosen des zeitlichen Infektionsverlaufs durch eindämmende Maßnahmen. Es handelt sich dabei um nichts anderes als die Vergesellschaftung von Natur. Wenngleich diese bloße Verdatung der Natur im Vertrauen in evidenzbasierte Medizin und Wissenschaft keinerlei Zweifel hegt, zeigt es sich, dass eine altbekannte ‚Skepsis‘ die Runde macht. Es fällt schwer, bekennende Antisemit_innen und Verschwörungstheoretiker_innen als Skeptiker_innen zu benennen. Während man jene gutgläubig in der Vormoderne wähnt, fristen sie ihr Dasein direkt vor unseren Augen auf <em>Youtube</em>, <em>Facebook</em> und Co. In diesem spezifischen Aspekt einen sich viele der kruden Erklärungsversuche. Mal ist es das Virus, das einem hochtechnologischen Labor entstamme, dann ist es wieder Bill Gates, dessen erklärtes Ziel es sei, mit der Unterstützung der WHO und einer Erforschung des Impfstoffes die Menschheit zu „micro-chippen“, und mal wird der Ausbau des 5G-Netzes für die Pandemie verantwortlich gemacht. Die Basis dieses ‚aufklärerischen‘ Bewusstseins formiert sich aus einer Melange von Moderne- und Technikfeindlichkeit, die wahnhaft intrigante Herrschaftsordnungen herbeiphantasiert. Sicherlich ließe sich ihnen lapidar ein fehlender Realitätssinn attestieren, wenn nicht gerade darin das Problem läge. Paradigmatisch für das, was Adorno und Horkheimer die „Verwaltete Welt“ nennen, veräußern sich verzweifelte Subjekte, denen die Verdinglichung zu Kopf gestiegen ist. <a href="#note_11" id="link_11">[11]</a> Gemäß Adorno findet der antinomische Bruch von Kultur und Verwaltung, der sich in der Trennung von geistiger und materieller Arbeit durchsetzt, seine ideologische Aufwertung und damit seine Untrennbarkeit von der integralen Vergesellschaftung. Ob nun spekulativer Fortschrittsoptimismus oder regressive Feindseligkeit gegenüber dem Fortschritt: hier verbirgt sich ein falsches Bewusstsein, das an der eigenen Irrationalität gegenüber der Wirklichkeit scheitert und durch ein beherrschbares Wunschdenken substituiert wird. Die Versprechungen mögen noch so befreiend klingen, doch sind sie totalitär und bloßer Schein.</p>



<p>Angesichts hunderttausend sterbender Menschen weltweit, notwendiger Einschränkungen von Grundrechten und nicht zuletzt zunehmender Prekarisierung, wirkt der Versuch geradezu absurd, in irgendeiner Form Hoffnung zu schöpfen. Deshalb ist es in jeder Hinsicht undenkbar, von einer ‚richtigen Zeit‘ zu sprechen, wenn sich dann nur der Irrationalismus als Ausdruck eines vernebelten, naturalisierten, aber doch allgegenwärtigen Zustandes zu erkennen gibt. Denn ebenso wenig wie ein veganer Koch wird ein Vizerektor für Digitalisierung dem gerecht, was einer emanzipatorischen Gesellschaftskritik bedarf. Sich von den ‚Verhältnissen‘ blind machen zu lassen, ist keine Frage des Studiums, sondern Ausdruck von ideologisiertem Pragmatismus.</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>



<p><a href="#link_1" id="note_1">[1]</a> Es sei hier auf die bezeichnenden ‚Visionen‘ des ‚Zukunftsforschers‘ Matthias Horx verwiesen: „Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden.“</p>



<p>Horx, Matthias: Die Welt nach Corona, URL: <a href="https://bit.ly/2Z3s0Yi">bit.ly/2Z3s0Yi</a> (abgerufen 22.06.2020).</p>



<p><a href="#link_2" id="note_2">[2]</a> ZDF: DRINNEN &#8211; Im Internet sind alle gleich, URL: <a href="https://bit.ly/2zQsIiH">bit.ly/2zQsIiH</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_3" id="note_3">[3]</a> vgl. ZDF Presse und Informationen: ZDFneo startet aktuelle Serie „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“, URL: <a href="https://bit.ly/3csYC2k">bit.ly/3csYC2k</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_4" id="note_4">[4]</a> vgl. Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie Erster Band, MEW Bd. 23. Dietz. Berlin 1962, S. 742.</p>



