{"id":144,"date":"2013-04-26T13:23:33","date_gmt":"2013-04-26T11:23:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=144"},"modified":"2018-04-05T13:28:33","modified_gmt":"2018-04-05T11:28:33","slug":"nicht-trotz-wegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2013\/nicht-trotz-wegen\/","title":{"rendered":"Nicht trotz. Wegen!"},"content":{"rendered":"<section id=\"body\">\n<div class=\"inner\">\n<h2>oder \u201ewer selbst im Glashaus sitzt&#8230;\u201c<\/h2>\n<h3>Das Rosa und so&#8230;<\/h3>\n<p>Wenn etwas zum Caf\u00e9 Rosa, aka Studibeisl, feststeht, dann, dass alle eine Meinung dazu haben \u2013 und wie auch immer die jeweilige Position sein mag, die Meinung d\u00fcrfte in keinem Fall positiv ausfallen &#8211; Seien es die linken Aktivist*innen und Studienvertreter*innen, die seit \u00fcber zehn Jahren einen selbstverwalteten, konsumfreien Raum an der Uni fordern, seien es die (ehemaligen) \u00d6H-Mitarbeiter*innen selbst, die diesen Raum geschaffen haben, seien es die rechten \u00d6H-Fraktionen, die seit jeher gegen dieses Projekt waren, sei es die breite Mehrheit der Studis, die sich ihre Infos \u00fcber die Aff\u00e4re aus den Medien besorgt hat \u2013 oder auch nicht. Was allerdings wesentlich auseinandergehen d\u00fcrfte, sind die Gr\u00fcnde, aus denen man mit der Entwicklung unzufrieden ist. Und was au\u00dferdem feststeht, ist, dass die mittlerweile zwei Jahre alte Debatte ums Rosa sowohl die Gr\u00fcnde f\u00fcr dessen Errichtung verdeckt, als auch von dessen Gegner*innen daf\u00fcr verwendet wird von eigenen Problemen abzulenken.<\/p>\n<h3>Was war da \u00fcberhaupt los?<\/h3>\n<p>Aber der Reihe nach. Seit vielen Jahren wird vor allem, aber nicht nur, von Bagrus-Aktivist*innen ein Raum an der Universit\u00e4t Wien gefordert, der frei von Konsumzwang und diskriminierenden Strukturen sein sollte.<br \/>\nDie Maximalforderung von dieser Seite beinhaltete eine Finanzierung allein durch die \u00d6H Uni Wien bei einer Verwaltung, die in den H\u00e4nden eines \u2013 sich zu bildenden \u2013 Plenums liegen sollte. Nachdem Vorst\u00f6\u00dfe, dieses Projekt umzusetzen, jahrelang am Widerstand des VSST\u00d6 und der chronischen Inkonsequenz der Fordernden gescheitert waren, beschloss schlie\u00dflich 2009 die GRAS das \u201eStudibeisl\u201c zum Koalitionsprojekt zu machen. Deswegen, und vor allem aufgrund des pers\u00f6nlichen Engagements von Einzelpersonen, konnte schlie\u00dflich 2011 ein Lokal er\u00f6ffnet werden, dessen Verwaltung teilweise in den H\u00e4nden der Universit\u00e4tsvertretung und teilweise in der Verantwortung einer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und eines Plenums lag &#8211; das Caf\u00e9 Rosa eben. Diese Konstruktion, die prim\u00e4r wirtschaftlichen und rechtlichen Notwendigkeiten geschuldet war, und nun vom VSST\u00d6 vehement eingefordert wurde, war nun dem Gro\u00dfteil derer, die urspr\u00fcnglich einen Raum gefordert hatten, bei weitem nicht basisdemokratisch und selbstverwaltet genug. Den rechten Fraktionen dagegen war ein Raum, der sich selbst, wenigstens in den Stellenausschreibungen, als feministisch, antiklerikal und antikapitalistisch definierte, ohnehin ein Dorn im Auge. Nachdem das Plenum aus den oben genannten Gr\u00fcnden \u2013 ein anderer Ausdruck daf\u00fcr w\u00e4re Verweigerungshaltung \u2013 und aufgrund von einigen wirtschaftlichen Fehlentscheidungen nie wirklich funktionierte, musste das Rosa schlie\u00dflich 2012 in seiner urspr\u00fcnglichen Form schlie\u00dfen.<br \/>\n(Hier muss angemerkt werden, dass das Lokal in der Zeit seines Bestehens die ihm zugedachten Funktionen als Lernraum, Treffpunkt und einfach nur Ort zum Feiern sehr gut erf\u00fcllte \u2013 Exkurs Ende). Diese Situation f\u00fchrte wiederum zu mindestens drei Entwicklungen. Zum einen wurde von Aktivist*innenseite erneut die Forderung laut, dass der Raum zuk\u00fcnftig selbstverwaltet sein solle, zum zweiten versuchte die \u00d6H Uni Wien (erfolglos) sich das Rosa und alles, was damit zusammenhing, so schnell wie m\u00f6glich vom Hals zu schaffen und zum letzten nutzen die rechten \u00d6H Fraktionen unter begeisterter Mithilfe der Presse das Debakel f\u00fcr eine veritable Kriegserkl\u00e4rung an die verantwortlichen Personen und Fraktionen. Am Ende sind nun also alle unzufrieden, wenn auch aus verschiedensten Gr\u00fcnden. Den einen ist die \u00d6H nicht linksradikal genug, den anderen zu sehr und die meisten \u00d6Hler*innen selbst sind schlicht gefrustet.