{"id":450,"date":"2017-07-15T17:06:39","date_gmt":"2017-07-15T15:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=450"},"modified":"2018-07-14T17:06:58","modified_gmt":"2018-07-14T15:06:58","slug":"__trashed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2017\/__trashed\/","title":{"rendered":"Eichmanns Schatten: Groschenromane des Traumas"},"content":{"rendered":"<h2>Zum Verh\u00e4ltnis von Pornographie und Shoah.<\/h2>\n<blockquote><p><em>\u201eFor an Israeli child in the 1960s, these are Jews. He doesn\u2018t think of Poles or Frenchmen. For him, the inmates are all Jews. The victims of<\/em><br \/>\n<em>abuse are his parents. His grandparents. Potentially, himself. The only way not to be subject to such abuse is to be the abuser himself.\u201c<\/em><br \/>\n&#8211; Prof. Omer Bartov, in: \u201ePornographie und Holocaust\u201c (2008, Regie: Ari Libsker)<\/p><\/blockquote>\n<h3>Neurotischer Despot, verf\u00fchrerische SS-Offizierin: Die Stalagliteratur<\/h3>\n<p>In \u201eKitsch und Tod\u201c beschrieb Saul Friedl\u00e4nder 1984 die Faszination am Nazismus durch eine (vermeintliche) Gegens\u00e4tzlichkeit:<br \/>\n\u201e[&#8230;] dem Hitler der Vergangenheit und dem Hitler, wie er heute gesehen wird, den historischen Fakten und der retrospektiven Interpretation, den wirklichen Ereignissen und ihrer \u00c4sthetisierung und, nicht zuletzt, mit dem \u201ahumanen Menschen\u2018, der durchaus f\u00fcr sich einzunehmen wei\u00df, mit dem Biedermann in seiner Welt aus Kitsch, und der blinden Energie, die alles vernichtet.\u201c 1 Kitsch als Moment des Eigenbr\u00f6dler- und Spie\u00dfertums, archetypisch am Deutschen, beschrieb auch Hannah Arendt in \u201eBanalit\u00e4t des B\u00f6sen\u201c 2 , welche Adolf Eichmann verk\u00f6rpere.<br \/>\nAm 11. April begann, am 15. Dezember 1961 endete der Prozess gegen Adolf Eichmann mit der \u2013 als bisher einziger Delinquent in Israel \u2013 Verurteilung zum Tode. Er wurde am 1. Juni 1962 geh\u00e4ngt. Dreizehn Jahre nach der Gr\u00fcndung des Staates Israel trat erstmalig die traumatische Erfahrung der Shoah in die israelische \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Doch begann der Prozess der Erinnerung an die Shoah nicht nur legal mit dem Eichmann-Prozess durch Zeugenaussagen vor Gericht, sondern w\u00e4hrend dieser Zeit auch verfemt von jugendlichen Nachkommen der \u00dcberlebenden in Gestalt pornographischer Groschenromane, der Stalags. Alle Stalags, angelehnt an die Bezeichnung der Kriegsgefangenenlager<br \/>\n\u201eStammlager\u201c, einte eine Handlungslinie, welche in immer der selben Art und Weise vom Trauma abstrahierte und damit Stalags mehr als nur zu obsz\u00f6ner Pornographie machte.<\/p>\n<p>Stalags galten als erste, leicht zu erwerbende Pornographie in den 60er Jahren Israels. Die Geschichten handelten von amerikanischen oder britischen Piloten, welche von Deutschen in Gefangenschaft genommen und von vollbusigen SS-Aufseherinnen gefoltert und sexuell missbraucht wurden. Den Protagonisten gelang ihre Befreiung und sie r\u00e4chten sich mit denselben<br \/>\nMitteln an ihren Foltererinnen. Das Genre der Sadiconazista ist in der Schundromanliteratur in den 60er, filmisch in den 70er Jahren in Italien bekannt geworden. Filme wie \u201ePortiere di notte\u201c und \u201eL\u2018Ultima Orgia della Gestapo\u201c sind hierf\u00fcr als Beispiel zu nennen. Auch aktuelle Produktionen, wie beispielsweise \u201eInglorious