<p><a href="#link_5" id="note_5">[5]</a> Medienportal Universität Wien: Universität Wien: Neues Rektorat ab Oktober 2019, URL: <a href="https://bit.ly/2ZRlTbs">bit.ly/2ZRlTbs</a> (abgerufen 01.06.2020). Universität Wien: Ronald Maier Geschäftsbereich, URL: <a href="https://bit.ly/3gH06sX">bit.ly/3gH06sX</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_6" id="note_6">[6]</a> Center for Teaching and Learning (CTL) Universität Wien: Short&amp;Sweet Summary 2: Ringvorlesung „Digitale Transformationen“, WS 2019/20, Uni Wien, Youtube, URL: <a href="https://youtu.be/YKij_10XrDM?t=585">youtu.be/YKij_10XrDM?t=585</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_7" id="note_7">[7]</a> Behrens, Roger: „Was ist das Digitale?“, URL: <a href="https://bit.ly/3gDB65Q">bit.ly/3gDB65Q</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_8" id="note_8">[8]</a> Alfred Sohn-Rethel schreibt darüber hinaus: „Es ist purer Formalismus der zweiten Natur und bezeugt durch seine Beschaffenheit indirekt, daß in der Antike die Kapitalform des Geldes, also der Funktionalismus der zweiten Natur, zuletzt steril geblieben ist, nämlich zwar die Arbeit entsklavt, aber doch die produktive Verwendung der freigelassenen Arbeitskraft in keiner beachtenswerten Weise, wenn überhaupt, erhöht hat.“</p>



<p>Sohn-Rethel, Alfred: Geistige und körperliche Arbeit, VCH. Weinheim 1989, S. 122.</p>



<p><a href="#link_9" id="note_9">[9]</a> vgl. ebd., S. 125, 127.</p>



<p><a href="#link_10" id="note_10">[10]</a> John-Hopkins Universiy &amp; Medicine: COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU), URL: <a href="https://bit.ly/36MDuCQ">bit.ly/36MDuCQ</a> (abgerufen 01.06.2020).</p>



<p><a href="#link_11" id="note_11">[11]</a> So schreibt Adorno: „Verwaltung aber repräsentiert notwendig, ohne subjektive Schuld und ohne individuellen Willen, das Allgemeine gegen das Besondere. Das Gefühl des Windschiefen, Unvereinbaren im Verhältnis von Kultur und Verwaltung heftet sich daran. Es bezeugt den stets noch antagonistischen Charakter einer stets weiter sich vereinheitlichenden Welt.“ (Adorno, Theodor W.: „Kultur und Verwaltung“ in: Tiedemann, Rolf (Hg.), Soziologische Schriften Bd. 1, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1979, S. 128.)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Immer wieder lässt sich beobachten, wer EINER Verschwörungs&#173;ideologie folgt, tendiert auch dazu, anderen anzuhängen“ – Antisemitische Narrative von ,QAnon’ bis zu den ,Hygiene’-Demonstrationen</title>
		<link>https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/qanon-corona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FV GEWI]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2020 17:16:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2020]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[qAnon]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.fv-gewi.at/gezeit/?p=673</guid>

					<description><![CDATA[Die im April 2020 gegründete Facebook-Seite „Adornochrom &#8211; eine QAnon Watchseite“ [1] konnte innerhalb kürzester Zeit eine große Reichweite erreichen, was wohl mit dem besorgniserregenden Mobilisierungspotenzial für die sogenannten ,Hygiene-Demos’ sowie der breiten medialen Berichterstattung über diese in Verbindung steht,&#8230; <a href="https://gewi.bagru.at/gezeit/archiv/2020/qanon-corona/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Die im April 2020 gegründete Facebook-Seite „Adornochrom &#8211; eine QAnon Watchseite“ <a href="#note_1" id="link_1">[1]</a>
konnte innerhalb kürzester Zeit eine große Reichweite erreichen, was wohl mit dem besorgniserregenden Mobilisierungspotenzial für die sogenannten ,Hygiene-Demos’ sowie der breiten medialen Berichterstattung über diese in Verbindung steht, aber auch mit der sorgfältigen Dokumentation und Recherche über die Akteur_innen von ,QAnon’ und deren Vernetzung sowie einer Analyse und Kritik der diesen zugrunde liegenden Verschwörungsideologien. Höchste Zeit für ein Interview mit den Betreiber_innen von Adornochrom.</em></p>



