{"id":181,"date":"2015-05-26T15:57:27","date_gmt":"2015-05-26T13:57:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=181"},"modified":"2018-04-05T13:28:32","modified_gmt":"2018-04-05T11:28:32","slug":"lehrkoerper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2015\/lehrkoerper\/","title":{"rendered":"Lehrk\u00f6rper"},"content":{"rendered":"<h2>Biomacht und informelle Machtverh\u00e4ltnisse<\/h2>\n<p>Wer \u00fcber die Universit\u00e4t nachdenkt, hat selten etwas K\u00f6rperliches im Kopf, schon gar nicht den Zusammenhang von Herrschaft und K\u00f6rper. Dass gerade ein Nachdenken \u00fcber den Zusammenhang von Wissen, Macht und K\u00f6rperlichkeit im akademischen Rahmen wichtige herrschaftskritische Erkenntnisse liefern kann, m\u00f6chte ich im Folgenden zeigen.<\/p>\n<h3>UNIVERSIT\u00c4T \u2013 RAUM OHNE K\u00d6RPER?<\/h3>\n<p>Die Universit\u00e4t ist ein Raum, der Wissen schlechthin repr\u00e4sentieren soll. Die \u201aAcademia\u2018 stellt sich als Institution dar, die abseits anderer \u201amateriellerer\u2018 Institutionen v.a. durch geistige Aktivit\u00e4t zustande kommt. Dies spiegelt auch den Anspruch, \u201auniversitas\u2018 \u2013 die Gesamtheit aller geistigen Dinge \u2013 zu vertreten wider: diese Gesamtheit hat gerade deshalb, weil sie rein geistig ist, weil sie von keinerlei weltlichen Substanz getragen wird, vermeintlich einen absolut neutralen und objektiven Charakter. Sie ist selbst nicht verk\u00f6rpertes Objekt, sondern objektiviert nur, stellt sich damit au\u00dferhalb der Gesellschaft und deren Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. Sie imaginiert sich insofern als ein Raum ohne K\u00f6rper. Alle Menschen die mit ihr zu tun haben, m\u00fcssen sich gewisserma\u00dfen Entk\u00f6rperlichen. Sie ordnen sich als Studierende, Lehrende und wissenschaftliche Angestellte und schlie\u00dflich Professor_innen einer gleichsam geistigen Hierarchie unter, die durch reines (Mehr-)Wissen begr\u00fcndet sei.<\/p>\n<p>Dass dies eine hochgradig ideologische Vorstellung ist, davon zeugen schon all jene Personen, die ultimativ auf das K\u00f6rperliche \u2013 ihre k\u00f6rperliche Arbeit \u2013 reduziert werden und das Funktionieren der Universit\u00e4t \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichen. Es sind dies die vielen putzenden, organisierenden, reparierenden und in sonstiger Weise erhaltenden sehr k\u00f6rperlichen Wesen, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht als Teil der Universit\u00e4t wahrgenommen werden, ja sogar nahezu hermetisch von der \u201aeigentlichen\u2018 Academia abgeschirmt erscheinen.<\/p>\n<p>An ihnen wird deutlich, was eine kritische Analyse allgemeiner erweist: die Universit\u00e4t ist kein Raum jenseits gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, sie ist vielmehr ein ganz spezifischer Ausdruck jener Verh\u00e4ltnisse. Diese Verh\u00e4ltnisse sind auf viele Weise hierarchisch determiniert, omnipr\u00e4sent ist allerdings die Pr\u00e4gung entlang der Achsen \u201aGeschlecht\u2018 und \u201aEthnie\/Herkunft\u2018. Aufs K\u00f6rperliche reduziert und dabei zugleich unsichtbar sind insbesondere Frauen* und Menschen mit Migrationshintergrund.