Basterds\u201c, lassen sich durch einige Merkmale in das Genre einfassen, wenn auch im Vergleich zu klassischen Sadiconazista mit nur schwach ausgepr\u00e4gte sexuelle Referenzen, durch den Fu\u00dffetisch Tarantinos 3 (Hans Landa und der verlorene Schuh Brigitte von Hammersmarks). Das rei\u00dferische Rachemotiv (der B\u00e4renjude und femme fatale Emanuelle Mimieux), mit dem sich die Zuschauerschaft gesellschaftlich vertr\u00e4glich fasziniert identifizieren kann und die damit einhergehende Enthistorisierung sind f\u00fcr das Genre konstitutiv.<br \/>\nNeben neurotischen Despoten und sexualisierten SS-Aufseherinnen erscheint wichtig, die Figuren der passiven Opfer sowie die der Kapos, der Handlanger, auf die ich sp\u00e4ter noch zur\u00fcckkommen werde, anzuf\u00fchren. Die passiven Opfer sind dabei Figuren, die gefoltert und ermordet werden und beliebig ersetzbar sind. 4 Die Kapos hingegen, einst selbst Opfer, sind als zwischen Kitsch und Vernichtung verhaftete SS-M\u00e4nner dargestellt, die \u201e[&#8230;] Klavierst\u00fccke aus dem Repertoire der deutschen Klassik [spielen], w\u00e4hrend nebenan vielleicht gefoltert wird\u201c. 5<\/p>\n<h3>Neuer Jude, neuer Staat: Zur Krise der M\u00e4nnlichkeit und nationalen Identit\u00e4t<\/h3>\n<p>Als Vorbild der Stalags fungierten amerikanische M\u00e4nnermagazine der sp\u00e4ten 1950er Jahre 6 , deren Inhalte im Zuge des Beginns der Zweiten Welle der Frauenewegung 7 sich vom sexistischen<br \/>\nGrundmotiv der Frau in Bedr\u00e4ngnis &#8211; eines vom Mann heroisch begangenen abenteuerlichen Weges zur Rettung des Dummchens aus der Patsche &#8211; zum misogynen Ressentiment offenbarte. In der realen Angst vor der sexuell befreiten Frau schuf sich, textlich und stark bebildert, das Motiv der Bestrafung der Frau als Verf\u00fchrerin und Monade autonomer Sexualit\u00e4t im neuen Genre der \u201eFolterromane\u201c. 8 In \u201eStalag 13\u201c ist der Protagonist des Romans Mike Baden das Portr\u00e4t des Machismo, der, trotz Niederschuss der Franzosen in der Normandie, sich im feindlichen Gebiet behaupten k\u00f6nne, bis er von einem ans\u00e4ssigen Bauern verraten wird: \u201e[he] arrives at the camp, all without losing his poise.\u201c 9<br \/>\nDie Shoah, das Unaussprechliche, umkreiste als Tabu die Nachkommen der \u00dcberlebenden insofern, als dass das Erwachsenwerden untrennbar mit dem Beweis des \u00dcberlebens verbunden ist 10 , sodass das zionistische Identit\u00e4tsmoment eines neuen Juden in der gedanklichen Figur des Sabra als Leitkultur fungierte 11 : als ein Jude, der sich trotz allumgebender Feindschaft dennoch aufrichtig am Leben hat halten k\u00f6nnen und nach der Alija 12 in <em>Eretz Israel<\/em> seine Wurzeln wieder schlug. Ein Sabra ist stolz, wehrhaft und m\u00e4nnlich.<\/p>\n<p>Yehiel Feiner ver\u00f6ffentlichte unter dem Pseudonym <em>Ka-Tzetnik 135633<\/em>[13] den semi-autobiografischen Roman \u201eThe House of Dolls\u201c (\u201eFreudenhaus\u201c), welcher von eigen ausgewiesenen Baracken handelte, in denen in erster Linie J\u00fcdinnen zum Sex gezwungen wurden. Sein Roman wurde teilweise als \u201eunzul\u00e4ssige Holocaustliteratur\u201c ge\u00e4chtet, da die einzig zul\u00e4ssige eine halbfiktionale sei, in der die Handlung durch heldenhaften Widerstand und Aufopferung gekennzeichnet ist. 14 Die Metapher des Sabra ist als Symbol des Zionismus zu deuten, der im offenen Widerspruch zum Imperialismus steht: \u201eSabra\u201c tr\u00e4gt in sich das Moment des Zwangs, sich gegen die existenzielle Bedrohung in der Menschheitsgeschichte und in der Geschichte der Zivilisation wehren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das erste Stalagheft wurde 80.000 Mal verkauft 15 \u2013 die Leserschaft setzte sich vor allem aus m\u00e4nnlichen und heterosexuellen Nachkommen Holocaust\u00fcberlebender zusammen. 