<p><br>
<strong><em>gezeit</em>: Liebes <em>Adornochrom</em>-Team, ihr habt es euch zur Aufgabe gemacht, über die sogenannte ,<em>QAnon’</em>-‚Bewegung‘ zu berichten und die von ihnen propagierten Verschwörungsideologien zu analysieren und zu kritisieren. Worum handelt es sich dabei genau?</strong></p>



<p>Adornochrom-Team: ,<em>QAnon’</em> ist eine Bewegung, die in den USA, genauer gesagt in sogenannten Imageboards <a id="link_2" href="#note_2">[2]</a>  begann und inzwischen auf <em>Facebook</em>, <em>Telegram</em> und offline Einfluss gewinnt. Im Kern stehen anonyme Mitteilungen, die auf <em>4Chan</em>, später auf <em>8Chan</em> und <em>8Kun, </em>ebenfalls Imageboards, erschienen. Die Posts sind meist ziemlich kryptisch und fordern die Anhänger_innen geradezu zur Interpretation heraus.</p>



<p>Die Bewegung richtet sich vermeintlich gegen ,die Eliten’, konkret vor allem gegen die <em>Democrats</em> und hinter ihnen stehende ,Mächte’. So wurde bereits mehrfach die Verhaftung der ehemaligen demokratischen Präsidentschaftswahlkandidatin Hillary Clintons prophezeit. Zugleich verehrt ,<em>QAnon‘</em> den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und sieht in ihm eine Art Erlöser.</p>



<p>Besonders einflussreich ist in letzter Zeit die Behauptung gewesen, ‚die Eliten‘ betrieben einen internationalen Kinderhandelring. Sie schließt an das Verschwörungsnarrativ <em>Pizzagate</em> an, also das Gerücht, im Keller einer Washingtoner Pizzeria würden Kinder gefoltert und missbraucht. Bereits dieses Gerücht hat zu Waffengewalt in der Pizzeria geführt. Inzwischen hat sich das Ganze zu der Erzählung weiterentwickelt, ,die Elite’ entführe Kinder, um sie in unterirdischen Tunneln, z.B. unter Manhattan, zu foltern und ihrem Blut dann den Botenstoff <em>Adrenochrom</em> zu entnehmen, der einer modernen Legende nach ewiges Leben verspricht.</p>



<p>Hier kommt dann Trump ins Spiel, der nach Vorstellung der ,<em>QAnon’-</em>Anhänger_innen die Corona-Pandemie nutzen wollte, um die Kinder aus den Tunneln zu befreien. Dass nichts dergleichen passiert ist, scheint die Anhänger_innen nicht zu interessieren. Es ist diese Theorie, die z.B. der Musiker Xavier Naidoo aufgriff und zu einem emotionalen Video veranlasste, da er davon ausging, die angeblich gequälten Kinder würden nun gerettet <a id="link_3" href="#note_3">[3]</a>. Diese Theorie hat uns auch zu unserem Namen verleitet.</p>



<p>Sie ist insofern spannend, als sie an antisemitische Ritual- und Kindermordgerüchte anknüpft. Diese werden modernisiert und auf ,die Elite’ übertragen, die oftmals als „jüdisch“ kodiert wird (durch Begriffe wie Ostküste, Finanzkapital, Medienmacht, oder eingewobene Namen jüdischer Familien etc.). Auch zeigt sie, wie Empathie und Schutzinstinkt genutzt werden können: es geht ja schließlich um die Kinder. Da setzt das kritische Denken schon mal aus.</p>