<\/p>\n<h3>BIOMACHT, SELBSTTECHNOLOGIE<\/h3>\n<p>Wenn wir versuchen den Charakter dieser Herrschaftsverh\u00e4ltnisse zu durchschauen, ist es hilfreich, die enge Verzahnung von Wissen, Macht und K\u00f6rperlichkeit in modernen Gesellschaften zu verstehen. Wie u.a. der franz\u00f6sische Theoretiker Michel Foucault nachwies [<a href=\"#note_1\" name=\"link_1\">1<\/a>] , haben sich Macht und Herrschaft in der Moderne umfassend ver\u00e4ndert. W\u00e4hrend in fr\u00fcheren sozialen Verh\u00e4ltnissen eine unmittelbare und umfangreiche Einbindung in mehr oder minder klar abgesteckte Zusammenh\u00e4nge vorzufinden war, etablierte sich mit der Moderne zum ersten Mal das unabh\u00e4ngige, atomisierte (vereinzelte) und sich (\u201abewu\u00dft\u2018) selbst konstituierende Subjekt. F\u00fcr die Herausbildung dieser Subjekte ist es relevant, dass sie zumindest teilweise nicht mehr unmittelbar offensichtlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen unterworfen sind: sie werden im b\u00fcrgerlichen Sinne \u201afrei\u2018, haben also die M\u00f6glichkeit sich selbst zu erschaffen und zu reproduzieren. Dass diese M\u00f6glichkeit immer auch gleich Zwang ist, dass die subjektive Freiheit \u00fcberhaupt nur deshalb existiert, weil sie mit der objektiven, gesellschaftlichen Notwendigkeit verbunden ist, das eigene \u00dcberleben alleine f\u00fcr sich selbst zu sichern, ist die eine Seite.<\/p>\n<p>Die andere Seite ist, dass dieser Prozess der Selbstwerdung immer stark mit Wissen und Selbst-Reflexion verbunden ist. In der Moderne sind die Menschen als geistig-k\u00f6rperliche Wesen nicht einfach da, sie werden in ihrem Handeln nicht unmittelbar oder zwanghaft von den Verh\u00e4ltnissen bestimmt, sondern sie m\u00fcssen sich idealtypisch durch geistige Eigenleistung selbst erschaffen. Nichts weniger besagt das ber\u00fchmte \u201asapere aude\u2018 von Kant. Das subjektiv-geistige Moment ist dabei aber ganz zentral f\u00fcr die Form, in der moderne objektive Herrschaftsverh\u00e4ltnisse sich perpetuieren. Sie tun dies nicht unmittelbar, sondern vermittelt, n\u00e4mlich durch jene \u2013 geistig (bzw. bei Foucault diskursiv) vermittelte Macht, die durchaus auch produktiv, n\u00e4mlich Subjekt-schaffend, wirksam ist.<\/p>\n<p>Evident wird dieser geistige Charakter der Selbstwerdung des Subjekts in der b\u00fcrgerlichen Aufkl\u00e4rung und ihrem idealistischen Bild des Menschen als Vernunftwesen. Das in dieser vermeintlich positiv zu bewertenden, Freiheit bringenden Aufkl\u00e4rung sehr viel Herrschaft steckt, hat nicht zuletzt die feministische Kritik der Aufkl\u00e4rung erwiesen \u2013 das zu schaffende Subjekt ist n\u00e4mlich symbolisch-strukturell ein m\u00e4nnliches, wei\u00dfes, westliches, mitsamt all der stillen Voraussetzungen, die jenes \u201aIdealsubjekt\u2018 in sich birgt.<\/p>\n<p>Die Produktivit\u00e4t der Macht ist demnach keine, die im luftleeren Raum angesiedelt ist. Die geistigen, vernunftbegabten Subjekte sind letztlich immer auch k\u00f6rperliche und die produktive Macht stets auch kristallisierter Ausdruck von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen. So wird mit der Moderne nicht nur das freie und denkende Subjekt geschaffen, sondern auch die sogenannte \u201aBiopolitik\u2018 \u2013 die (Selbst-)Steuerung und Kreierung der Bev\u00f6lkerung als Ausdruck national-staatlicher Imperative. Mit dem (Wissen \u00fcber das) Subjekt wird auch der K\u00f6rper geschaffen und zwar auf individueller Ebene, aber auch auf der aggregierten Ebene von Gesellschaft, Staat und Nation. Mit dem individuell geschaffenen K\u00f6rper korrespondiert der \u201aVolksk\u00f6rper\u2018 und der Staatsdiskurs, der ihn reproduziert. K\u00f6rper und Wissen bzw. das verk\u00f6rperlichte und geistige Subjekt sind also eng verzahnt und in das Verh\u00e4ltnis der beiden ist Herrschaft unmittelbar eingeschrieben.