{"id":146,"date":"2013-04-26T13:24:35","date_gmt":"2013-04-26T11:24:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=146"},"modified":"2018-04-05T13:28:09","modified_gmt":"2018-04-05T11:28:09","slug":"wir-sind-die-guten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2013\/wir-sind-die-guten\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind die Guten\u201c"},"content":{"rendered":"<section id=\"body\">\n<div class=\"inner\">\n<h2>\u00dcber die Identit\u00e4re Bewegung<\/h2>\n<p>\u201e0% rassistisch, 100% identit\u00e4r\u201c, \u201eWir sind die Guten\u201c, \u201eHeimat, Freiheit, Tradition\u201c: Das sind die Parolen der Identit\u00e4ren Bewegung, einer in \u00d6sterreich relativ neuen und aktionistischen Str\u00f6mung des rechtsextremen Spektrums.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst eine kleine Chronik:<br \/>\nVorerst arbeitsteilig in zwei Gruppen aufgeteilt, bildete die mittlerweile aufgel\u00f6ste und in der Identit\u00e4ren Bewegung aufgegangene Gruppe W.I.R. (Wiener Identit\u00e4re Richtung) die Rolle des intellektuellen Stichwortgebers, w\u00e4hrend die Identit\u00e4re Bewegung (IB) den aktionistischen Part \u00fcbernahm. Das Konzept einer Identit\u00e4ren und deren politische Inhalte haben sie sich dabei vom franz\u00f6sischen Bloc Identitaire und dessen Jugendorganisation G\u00e9n\u00e9ration Identitaire abgeschaut, mit denen sie enge Kontakte pflegen. Mittlerweile hat sich der identit\u00e4re Trend auch unter Kadern der Jungen Nationaldemokraten und der NPD in Deutschland breitgemacht, die Vorreiterrolle nehmen bislang jedoch die \u00f6sterreichischen Identit\u00e4ren ein.<\/p>\n<p>Neben der Vernetzung mit anderen identit\u00e4ren Gruppen in Europa versuchen die hiesigen Identit\u00e4tssch\u00fctzerInnen, Br\u00fccken ins rechtsextreme Eck zu schlagen.<br \/>\nSo schaffte es W.I.R., ins rechtskatholische und nationalkonservative Spektrum rund um die Junge Europ\u00e4ische Studenteninitiative (JES) und den Wiener Akademikerbund, welcher mittlerweile eine rechtsextreme Abspaltung des \u00d6sterreichischen Akademikerbunds der \u00d6VP darstellt, vorzudringen und auch Kontakte ins bundesdeutsche, neurechte Spektrum rund um Zeitschrift \u201eBlaue Narzisse\u201c zu unterhalten.[1] Mit oben genannten Gruppen veranstalteten die Identit\u00e4ren im Sommer letzten Jahres einen Vortragsabend in den R\u00e4umlichkeiten des Wiener Akademikerbundes, auch diesen April ist ein \u00e4hnlicher Vortragsabend geplant.[2] Als Sprecher f\u00fcr die Identit\u00e4ren treten dabei deren Aush\u00e4ngeschild, Alexander Markovics, ehemals W.I.R., nun in der IB, auf, und f\u00fcr die JES Venzel Czernin.[3]<br \/>\nAber auch von Seiten des burschenschaftlichen dritten Lagers bekommen die Identit\u00e4ren Lob, unter anderem von Andreas M\u00f6lzers \u201eZur Zeit\u201c und von Martin Grafs Blog \u201eunzensuriert.at\u201c, auf den die Gruppe W.I.R. verlinkt. Ob die Identit\u00e4ren durch eine Kooperation mit der JES und durch die &#8211; zumindest offizielle &#8211; Distanzierung zur freiheitlichen Parteipolitik weiterhin beim stramm deutschnationalen Lager aus Burschenschaften, FP\u00d6 und deren Vorfeldorganisationen beliebt sein werden, bleibt dabei vorerst offen.