<p>Anhänger_innen der Theorie tauchen seit Jahren immer wieder auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen auf. Inzwischen sind auch erste republikanische Politiker_innen auf den Zug aufgesprungen und Anhänger_innen der Bewegung haben sich in <em>Primaries</em> gegen ihre republikanischen Konkurrent_innen durchgesetzt. Auch in Deutschland lassen sich zunehmend Anhänger_innen ausmachen. Es handelt sich zwar immer noch um eine kleine Splittergruppe, doch scheint die Theorie mehr und mehr um sich zu greifen. Diese Entwicklung möchten wir kritisch begleiten.</p>



<p><br>
<strong>In den letzten Wochen haben sich eure Recherchen und Dokumentationen vor allem mit den sogenannten ‚Hygiene‘-Demonstrationen und den kruden Verschwörungsideologien zu Covid-19 auseinander gesetzt. Welche Parallelen könnt ihr zu ,<em>QAnon’ </em>im Hinblick auf Verschwörungsmythen erkennen?</strong></p>



<p>Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass die sogenannten Hygienedemos immer wieder auch von Anhänger_innen von ,<em>QAnon’</em> besucht wurden. Für sie selbst scheint es also Anknüpfungspunkte, wenn nicht sogar eine gewisse Anziehung, zu geben.</p>



<p>Das überrascht auch kaum. Immer wieder lässt sich beobachten, wer EINER Verschwörungsideologie folgt, tendiert auch dazu, anderen anzuhängen. Parallelen lassen sich etwa in der allgemeinen Struktur – ,Eliten’ gegen ,Volk’ – finden. Hinzu kommt, dass <em>,QAnon’</em> eine klare Trennung zwischen Gut und Böse vornimmt, die bei einigen der lautesten Teilnehmer_innen an den Hygienedemos ebenso zu finden ist. Beiden ist die Annahme schlechter Absichten der ,Eliten’ gemein, sowie die Angst vor geheimer und verborgener Macht.</p>



<p>Konkret sieht das dann so aus: Bei ,<em>QAnon’</em> gehen die Anhänger_innen von ritueller Folter und Morden aus, bei Corona von absichtlicher Vergiftung durch Impfungen. Das kann man als Aktualisierung der antisemitischen Ritualmordlegende, respektive der Brunnenvergiftungslegende verstehen. Letztere steigert sich dann in der Vorstellung, Bill Gates wolle einen Großteil der Bevölkerung sterilisieren und vergiften, also auslöschen. Wenn nun Leute wie z.B. Attila Hildmann <a id="link_4" href="#note_4">[4]</a>  Bill Gates für einen Satanisten halten, ist auch der Ritualmordvorwurf hier nicht fern.
Nicht zuletzt beinhalten Verschwörungsideologien immer auch ein Moment der Projektion. Beispielsweise kann man bei Hildmann bereits sehen, wie die vermeintliche Verteidigung der Demokratie, der Freiheit und des Friedens umschlägt in ihr Gegenteil: was man den Gegner_innen unterstellt, möchte man selbst durchsetzen. Und je unschuldiger das Opfer ist (ob nun man selbst oder die zu befreienden Kinder), desto weniger Zurückhaltung muss gegenüber dem Feind aufgebracht werden. Hier liegen bereits Grundlagen für weitere Radikalisierungen, die zwar nicht alle, aber doch ein Teil der Anhänger_innen beider Bewegungen durchmachen werden.</p>



<p><br>
<strong>Welche Gründe gibt es eurer Meinung nach für eine Konjunktur von Verschwörungsideologien in Zeiten von Corona und welche Funktionen erfüllen diese für die Anhänger_innen?</strong></p>



<p>Krisenzeiten sind seit jeher auch Hochzeiten für Verschwörungsideologien, da Menschen in solchen Zeiten nach Sicherheit und Halt suchen, den solche Erzählungen vermeintlich bieten. Aktuell in Bezug auf Corona besteht zudem noch die Situation, dass das ,Böse’, der ,Feind’ in Form eines Virus fürs menschliche Auge unsichtbar ist, und so – zumeist unbewusst – nach vermeintlich greifbaren Akteuren gesucht wird, die verantwortlich gemacht werden können. Hier wären bei aktuellen Erzählungen beispielsweise Bill Gates, verschiedene Staaten wie die USA, China und Israel oder in rechtsextremen Narrativen explizit „die Juden“ zu nennen.</p>



