{"id":148,"date":"2013-04-26T13:25:20","date_gmt":"2013-04-26T11:25:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=148"},"modified":"2018-04-05T13:28:08","modified_gmt":"2018-04-05T11:28:08","slug":"vom-wahn-und-wahnsinn-der-soli-solidarische-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2013\/vom-wahn-und-wahnsinn-der-soli-solidarische-linke\/","title":{"rendered":"\u201eVom Wahn und Wahnsinn der Soli (Solidarische Linke)\u201c"},"content":{"rendered":"<section id=\"body\">\n<div class=\"inner\">\n<h2>Die Speerspitze Linken Antisemitismus\u2018, falscher Kapitalismuskritik und v\u00f6lkischen Denkens tritt zu den \u00d6H Wahlen an der Uni Wien an.<\/h2>\n<p>Was bei diesem eigenartigen B\u00fcndnis aus StalinistInnen (KSV-KJ\u00d6 und Young Struggle) und TrotzkistInnen (Linkswende) als erstes ins Auge springt, ist der Unterschied ihres historischen Bezugrahmens.<br \/>\nEs stellt sich die Frage wie lange es \u00fcberhaupt bestehen wird, also ob es \u00fcberhaupt genug Gemeinsamkeiten gibt, die diese Gruppen miteinander verbinden. Zur Erinnerung: der letzte Versuch eines derartigen B\u00fcndnisses in Wien (die so genannte rote Antifa) hat sich innerhalb weniger Wochen an der so genannten Eispickelfrage (der Ermordung Leo Trotzkis) gespalten. Ich m\u00f6chte nun ein paar Themen darstellen, die diese Gruppen dennoch verbinden.<\/p>\n<h3>Falsche Kapitalismuskritik<\/h3>\n<p>Diese lie\u00df sich bereits in der Vorstellungsveranstaltung dieses B\u00fcndnisses beobachten. So hielt der KSV-KJ\u00d6 Vertreter (im Namen des B\u00fcndnisses Solidarische Linke) ein Referat in dem er zun\u00e4chst richtig feststellte, dass es eine zunehmende Entsolidarisierung unter den Studierenden gibt, im Anschlu\u00df daran aber den Fehlschlu\u00df zog, dass dies von irgendwelchen omin\u00f6sen Kr\u00e4ften dazu verwendet werde, Studierende daran zu hindern, sich ihrem gemeinsamen Feind entgegenzustellen.<\/p>\n<p>Diesen Mist der falschen Kritik gab es bereits zu Zeiten eines Karl Marx &#8211; weshalb dieser, um dem entgegenzuwirken, bereits im Vorwort des ersten Bandes des Kapitals anmerkte:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eZur Vermeidung m\u00f6glicher Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigent\u00fcmer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation \u00f6konomischer Kategorien sind, Tr\u00e4ger von bestimmten Klassenverh\u00e4ltnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der \u00f6konomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Proze\u00df auffa\u00dft, den einzelnen verantwortlich machen f\u00fcr Verh\u00e4ltnisse, deren Gesch\u00f6pf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv \u00fcber sie erheben mag.\u201c<\/em> (MEW 23 S.16)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die falsche Kritik dieses B\u00fcdnisses zeichnet sich also dadurch aus, dass sie Einzelne daf\u00fcr verantwortlich macht, dass sich Studierende entsolidarisieren anstatt sich anzusehen wie die Dynamik kapitalistischer Produktionsweise von Studierenden (wie von den meisten Menschen) derart verinnerlicht wird, dass sie eben nicht nur zuallererst auf sich schauen sondern auch ihre KollegInnen sabotieren.<\/p>\n<h3>Linker Antisemitismus<\/h3>\n<p>Eine falsche und personalisierende Annahme \u00fcber die gesellschaftlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse bildet die Grundlage f\u00fcr jede Form von Antisemitismus &#8211; oder anders: Antisemitismus ist die Personalisierung und Projektion des gesamten kapitalistischen Herrschaftszusammenhangs auf Menschen, die als j\u00fcdisch gelten.