16 Nur wenige Jahre nach der Staatsgr\u00fcndung lag mit der Suezkrise 1956 die letzte milit\u00e4rische Auseinandersetzung mit einem direkten arabischen Nachbarstaat zur\u00fcck. Die permanente Bedrohung und die dadurch entstandene Zerrissenheit spiegelt sich auch in der Gesetzgebung wider: der \u00f6ffentliche Skandal an den Stalag war nicht etwa die Beschreibung und Darstellung nazistischer Bilder in der Pornographie, sondern der pornographische Anteil selbst. 17 So wurde der wohl mit Abstand skandal\u00f6seste aller Stalags \u201eIch war Oberst Schultzes H\u00fcndin\u201c 1962 aufgrund der obsz\u00f6nen sexuellen Darstellungen als einziger gerichtlich angeordnet verboten und der Autor mit der H\u00f6chststrafe von drei Monaten verurteilt. 18 Der israelische Rechtskreis lehnt sich am common law, eine Remineszenz des britischen Mandats, an und umfasst daher auch die praktisch-judikative \u00d6ffnung zum Pr\u00e4zedenzfall. Doch galt dieses Verbot nicht als ein Referenzpunkt f\u00fcr sp\u00e4tere richterliche Urteile, sondern die Produktion wurde mit der Hinrichtung Eichmanns Mitte 1962 so gut wie komplett eingestellt: \u201eIhr Verschwinden zeigt mehr eine Verlagerung vom Kollektiven in das Private\u201c. 19 Das Erscheinen von Stalags, ihrer Gleichzeitigkeit zum Eichmann-Prozess und die Vergangenheit ihres Gegenstands m\u00fcssen daher als Moment des zerrissenen Bewusstseins und des Traumas der Shoah verstanden werden; als versuchter Bruch des famili\u00e4ren Schweigens \u00fcber das Unaussprechliche.<\/p>\n<h3>Tagtraum Pornographie, Trauma Shoah: Zur Differenz von Erotik und Perversion<\/h3>\n<p>Eli Keidar, Autor der ersten Stalags und Konsument, beschreibt in einem Interview mit dem Regisseur Ari Libsker seine Nervosit\u00e4t, einhergehend mit somatischen Symptomen, wenn er bei\u00a0 seinen Eltern weilte: \u201eJeden zweiten Tag glaubte meine Mutter, dass sie oder ich sterben w\u00fcrde\u201c. Er berichtet ebenfalls, dass, wann immer sie diskutierten, die Mutter sich bedroht sah zu sterben und ihm daf\u00fcr die Schuld gab. 20 Keidar steht stellvertretend f\u00fcr eine Generation der Symptomtr\u00e4ger 21 der Kinder \u00dcberlebender, die durch den Konsum der Stalags \u201eein Drehbuch agieren, das nicht ihr eigenes, sondern in Wahrheit Teil der Geschichte ihrer Familien und insbesondere jener Angeh\u00f6rigen ist, die den Holocaust \u00fcberlebt hatten\u201c. 22<\/p>\n<p>In der Psychoanalyse l\u00e4sst sich die Pornographie zu den Tagtr\u00e4umen z\u00e4hlen, die der \u201eBefriedigungen ehrgeiziger, gro\u00dfs\u00fcchtiger, erotischer W\u00fcnsche [dienen], die um so \u00fcppiger gedeihen, je mehr die Wirklichkeit zur Bescheidung oder zur Geduldung mahnt.