<\/p>\n<h3>Wer selbst im Glashaus sitzt<\/h3>\n<p>Aus der Retrospektive l\u00e4sst sich nun nicht zuletzt folgendes festhalten. Gro\u00dfe Summen sind in ein Projekt geflossen, dessen Umsetzung nicht gut geplant war und das nach seinem Scheitern mittlerweile blo\u00df noch Spielball in den verschiedenen Wahlkampfstrategien und -schlammschlachten ist. Besonders die Aktionsgemeinschaft versucht politisches Kleingeld daraus zu machen. Verwirrend ist allerdings, dass diese Fraktion, die eigentlich das Abonnement auf Skandale und Skand\u00e4lchen hat, dieses Debakel vollkommen ungehindert f\u00fcr sich ausnutzen kann. Wenn beispielsweise die AG mit Verweis auf das Caf\u00e9 Rosa verlangt, dass s\u00e4mtliche Projekte, die \u00fcber 100.000 Euro kosten, vom Ministerium genehmigt werden m\u00fcssen, w\u00e4re es angebracht anzumerken, dass die Aktionsgemeinschaft an der Universit\u00e4t Innsbruck 100.000 Euro an eine \u00d6VP-nahe Werbeagentur gezahlt hat, um im Tiroler Vorwahlkampf eine Kampagne gegen die erstmals nicht schwarze Innsbrucker Stadtregierung zu planen.<br \/>\nNicht, dass billigere \u00d6ffi-Tickets nicht w\u00fcnschenswert w\u00e4ren, aber es stellt sich trotzdem die Frage warum das von der ehemals schwarzen Stadtregierung nie gefordert worden war.[1] Oder wenn, wiederum mit Verweis auf das Rosa, gefordert wird, dass das allgemeinpolitische Mandat der \u00d6H abgeschafft wird. In diesem Fall kommt es bl\u00f6d, wenn die AG BoKu lauthals mit rassistischen (und dummen, ja eh) Argumenten Debatten um Trachten-Tragen f\u00fchrt.[2] Mit Sicherheit ein Thema, dass einzig und allein \u2013 ebenso wie das Aufstellen von Maib\u00e4umen \u2013 dem Service f\u00fcr Student*innen dient. Wenn dann noch die \u00d6H WU das ganz und gar neutrale Hayek-Institut f\u00fcr Umfragen engagiert[3], deren Fragen das Papier nicht wert sind auf dem sie gestellt werden \u2013 ja richtig, die AG WU l\u00e4sst noch Umfragen auf Papier durchf\u00fchren, mit Sicherheit die billigste aller Varianten \u2013 f\u00fchrt sich die demonstrative Seri\u00f6sit\u00e4t der AG v\u00f6llig ad absurdum.<\/p>\n<h3>Nicht trotz. Wegen!<\/h3>\n<p>Nicht, dass diese F\u00e4lle die finanziellen Verluste durch das Rosa irgendwie aufwiegen w\u00fcrden. Allerdings muss angemerkt werden, dass die Idee, einen Ort zu schaffen, der in unmittelbarer Universit\u00e4tsn\u00e4he einen konsumfreien und f\u00fcr alle Personen m\u00f6glichst angenehmen Raum zur Verf\u00fcgung stellt, per definitionem dem Kriterium des allgemeinen Nutzens entspricht.<br \/>\nEin Kriterium, das die oben genannten F\u00e4lle schlicht nicht erf\u00fcllen.<br \/>\nInsofern darf festgehalten werden, dass das Rosa ein Debakel war, dass die Planung einerseits vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt her unter aller Sau war und andererseits aus der basisdemokratischen Perspektive in keinem Fall selbstverwaltet war. Ebenso ist klar, dass das Krisenmanagement ebenfalls nicht musterg\u00fcltig war. Alle diese Fehler sind passiert!<br \/>\nAllerdings hat es sich definitiv um ein Projekt gehandelt, dass allen Studierenden zugute gekommen ist und bei dem keine Gelder an parteinahe Agenturen geflossen sind oder Wahlwerbung f\u00fcr eine Fraktion unter dem M\u00e4ntelchen des \u201eService\u201c gemacht wurde. Und nachdem der Gro\u00dfteil der Probleme, die das Rosa l\u00f6sen wollte, trotz der neuen Uni-Cafeteria immer noch bestehen, bleibt wohl nur eines \u00fcbrig: Der Anspruch, dass die \u00d6H selbstverwaltete, konsumfreie und diskriminierungsfreie R\u00e4ume, sei es f\u00fcr Lerngruppen, sei es nur zum Abh\u00e4ngen, schaffen soll, muss aufrecht bleiben \u2013 also nicht trotz Rosa links w\u00e4hlen, sondern wegen dem Rosa!<\/p>\n<p>[1] http:\/\/ibk.vsstoe.at\/100-000-e-an-studierendengeldern-fur-ovp-ag-wahlkampf\/<\/p>\n<p>[2]http:\/\/oekolili.blogsport.de\/2013\/01\/16\/rassismus-unter-dem-regenbogen\/<\/p>\n<p>[3] Siehe dazu: http:\/\/www.zeit.de\/2012\/43\/Hayek-Institut-Wien<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder \u201ewer selbst im Glashaus sitzt&#8230;\u201c Das Rosa und so&#8230; Wenn etwas zum Caf\u00e9 Rosa, aka Studibeisl, feststeht, dann, dass alle eine Meinung dazu haben \u2013 und wie auch immer die jeweilige Position sein mag, die Meinung d\u00fcrfte in keinem&hellip; <a href=\"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2013\/nicht-trotz-wegen\/\" class=\"more-link\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"coauthors":[30],"class_list":["post-144","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-23"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=144"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":145,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/144\/revisions\/145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=144"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}