<\/p>\n<p>Hier ist wichtig festzuhalten, dass es dabei irrelevant ist, ob sich diese Menschen selbst als j\u00fcdisch bezeichnen oder nicht, es handelt sich wie gesagt um eine Projektion. Der\/Die AntisemitIn richtet sich gegen etwas, dass als \u00fcberm\u00e4chtig, alles durchdringend und beherrschend empfunden wird &#8211; nur dass er\/sie es eben als das \u201ej\u00fcdische Prinzip\u201c missversteht und nicht als kapitalistischen Herrschaftszusammenhang. Das ist auch der Grund daf\u00fcr, dass sich der Nationalsozialismus zum Ziel setzte, Menschen, die als j\u00fcdisch galten, eben nicht zu versklaven wie dies z.B. bei PolInnen der Fall war sondern, entgegen aller wirtschaftlichen und kriegsstrategischen \u201cRationalit\u00e4t\u201c, restlos zu vernichten.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf diese Ideologie des Antisemitismus hat sich eine Bewegung entwickelt, die zum Ziel hatte und hat, Menschen, die vom Antisemitismus bedroht sind, einen einigerma\u00dfen sicheren Aufenthaltsort zur Verf\u00fcgung zu stellen. Diese Bewegung war und ist der Zionismus, das Bestreben vieler Juden\/J\u00fcdinnen nach einem eigenen Staat.<\/p>\n<p>Nach dem Menschheitverbrechen des Holocaust hat sich der Fokus von emanzipatorischem Handeln selbst verschoben, da sich gezeigt hat, dass diese Gesellschaft zu Schlimmerem in der Lage ist als dem kapitalistischen Normalvollzug: n\u00e4mlich seine negative Aufhebung in ein wahnhaftes Mordkollektiv. Daher gilt: <em>\u201e(&#8230;) im Stande der Unfreiheit (&#8230;) Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole nichts \u00e4hnliches geschehe&#8230;\u201c<\/em> (Adorno ND S.358)<\/p>\n<p>Die Unf\u00e4higkeit der meisten Linken, diese historische Erfahrung zu reflektieren und sich mit dem Ziel des Zionismus solidarisch zu zeigen verkennt den Charakter des Antisemitismus und die Gefahr, die von ihm ausgeht &#8211; und ist damit selbst schon eine Form der Holocausrelativieruing und tendiert selbst zum Antisemitismus. Es loht sich hier einen Blick auf die Positionen der Linkswende zu werfen um den antisemitischen Wahn in Aktion zu erleben:<\/p>\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Aus der marxistischen Sicht ist ein unbelesener, abergl\u00e4ubischer, muslimischer pal\u00e4stinensischer Bauer, der die Hamas w\u00e4hlt, unterst\u00fctzenswerter, als ein belesener, liberaler und atheistischer Israeli, der hinter dem Zionismus steht. (http:\/\/www.linkswende.org\/6174\/Die-linke-Sicht-der-Dinge-auf-Atheismus)<\/p>\n<p>Die Hamas bekennt sich in ihrer Charta offen dazu, Juden\/J\u00fcdinnen restlos vernichten zu wollen. Ein Gl\u00fcck, dass sie hierzu nicht in der Lage sind und perspektivisch auch nicht sein werden. Jedoch stellen sich Organisationen wie die Linkswende mit ihrer Parteinahme definitiv nicht auf die Seite der Emanzipation sondern auf die der Barbarei.<\/p>\n<h3>\u201eSolidarit\u00e4t ist die Z\u00e4rtlichkeit der Volksgemeinschaften\u201c<\/h3>\n<p>Mit dem Antiimperialismus der Solidarischen Linken, der immer mit ihrem Antisemitismus einhergeht wird klar, wo diese Gruppen ihren Feind ausmachen. Mit dem permanenten Verweis auf wirtschaftliche Interessen wird das Vorgehen westlicher Staaten gegen islamistische, faschistoide und Israel hassende Staaten und Organisationen d\u00e4monisiert. Es soll hier nicht bezweifelt werden, dass milit\u00e4rische Aktionen meist herrschaftssichernden Interessen folgen. Jedoch stellt sich die Frage, ob eine solche Aktion eventuell doch in der Lage ist, aus den falschen Gr\u00fcnden das Richtige zu bewirken.