<\/p>\n<h3>UNIVERSIT\u00c4T UND GESELLSCHAFTLICHE MACHT- UND HERRSCHAFTSVERH\u00c4LTNISSE<\/h3>\n<p>Diese Erkenntnisse k\u00f6nnen auf die scheinbar neutrale gesellschaftliche Institution Universit\u00e4t angewandt werden. Zweierlei wird dann deutlich: Einerseits ist die Universit\u00e4t selbst Tr\u00e4ger moderner Verh\u00e4ltnisse, sie ist als \u201aStaatsapparat\u2018 aktiv daran beteiligt, jenes Wissen zu produzieren, dass f\u00fcr die Aufrechterhaltung der herrschenden Ordnung notwendig ist. Ihr Wissen ist deshalb nie neutral, sondern immer auch herrschaftliches Wissen. Deutlich wird dies z.B. in den bekannten Tendenzen der \u00d6konomisierung der Hochschulen.<\/p>\n<p>Andererseits ist die Universit\u00e4t Ausdruck der versteckten Hierarchisierung, welche sich als Effekt der scheinbar freien und gleichberechtigten Subjektwerdung ergibt: \u201aBesser\u2018 und \u201avollst\u00e4ndiger\u2018 sind jene Subjekte, die m\u00f6glichst viel wissen, die Vernunft und Rationalit\u00e4t in Reinform repr\u00e4sentieren und sich damit auch g\u00e4nzlich transzendental \u2013 also \u201aunk\u00f6rperlich\u2018 \u2013 selbst erschaffen. Erneut gilt es herauszustreichen, dass diese Subjekte niemals wirklich neutral sind, ihre Vernunft nicht wirklich objektiv ist. Die Neutralit\u00e4t und Objektivit\u00e4t basiert stets auf versteckten Pr\u00e4missen, die v.a. von patriarchaler Herrschaft zeugen \u2013 das entsinnlichte, k\u00f6rperlose und \u201avern\u00fcnftige\u2018 Subjekt ist der westlich-wei\u00dfe \u201aMann\u2018.<\/p>\n<p>Dieses Subjekt findet sich nun auch an der Universit\u00e4t, ja diese soll idealerweise in Reinform nur die Summe solcher Subjekte sein. Dass aber dennoch ein k\u00f6rperlich-materieller Bezug besteht, auch die reine Kopfarbeit mit der Handarbeit verbunden ist, versinnbildlicht das obige Beispiel jener putzenden und reparierenden meist weiblichen K\u00f6rperschaft, welche f\u00fcr die \u201asubstanzielle\u2018 Reproduktion der Universit\u00e4t verantwortlich ist und deshalb eigentlich auch als Fundament verstanden werden k\u00f6nnte, ohne dem die Institution keinen Tag lang funktionieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche herrschaftskritische Strategie ist es, den Zusammenhang von K\u00f6rper und Wissen als einen machtvermittelten nachzuzeichnen und damit die gleichsam ultimative Trennung beider zu subvertieren. Hierdurch wird aufgezeigt, wie Herrschaftsverh\u00e4ltnisse sich gerade dann auf subtile Art in Subjekten verk\u00f6rpern, wenn die Rede von K\u00f6rperlichkeit weit hergeholt erscheint.<br \/>\nWie also die \u201aBiopolitik\u2018 auch und gerade dann funktioniert, wenn somatische (k\u00f6rperbezogene) Momente auf den ersten Blick keine Rolle spielen. Die Zuspitzung des Wissen-Macht-Komplexes an den Universit\u00e4ten f\u00fchrt dazu, dass sich spezifische Disziplinar-techniken entwickeln, die es zu verstehen gilt. Um deren herrschaftsf\u00f6rmigen Charakter zu dechiffrieren, ist es sinnvoll, diese Techniken und Machtformen auf konkrete K\u00f6rper r\u00fcckzubeziehen und die scheinbar neutral und allgemein auftretenden universit\u00e4ren \u201aWissenssubjekte\u2018 zu substantiellen zu machen.<\/p>\n<h3>EIN PRAKTISCHES BEISPIEL: LEHR- UND STUDIERENDENK\u00d6RPER<\/h3>\n<p>Verdeutlichen l\u00e4sst sich der Zusammenhang an typischen Situationen, wie sie an der Universit\u00e4t allt\u00e4glich vorzufinden sind. So z.B. am Verh\u00e4ltnis von \u201aLehrk\u00f6rper\u2018 und Studierenden. Dieses ist durch eine Wissenshierarchie gepr\u00e4gt, die begr\u00fcndet erscheint: die einen haben Wissen, dass sie teilen k\u00f6nnen, die anderen m\u00f6chten es erhalten. Hierf\u00fcr wird ein sich ver\u00e4ndernder didaktischer Rahmen geschaffen, der den Wissenstransfer erm\u00f6glichen soll.