<p>Es lässt sich beobachten, dass für einige Menschen die Vorstellung leichter zu ertragen ist, die Welt wäre in der Hand bösartiger Mächte, als die Vorstellung, die Welt wäre chaotisch und es hätte letztlich niemand alle Fäden in der Hand. Man sieht die Parallele zur Religion, nur dass eben ein bösartiger, weltlicher und vor allem auch zerstörbarer Gott geschaffen wird. Denn diese Perspektive, die Zügel quasi wieder an sich reißen zu können, ist ja bei den meisten Verschwörungsideologien vorhanden.</p>



<p><br>
<strong>In den Verschwörungsideologien zu dem Ursprung von Covid-19 werden auch Fragen nach dem „cui bono?“ gestellt, was die Annahme eines personifizierten ökonomischen Vorteils aus der Pandemie für bestimmte Personen nahe legt. Welche Feindbilder werden dabei konstruiert und welche antisemitischen Stereotype werden dadurch reproduziert?</strong></p>



<p>Bei der Frage „Cui bono?“ („Wem zum Vorteil“) handelt es sich um eine geradezu klassische Frage von Verschwörungsideolog_innen, die ihrer Meinung nach dazu führt, alles auflösen und die ,wahren Schuldigen’ ausfindig machen zu können. Dies gilt auch für den Sinnspruch „Folge dem Geld!“. In Bezug auf SARS-CoV-2 dürfte wohl die Erzählung, dass Bill Gates das Virus in Umlauf gebracht hat und durch Verkauf eines Impfstoffes davon finanziell profitieren will, die Gängigste sein. Wobei angemerkt sei, dass es mannigfaltige Erweiterungen und Abwandlungen von dieser Erzählung gibt. Teilweise werden an Gates Stelle auch offen „die Juden“ genannt. Beide Erzählungen sind antisemitisch, die erste strukturell, die zweite offen. Sie suggerieren, dass es eine kleine Gruppe von Menschen gäbe, die gezielt Unheil in die Welt bringen würden, um im Endeffekt davon zu profitieren.</p>



<p>Wie vorher schon angesprochen, transportieren die hier angeführten Verschwörungsideologien aktualisierte Formen der Ritualmord-, Kindermord und Brunnenvergiftungslegenden <a href="#note_5" id="link_5">[5]</a>. Historisch wurden diese oft auf Juden_Jüdinnen bezogen, sind also seit Jahrhunderten Teil erst antijudaistischer, dann antisemitischer Erzählungen. Das zeigt auch, dass auch der strukturelle Antisemitismus sein Objekt als „jüdisch“ codiert, also mit antijüdischen Stereotypen versieht: Geld, geheime Macht, Ritualmord, Brunnenvergiftung.</p>



<p><br>
<strong>Die Akteur_innen auf den sogenannten ‚Hygiene‘-Demonstrationen werden in der medialen Berichterstattung häufig mit dem Begriff der <em>„Querfront</em>“ <a id="link_6" href="#note_6">[6]</a>  gefasst. Wie analysiert ihr die selbsternannten <em>‚Corona-Rebellen’</em> und findet ihr den eben erwähnten Begriff treffend?</strong></p>



<p>Den Begriff der Querfront halten wir in dem Sinne für stimmig, als bei den ,Hygiene’-Demos das komplette politische Spektrum vertreten ist, wenngleich deutlich Versuche zu sehen sind, dieses von rechts zu instrumentalisieren. Natürlich bestehen regionale Unterschiede, so scheinen die Demonstrationen in Ostdeutschland weitaus rechtslastiger zu sein als in Westdeutschland. Als vermeintlicher Anker dient hier das Grundgesetz, auf das sich ständig bezogen wird, und somit das, was von diesen Menschen als ,Mitte’ verstanden wird. Ob es sich wirklich um eine „Front“ handelt, bleibt abzuwarten, da die Bewegung unserer Einschätzung nach noch zu diffus ist, und im Gegensatz zu der so genannten Montagsmahnwachen-Bewegung von 2014/15 <a href="#note_7" id="link_7">[7]</a>, mit der die ,Corona-Rebell_innen’ oft verglichen werden, bis jetzt kaum verstetigtes Personal hat. Zugleich sind einige der damaligen Protagonist_innen, Ken Jebsen <a href="#note_8" id="link_8">[8]</a> zum Beispiel, auch heute wieder dabei.</p>