<\/p>\n<p>Konnten diese AntiimperialistInnen zu zeiten eines Vietnamkrieges und Interventionen in Chile noch von sich behaupten, auf Seiten des Fortschritts zu stehen (ob das stimmte oder nicht ist wieder eine andere Frage), so ist es nun offensichtlich, dass das Weltbild dieser AntiimperialistInnen nicht so weit weg von dem der FaschistInnen ist, wie oft behauptet wird. Das Ziel der allgemeinen menschlichen Emanzipation wird aufgegeben zugunsten eines v\u00f6lkischen Denkens: jedes Volk auf seinem Boden und ja nichts von au\u00dferhalb. Es wird sich ohne mit der Wimper zu zucken auf die Seite von Hamas, Ahmadinejad und den IslamistInnen in Mali gestellt. Die Ermordung Homosexueller und GegnerInnen des Regimes, die eliminatorischen Vernichtungsdrohungen gegen Israel und die Unterdr\u00fcckung von Frauen spielen keine Rolle mehr. Der Rassismus dieser Weltanschauung besteht darin, nicht universell die Emanzipation der Menschheit zu fordern, sondern die Verwirklichung von Gemeinschaften nach dem \u201eBlut-und-Boden-Prinzip\u201c, von der J\u00fcdinnen\/Juden nat\u00fcrlich ausgeschlossen sind.<\/p>\n<h3>\u201eMund auf &#8211; aber nicht schlucken\u201c<\/h3>\n<p>Auch wenn es hin und wieder wichtig und witzig sein kann sich \u00fcber die Pr\u00fcderie der Linken lustig zu machen scheint es befremdlich wenn Gruppen in einem Zustand um 1917 herumoszillieren. So zu betrachten bei der sogenannten Antisexismuskampagne der KJ\u00d6. Es werden wiedereinmal irgendwelche FeministInnen aus der glorreichen Sowjetunion hergenommen um zu zeigen: wir waren schon immer cool.<\/p>\n<p>Dass Alexandra Kollontai f\u00fcr die KJ\u00d6 nur als Feigenblatt interessant ist, zeigt sich in der Art und Weise der Pr\u00e4sentation: reine Biographie statt einer Auseinandersetzung mit der Theorie (womit man diesen Personen sehr viel respektvoller gegen\u00fcbertreten w\u00fcrde).<\/p>\n<p>Auch die Titel der einzelnen Artikel sprechen f\u00fcr sich selbst: \u201eSchlucks nicht, spucks aus, schlag zur\u00fcck\u201c, \u201eMund auf, Lohnschere zu\u201c, \u201eEin revolution\u00e4res Frauenbild k\u00f6nnte zu unerwarteten weiblichen Orgasmen f\u00fchren\u201c. Die Sexualisierung von Titeln, die sich zuf\u00e4lligerweise mit den Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen von Frauen \u201cbesch\u00e4ftigen\u201c, bewirkt eine Degradierung der Thematik im Vergleich zu anderen Themen. Offensichtlich kann die KJ\u00d6 nur ans Ficken denken wenn es um die Diskriminierung von Frauen geht.<\/p>\n<p>\u00dcberfl\u00fcssig zu erw\u00e4hnen, dass jene Artikel, die sich mit dem Zusamenhang von Sexismus und Kapitalismus \u201causeinandersetzen\u201c, die selbe falsche Analyse der Verh\u00e4ltnisse zu Grunde liegt wie sie eingangs erw\u00e4hnt wurde.<br \/>\nWer sich also dazu berufen f\u00fchlt, bei den anstehenden \u00d6H Wahlen Leute zu w\u00e4hlen, die das Ding mit der Emanzipation ernst nehmen, sollte von der Solidarischen Linken besser die Finger lassen.<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Speerspitze Linken Antisemitismus\u2018, falscher Kapitalismuskritik und v\u00f6lkischen Denkens tritt zu den \u00d6H Wahlen an der Uni Wien an. 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