<\/p>\n<p>Eine gewisse Medien\u00f6ffentlichkeit erlangte die Identit\u00e4re Bewegung durch Aktionen wie die Hardbass-Flashmobs gegen einen Tanzworkshop der Caritas und im Votivpark gegen die Fl\u00fcchtlingsprotestbewegung, eine Aktionsform, die sie sich von osteurop\u00e4ischen Neonazis abgeschaut haben.<br \/>\nAm spektakul\u00e4rsten war jedoch die versuchte Gegenbesetzung der von Refugeeaktivist_innen besetzten Votivkirche am 10. Februar diesen Jahres, die nach wenigen Stunden von den identit\u00e4ren Besetzern abgebrochen wurde.<br \/>\nDass sich unter den Identit\u00e4ren personell einige burschenschaftliche Kader finden, welche sich schon zuvor an der neurechten Gruppe \u201eDer Funke\u201c versucht haben, zeigt nicht nur die \u00e4sthetische Kontinuit\u00e4t, sondern auch der fortgesetzte Aktionismus an der Uni.<br \/>\nIn den letzten Semestern kam es immer wieder zu St\u00f6raktionen der Identit\u00e4ren bei linken bzw. antifaschistischen Veranstaltungen.<br \/>\nVerbal grenzen sich die Identit\u00e4ren vom Neonazismus ab, verwehren sich gegen den Vorwurf des Rassismus und Antisemitismus und distanzieren sich von NS-Nostalgie und biologischem Rassendenken.<br \/>\nDass sie nichtsdestotrotz ein Haufen v\u00f6lkischer und nationalistischer Spinner sind, die ihren Rechtsextremismus hinter neuer Symbolik und anderen Begrifflichkeiten verpacken, beweist schon ein Blick in ihre Positionierungstexte.<br \/>\nZentral f\u00fcr die Ideologie der Identit\u00e4ren ist der Ethnopluralismus, d.h. die Vorstellung, dass Menschen untrennbar mit ihrer \u201eKultur\u201c bzw. ihrem \u201eVolk\u201c verbunden sind, oder wie es bei den Identit\u00e4ren hei\u00dft:<br \/>\n\u201eUnsere Identit\u00e4t ist f\u00fcr uns das Zusammenspiel aus unserer tradierten Kultur, unserem Bewusstsein, eine homogene, verwandte Gemeinschaft zu sein [&#8230;]\u201c.[4] Demenstsprechend tritt auch ein typisch rechtsextremer Antipluralismus und Antiliberalismus zu Tage, wenn es etwa hei\u00dft: \u201eDemokratie [\u2026] erfordert eine gewisse Homogenit\u00e4t in der Bev\u00f6lkerung, damit sie einen gemeinsamen Willen bilden kann.\u201c Dass mit der Homogenit\u00e4t eine v\u00f6lkisch homogene Volksgemeinschaft gemeint ist, d\u00fcrfte hierbei offensichtlich sein.<br \/>\nAls Feindbilder dienen dabei Multikulturalismus und Islamisierung, womit sich die Identit\u00e4ren durchaus in einen \u00e4hnlichen Diskurs eines antimuslimischen Rassismus begeben, wie er auch von Seiten der FP\u00d6, PI-News, der Front National oder Pro Deutschland kommt.<\/p>\n<p>Angestrebt wird von den Identit\u00e4ren im Prinzip dasselbe, was sich auch FP-Europapolitiker vom Schlage eines Andreas M\u00f6lzer herbeitr\u00e4umen: Eine Ansammlung von untereinander getrennten Volksgemeinschaften, oder wie es in der Rechten hei\u00dft: \u201eein Europa der Vaterl\u00e4nder und Nationen\u201c, welche als starker Gegenpol einerseits gegen die als angeblich volkszersetzend und kosmopolitisch imaginierte EU dienen soll, andererseits gegen einer als von den USA ausgehend imaginierten Globalisierung. Auch wenn die Identit\u00e4ren sich bem\u00fchen, sich in der Nahostkonfliktdebatte blo\u00df nicht zu positionieren (weder Kippa noch Palituch), und sich vom NS-Antisemitismus abzugrenzen versuchen, l\u00e4sst sich aus der identit\u00e4ren Globalisierungskritik doch ein struktureller Antisemitismus konstatieren.