<br \/>\nLehrende und Studierende sollten formal je nach der zu lehrenden Sache in unterschiedlichen Beziehungen stehen, die prim\u00e4r durch den Gegenstand bestimmt sind. Allerdings deutet bereits die Bezeichenbarkeit aller Lehrenden als \u201aLehrk\u00f6rper\u2018 darauf hin, dass die Subjektposition\u201a Lehrender\u2018 nicht alleinig durch das Ziel Wissenstransfer\u2018 bestimmt ist. Die Lehrenden bilden gegen\u00fcber den vereinzelt auftretenden Studierenden tats\u00e4chlich so etwas wie eine verk\u00f6rperte \u00dcberinstanz. Sie treten als durch ihre hierarchische Position und ihre Funktion definierte Instanz auf, die sich gegen\u00fcber den Studierenden trennt. Dies wird zumeist durch F\u00f6rmlichkeit, distanzierten Umgang und andere vermeintlich \u201aprofessionelle\u2018 Tugenden erreicht. Jene Trennung hat allerdings vielfach nicht nur didaktische oder institutionelle Hintergr\u00fcnde, im Gegenteil scheinen diese oft gar keine gro\u00dfe Rolle zu spielen.<\/p>\n<p>Dies ist deshalb so, weil der Lehrk\u00f6rper auch Ausdruck der disziplin\u00e4ren Funktion des Staatsapparats Universit\u00e4t ist. Es geht darum, das \u201aStudivolk\u2018 zu formen und in eine gewisse Richtung zu lenken, gesellschaftliche Elite zu schaffen \u2013 heute mitunter auch so, dass jene selbst davon nichts wei\u00df. Denn diese Elite zeichnet sich nicht nur, wie es fr\u00fcher der Fall war, durch eine klare gesellschaftliche Position und Funktion aus, sondern konstituiert sich in Zeiten einer pr\u00e4karisierten \u201aWissensgesellschaft\u2018 qua Wissenssubjektivit\u00e4t selbst. Das Streben nach Wissen und die damit verbundenen Privilegien entstehen \u00fcber Umwege und weitgehend selbstgesteuert. Wichtig hierf\u00fcr ist rationale, distanzierte und reflektierte Selbsterschaffung als Wissens-Subjekt, die an der Universit\u00e4t erlernt wird. Die wird durch die Lehrenden angeleitet, wobei sich die Studierenden im Idealfall immer mehr hin zum akademischen Zentrum, repr\u00e4sentiert durch den Lehrk\u00f6rper, entwickeln. Eine damit verbundene (partielle) \u00dcberwindung der Distanz von Studierenden und Lehrenden \u2013 oft versteckt als eine Art Initiation in die \u201aakademische Gemeinschaft\u2018 \u2013 ist Weg und Ziel dieser Subjektivierung.<\/p>\n<p>Jene Selbsttechnologie die zur Verk\u00f6rperung des \u201aidealen Studierenden\u2018 f\u00fchren soll und das implizite Ziel der Lehrenden als Disziplinar- und F\u00fchrungsmacht ist, schlie\u00dft jedoch zahlreiche Menschen aus. Sie setzt K\u00f6rper voraus, die bereits die \u201aAnlagen\u2018 f\u00fcr die angestrebte Verk\u00f6rperung von Wissen aufweisen. Sie m\u00fcssen in spezifischer Weise gebildet sein, offen f\u00fcr kritisches Denken und m\u00f6glichst frei von allzu \u201apraktischen\u2018 Veranlagungen. Dies allein garantiert die Flexibilit\u00e4t, die der Studierendenk\u00f6rper heute erzielen soll. Menschen, die auf Grund ihrer sozialen Position pragmatischere oder gezwungenerma\u00dfen weniger freie Zug\u00e4nge zu Wissen haben, bleiben au\u00dfen vor. Regelm\u00e4\u00dfig sind dies in den westlichen Zentren Migrant_innen und Menschen mit proletarischem Hintergrund. Fr\u00fcher waren jene direkt von der akademischen Subjektivierung ausgeschlossen, heute funktioniert der Ausschluss viel subtiler \u2013 marginalisierten Gruppen \u201aklebt\u2018 ihre Herkunft im doppelten Sinne (qua Macht\/Wissen, aber oft