<p><br>
<strong>Wie funktioniert die (digitale) Vernetzung zwischen den Teilnehmenden und die Mobilisierung für die Demonstrationen?</strong></p>



<p>Die digitale Vernetzung erfolgt sowohl über Facebook, hier in <em>,&gt;Corona-Rebellen’</em>&#8211; und diversen ,<em>QAnon’</em>-Gruppen, als auch stark vermehrt über den Messengerdienst <em>Telegram</em>. Die Struktur ist dabei ziemlich offen. Es gibt hunderte verschiedene Gruppen mit sich überschneidenden Mitgliedern. Informationen verbreiten sich, wie in sozialen Netzwerken üblich, über Weiterleitungen. Da in den Gruppen kaum interne Kritik herrscht, verbreiten sich Gerüchte so ungefiltert.</p>



<p>Für die ,Hygienedemos’ wurde ein stetig aktualisiertes offenes <em>Pad</em> eingerichtet, in dem alle Demonstrationen der nächsten Wochen gesammelt werden. In dieser Liste finden sich die Demonstrationen der AfD neben den ursprünglichen ,Hygienedemos’, es gibt also keine klare politische Ausrichtung, solange es nur irgendwie gegen die Maßnahmen gerichtet ist. Daher ist diese Bewegung, auch trotz der durchaus vertretenen rechten Agitator_innen, Reichsbürger_innen etc., politisch diffus.</p>



<p><br>
<strong>Welche Rolle hat der Bezug auf konstruierte drohende Untergangsszenarien und apokalyptische Bilder für die Mobilisierung? Wie kann in diesem Sinne auch die Teilnahme von nicht politisierten Menschen erklärt werden?</strong></p>



<p>Unter dem Eindruck eines herbeifabulierten drohenden Untergangsszenarios ist es klar, dass auch Menschen mobilisiert werden, die vorher nicht politisch aktiv waren, da sie sich um Leib und Leben bedroht sehen. Im Glauben, als Teil einer kleinen Gruppe von Menschen diese ,Bedrohung’ erkannt zu haben, realisieren sie ihre wichtige Aufgabe als Kämpfer_innen gegen die ,Apokalypse’. Hier zeigt sich eine gewisse Selbstheroisierung, quasi als „Erwachte“, die die „Schlafschafe“ warnen müssen, und zugleich die Selbstviktimisierung als Spielball ,böser Mächte’ im Hintergrund. Allerdings haben nicht alle, und vermutlich gerade die nicht politisierten Menschen weniger, apokalyptische Weltbilder, sondern eher allgemeine und oft noch diffuse Zukunftsängste. Das mag sich aber im weiteren Verlauf der Demonstrationen ändern und zu einem Radikalisierungsprozess führen. Das wären dann die Langzeitfolgen dieser Demos.</p>



<p><br>
<strong>Welche Handlungsoptionen gibt es eurer Meinung nach im Umgang mit Verschwörungsideologien? Was kann überhaupt noch entgegnet werden, wenn diesen eine solche Wissenschaftsskepsis inhärent ist? Welche Rolle nehmen hierbei auch emotionale Aspekte ein?</strong></p>