[5] So verwundert es auch nicht, wenn dann schon mal die identit\u00e4ren Kameraden von der neurechten \u201eBlauen Narzisse\u201c das als v\u00f6lkisch homogen verherrlichte Nordkorea gegen den westlichen Imperialismus publizistisch verteidigen.[6]<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich also sagen, dass die Identit\u00e4ren denselben v\u00f6lkischen Nationalismus, Rassismus und Antipluralismus wie die deutschnationalen Burschenschaften teilen. Was sie unterscheidet, ist im Wesentlichen der fehlende NS-Bezug und ein nicht zur Schau gestellter Antisemitismus.<br \/>\nSchlussendlich fragt sich, ob der identit\u00e4re, neurechte Trend im \u00f6sterreichischen Rechtsextremismus mit seiner Distanzierung zu Antisemitismus und zur NS-Verherrlichung ernstgemeint ist, oder ob hinter der Maske der sich gem\u00e4\u00dfigt gebenden Identit\u00e4ren doch nur der althergebrachte Neonazismus steckt. Best\u00e4tigen w\u00fcrde letztere Annahme, dass wesentliche Teile des identit\u00e4ren Kaderpersonals selbst aus dem burschenschaftlichen und neonazistischen Milieu entstammen.<\/p>\n<p>Andererseits spricht der Fakt, dass sie die Gesellschaft von neurechten und rechtskatholischen Organisationen wie den Wiener Akademikerbund, die JES und die \u201eBlaue Narzisse\u201c dem deutschnationalen burschenschaftlichen Milieu vorziehen, f\u00fcr eine ideologische Abkehr.<br \/>\nDass diese Kooperationen aus taktischem Kalk\u00fcl erfolgt, gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Schw\u00e4che des Neonazismus nach dem Prozess gegen die Betreiber von Alpen-Donau-Info, kann zudem nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Doch egal ob neonazistisch oder \u201egem\u00e4\u00dfigt\u201c neurechts: Einig sind sie sich in ihrem v\u00f6lkischen Nationalismus, ihrem Antifeminismus, Antiegalitarismus und Rassismus.<br \/>\nGerade der identit\u00e4re Aktivismus der letzten Monate hat gezeigt, dass sie als rechtsextreme Bewegung nicht untersch\u00e4tzt werden darf. Antifaschistisches Engagement darf nicht bei den altbekannten Schmissfressen und deren Konsorten halt machen, auch das neurechte Identit\u00e4renpack muss Ziel antifaschistischer Kritik und Praxis sein.<\/p>\n<p>[1] Zum Begriff \u201eNeue Rechte\u201c und dessen Problematik siehe: Brigitte Bailer, Parteistatt Metapolitik. \u201eNeue Rechte\u201c und FP\u00d6 in \u00d6sterreich, in: Wolfgang Gessenharter, Thomas Pfeiffer (Hrsg.), \u201eDie Neue Rechte &#8211; eine Gefahr f\u00fcr die Demokratie?\u201c, Wiesbaden 2004, S. 163-174.<\/p>\n<p>[2] http:\/\/ib-oesterreich.at\/?p=433<\/p>\n<p>[3] http:\/\/wirf\u00fcrwien.at\/?p=438<\/p>\n<p>[4] http:\/\/ib-oesterreich.at\/?page_id=13<\/p>\n<p>[5] Zu strukturellem Antisemitismus siehe u.a. http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/<br \/>\ntrd0101\/t120101.html<\/p>\n<p>[6] http:\/\/blauenarzisse.de\/index.php\/anstoss\/item\/3834<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Identit\u00e4re Bewegung \u201e0% rassistisch, 100% identit\u00e4r\u201c, \u201eWir sind die Guten\u201c, \u201eHeimat, Freiheit, Tradition\u201c: Das sind die Parolen der Identit\u00e4ren Bewegung, einer in \u00d6sterreich relativ neuen und aktionistischen Str\u00f6mung des rechtsextremen Spektrums. 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