auch unmittelbar leiblich) an und sie werden deshalb vom Zugang zur privilegierten Subjektivierung ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Beispielhaft zeigt sich dies daran, dass es jenen Studierenden schwerer f\u00e4llt, die formalen Grenzen zu \u00fcberschreiten, sie etwa selbst nach angebotenem \u201aDu-Wort\u2018 bzw. Versuchen der Einebnung akademischer Distanztechniken diese weiterhin aufrechterhalten. W\u00e4hrend solche Studierende, die \u2013 meist durch Eltern und soziales Umfeld \u2013 eine umf\u00e4nglichere bzw. \u201afunktionierende\u2018 b\u00fcrgerliche Subjektivierung erfahren haben, entweder positiv auf die Integrationspotentiale reagieren, oder diese eventuell auch explizit ablehnen (z.B. eben als herrschaftsstabilisierende Form falscher \u201aVerbr\u00fcderung\u2018), haben jene, die von vorneherein marginalisiert waren, die M\u00f6glichkeit dieser Wahl gar nicht.<\/p>\n<p>Ihnen fehlt das dazu n\u00f6tige (subjektiv-verk\u00f6rperlichte) Wissen. Die Chance einer Aufnahme in oder Ann\u00e4herung an die akademische Community des Lehrk\u00f6rpers ist damit von vorneherein verbaut. Damit werden gewisse Studierende regelm\u00e4\u00dfig zu akademischen Subjekten zweiter Klasse, sie stellen die \u201aanderen K\u00f6per\u2018 dar, die es nicht zustande bringen, das \u201averk\u00f6rperte Wissen\u2018 zu werden. Hier zementieren sich Herrschaftskonstellationen, die es auch au\u00dferhalb der Universit\u00e4t gibt. Biopolitische Imperative, welche die westlichen Nationalstaaten in der Krisenvergesellschaftung des 21. Jahrhunderts pr\u00e4gt \u2013 der Ausschluss der \u201aAnderen\u2018 aus dem Volksk\u00f6rper \u2013 reproduzieren sich im Mikrokosmos Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Welche emanzipatorischen Konsequenzen lassen sich hieraus ziehen? Festzuhalten ist, dass der Verk\u00f6rperung von Macht-Wissen durch subtile Techniken schwer mittels einfacher Ma\u00dfnahmen beizukommen ist. Sie sind integraler Teil des Systems Universit\u00e4t und der von ihm geschaffenen Subjektpositionen. Im obigen Beispiel k\u00f6nnen weder Studierende noch Lehrende alleine etwas an der durch ihr Verh\u00e4ltnis reproduzierten Herrschaftsbeziehung \u00e4ndern. Sinnvoll w\u00e4re es vielleicht, wenn sich beide Seiten durch Reflexion des herrschaftlichen Zusammenhangs von Wissen und K\u00f6rper angeregt jeweils getrennt assoziieren und Auswege suchen w\u00fcrden. Studierende m\u00fcssten versuchen, die eigene Hierarchisierung aktiv zu bek\u00e4mpfen, w\u00e4hrend Lehrende diesen Prozess durch ein Verst\u00e4ndnis ihrer eigenen Position unterst\u00fctzen sollten. Der Problemkomplex der Verk\u00f6rperlichung von Wissen bleibt aber auch dann bestehen \u2013 denn letztlich werden regem\u00e4\u00dfig auch gerade jene, die hier schon privilegierte Machtpositionen mitbringen, sich \u00fcberhaupt erst daf\u00fcr zu interessieren beginnen \u2013 ebenso wie dieser Artikel vermutlich tendenziell von jenen gelesen\/verstanden wird, die derartige Privilegien bereits mitbringen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Elmar Flatschart<\/p>\n<p><a href=\"#link_1\" name=\"note_1\">1<\/a>: Vgl. z.B. Foucault, M. 1994. \u00dcberwachen und Strafen.Die Geburt des Gef\u00e4ngnisses. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biomacht und informelle Machtverh\u00e4ltnisse Wer \u00fcber die Universit\u00e4t nachdenkt, hat selten etwas K\u00f6rperliches im Kopf, schon gar nicht den Zusammenhang von Herrschaft und K\u00f6rper. 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