<p>Zum Thema Handlungsoptionen gibt es recht verschiedene Sichtweisen. Es kommt dabei immer darauf an, was man erreichen möchte. Eine online oft genutzte Option ist schlicht Bloßstellen und Stigmatisieren, also zum Beispiel sich über Verschwörungsideolog_innen und ihre Ansichten lustig zu machen. Das zeigt auch zum Teil Wirkung, trägt aber gleichzeitig zur Festigung verschwörungsideologischer Gruppen bei.Eine andere Möglichkeit ist Gegenrede, also argumentativ dagegen zu halten. So bleiben Verschwörungserzählungen nicht unwidersprochen. Leider führt das meist auf Seiten der angesprochenen Verschwörungsideolog_innen ebenfalls eher zur Festigung in ihrem Glauben, das ist der sogenannte „Backfire-Effekt“ <a href="#note_9" id="link_9">[9]</a>. Andererseits sind hierbei die Zielgruppen nicht so sehr die verschwörungsideologischen Gesprächspartner_innen, die ggf. rational gar nicht mehr ansprechbar sind, sondern die Leser_innenschaft, die das hoffentlich noch ist.Auf individueller Ebene ist persönliche Ansprache, also das Ansprechen von Sorgen und Ängsten, sinnvoll. Wichtig scheint uns dabei aber, die jeweilige Person mit Sorgen und Ängsten anderer Menschen zu konfrontieren, Betroffenheit herzustellen und so andere Blickwinkel zu eröffnen. Das ist natürlich fast nur im direkten Gespräch und vor allem im persönlichen Umfeld möglich. Das Internet ist hier ziemlich kontraproduktiv, da zu viele Teilnehmer_innen auf allen Seiten mitmischen und es eher zur Verhärtung der Fronten führt.Wissenschaftsskepsis ist Verschwörungsideologien nicht zwingend inhärent. Selbst sogenannte ,Flacherdler_innen’ bedienen sich ja vermeintlich wissenschaftlicher Methoden. Eher geht es um Medien- und Machtskepsis, die dann auf Wissenschaft ausgedehnt wird. Diese Skepsis ist ja nicht per se falsch und auch nicht unberechtigt. Nur mündet dies oft in Verallgemeinerung und in der pauschalen Ablehnung wissenschaftlicher Studien, die nicht in das Bild passen.Solange Personen für Wissenschaft grundsätzlich zugänglich sind, sollte man wissenschaftliche Methoden erklären und vor allem auch herausstellen, dass Wissenschaft eben kein monolithischer Block ist, sondern Streit und Kritik zentraler Teil von Wissenschaft sind.Im Grunde muss man also versuchen, Eindeutigkeiten aufzubrechen, damit Verschwörungsideolog_innen überhaupt wieder an Debatten teilnehmen können. Das bedeutet aber auch umgekehrt, nicht andauernd mit Eindeutigkeiten zu hantieren, wo vielleicht gar keine vorliegen.</p>



<p>Abschließend möchten wir gerne anmerken, dass es noch keine Studien bezüglich der Teilnehmenden gibt und unsere Aussagen entsprechend auf Beobachtungen und Erfahrungen und Vergleichen mit den ,Mahnwachen’ basieren. Wir bedanken uns für das Interview!</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fußnoten</h3>



<p><a href="#link_1" id="note_1">[1]</a>

<em>Adornochrom &#8211; eine QAnon Watchseite</em>, Facebook, URL: <a href="https://bit.ly/3cGyAII">https://</a><a href="https://bit.ly/3cGyAII">bit.ly/3cGyAII</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>



<p><a href="#link_2" id="note_2">[2]</a>
Imageboards sind Online-Foren, die nicht moderiert werden und für die keine Anmeldung notwendig ist. Diese haben für die Radikalisierung und Vernetzung der extremen Rechten in den letzten Jahren eine wichtige Rolle eingenommen, so waren beispielsweise die Attentäter von Halle und Christchurch auf Imageboards aktiv. Siehe etwa: Kracher, Veronika: Imageboards als Orte rechter Radikalisierung, Antifaschistisches Infoblatt, URL: <a href="https://bit.ly/2MwCHwq">https:/</a><a href="https://bit.ly/2MwCHwq">/bit.ly/2MwCHwq</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>



<p><a href="#link_3" id="note_3">[3]</a>
Der Musiker Xavier Naidoo, der immer wieder aufgrund von etwa antiamerikanischen, antisemitischen und homophoben Aussagen kritisiert wurde, ist ein zentraler Agitator für die Verbreitung von Verschwörungserzählungen, konkret im Kontext der sogenannten ,Hygiene’-Demonstrationen. Siehe etwa: Linkes Bündnis gegen Antisemitismus München: Zum Auftritt von Xavier Naidoo am 1. Dezember in der Olympiahalle, URL: <a href="https://bit.ly/3cI5FnI">https://</a><a href="https://bit.ly/3cI5FnI">bit.ly/3cI5FnI</a> (Zugriff: 6.6.2020). Für eine Analyse des oben erwähnten Videos siehe: Laschyk, Thomas: Naidoo &amp; Corona: Die Zerstörung des QAnon/Adrenochrom-Verschwörungsmythos, der Volksverpetzer, URL: <a href="https://bit.ly/2AbxgR5">https://</a><a href="https://bit.ly/2AbxgR5">bit.ly/2AbxgR5</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>



<p><a href="#link_4" id="note_4">[4]</a>
Attila Hildmann, Kochbuchautor und Inhaber einer veganen Lebensmittelmarke, inszeniert sich selbst mit Verschwörungs-Propagandareden vor dem Reichstag und mobilisiert mit seinen Kanälen u.a. gegen gegen vermeintliche ,Zwangsimpfungen’. Im Mai stellten u.a. die Lebensmittelmärkte <em>Kaufland</em> und <em>Vitalia</em> den Vertrieb von Hildmanns Produkten ein, siehe etwa: Rottmann, Kerstin: Kaufland, Vitalia verbannen Produkte von Attila Hildmann, Voelkel stoppt Drink „Daisho“, WELT, URL: <a href="https://bit.ly/2Y3jp7g">https://</a><a href="https://bit.ly/2Y3jp7g">bit.ly/2Y3j</a><a href="https://bit.ly/2Y3jp7g">p7g</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>



<p><a href="#link_5" id="note_5">[5]</a>
Ausführlich hierzu: Ludger Heid, Wir sind und wollen nur Deutsche sein! Jüdische Emanzipation und Judenfeindlichkeit, in: Christina von Braun/Wolfgang Gerlach/Ludger Heid (Hg.), Der ewige Judenhass. Christlicher Antijudaismus, Deutschnationale Judenfeindlichkeit, Rassistischer Antisemitismus, Berlin 2000, 70- 109.</p>



<p><a href="#link_6" id="note_6">[6]</a>
Schilk definiert den Begriff der „Querfront“ als „Sammelbegriff für diejenigen politischen Akteure, Bewegungen und ihre Publikationsorgane, die für sich beanspruchen, die Kategorien ,Links’ und ,Rechts’ überwunden zu haben und eine andere Konfliktlogik an ihre Stelle setzen. Neben diesem Selbstanspruch vereint diese Akteure ein spezifischer Blick auf die Integrationsprobleme der modernen Gesellschaft und ein ausgeprägter Antiliberalismus“ (Schilk 2017, 11). Schilk, Felix: Souveränität statt Komplexität. Wie das Querfront-Magazin ,Compact’ die politische Legitimationskrise der Gegenwart bearbeitet. Unrast. Münster 2017.</p>



<p><a href="#link_7" id="note_7">[7]</a>
Ausführlich hierzu: Niklas Lämmel, Falsche Propheten. Antisemitische Agitation auf den ,Montagsmahnwachen für den Frieden’, in: Samuel Salzborn (Hg.), Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatten, Kontroverse, Baden-Baden 2019, 217- 236.</p>



<p><a href="#link_8" id="note_8">[8]</a>
Ken Jebsen, dessen Aktivität als Radiomoderator aufgrund seiner Leugnung vom Holocaust beendet wurde, konnte beinahe eine halbe Millionen Abonnent_innen für sein Youtube-Kanal ,<em>KenFM</em>’ generieren. Im Rahmen dieses Formats greift er unterschiedliche Narrative von Verschwörungsideologien auf und wird als einer der prominentesten Akteure der sogenannten ,Hygiene’-Demonstrationen verhandelt. Siehe etwa: Ayyadi, Kira: Ken Jebsen, der gefährliche Querfront-Demagoge, belltower, URL: <a href="https://bit.ly/2Y0KVlG">https://</a><a href="https://bit.ly/2Y0KVlG">bit.ly/2Y0KVlG</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>



<p><a href="#link_9" id="note_9">[9]</a>
Mit dem sogenannten „Backfire-Effekt“ wird beschrieben, wie die „direkte, faktenbasierte Gegenrede die ideologisch verankerten [,alternativen’] Ansichten verstärkte, statt die zu entkräften“ (Amadeu Antonio Stiftung 2020, 49). Amadeu Antonio Stiftung: Alternative Wirklichkeiten. Monitoring rechts-alternativer Medienstrategien, URL: <a href="https://bit.ly/378X9Nt">https://</a><a href="https://bit.ly/378X9Nt">bit.ly/378X9Nt</a> (Zugriff: 6.6.2020).</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