\u201c 23 Die Einbettung dieser Sehns\u00fcchte im Stalag zur Vermeidung einer Retraumatisierung erm\u00f6glicht hierbei eine sekund\u00e4re Bearbeitung des Traumas. Der realhistorische Bezug durch die Darstellungen des Lagers und die meist englischen Pseudonyme der Autoren zum Eindruck einer nicht zu nah an der Realit\u00e4t<br \/>\nerinnernden Authentizit\u00e4t offenbart sich &#8211; durch eine Verfremdung und Entstellung des individuellen Leides 24 &#8211; der Bezug auf die Judenvernichtung, ohne dass die Darstellungsfiguren J\u00fcdinnen oder Juden sein m\u00fcssten. \u201eUm im Dienste eines lustvollen Erlebens einstiger Traumatisierung zu stehen, bedarf es in der Pornographie gewisser Rollenkonstellationen [&#8230;]: Neben<br \/>\nder Rolle des Voyeurs in der sich der Konsument befindet, spielen Sadismus und Masochismus als Identifikationsangebote eine Rolle\u201c. 25<\/p>\n<p>Der Psychoanalytiker Robert Stoller beschreibt 1979 die Perversion als ein neurotisches Moment, dessen Rachebed\u00fcrfnis aus der Frustration im \u00f6dipalen Konflikt entspringe. Zu betonen ist hier, dass sich nach Stoller als \u201apervers\u2018 nicht alles Abweichende zu verstehen ist, sondern erst, wenn \u201edie Wahl des Objekts [&#8230;] dem Wunsch entspringt, dem Objekt zu schaden, und als ein Racheakt empfunden wird\u201c. 26 F\u00fcr den Traumatisierten und f\u00fcr die Traumatisierte gelten daher in der Regel zwei fragmentierte Introjekte, die sich in ihnen wiederfinden: das verfolgte Introjekt und das T\u00e4terintrojekt. 27 S\u00e1ndor Ferenczi pr\u00e4gte den zur Projektion symmetrischen Begriff der Introjektion, eine psychische Operation der Einverleibung eines Objektes in das seelische Innere. Der prim\u00e4re Narzissmus des Fr\u00fchkindlichen w\u00fcrde damit gebrochen, indem das Kind realisiert, dass es nicht mit seiner Mutter eins ist. \u201eIm Grunde genommen kann der Mensch eben nur sich<br \/>\nselbst lieben; liebt er ein Objekt, so nimmt er es in sein Ich auf \u201c 28 und erm\u00f6gliche eine identifikatorische Assimilation des Introjektes als Bereicherung. 29 Einverleibung bedeutet jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig die Integration in das Ich: der Wiederholungszwang des \u00adTraumas wird sekund\u00e4r bearbeitet und verbleibt damit eben nicht in das Ich integriert, sondern existiert im Subjekt als eine innere Realit\u00e4t, die durch die Motive in den Stalags szenisch reinszeniert wird. 30<\/p>\n<p>Die Introjektion des Angreifers oder die Identifikation mit dem Aggressor, die \u201ew\u00e4hrend der Traumatisierung als einzige Quelle narzisstischer Zufuhr\u201c 31 diente, erf\u00fcllt hier eine Doppelfunktion. Die Figur des Kapos decke sich \u201emit den inneren Anklagen der Opfer, die sich schuldig f\u00fchlen f\u00fcr die positiven Gef\u00fchle gegen\u00fcber den T\u00e4tern und ihrem introjizierten Strafbed\u00fcrfnis\u201c. 32 In diesem Sinne ist das Schl\u00fcsselmoment von Trauma zu Perversion die Rachephantasie: In der Perversion liegt \u201eein phantasierter Racheakt zugunde, in dem sich die sexuelle Lebensgeschichte des Betreffenden verdichtet \u2013 seine Erinnerungen und Phantasien, Traumen, Frustrationen und Freuden\u201c. 33 Perversion ist die erotische Form von Hass. Die Geschlechterinversion von den vormeist T\u00e4ter-M\u00e4nnern der Realit\u00e4t werden nun Frauen in der Phantasie, welche bewirkt, \u201edass die sexuellen N\u00f6tigungen durch den Verlust des Phallus und das Ausbleiben der Penetration von den zumeist heterosexuell ausgerichteten m\u00e4nnlichen Konsumenten als weniger bedrohlich erlebt werden\u201c 34 . W\u00e4hrend der neurotische Despot als Zerrbild der T\u00e4ter dargestellt wird, bietet die verf\u00fchrerische SS-Offizierin eine Figur an, die den \u201eaus narzisstischer Not \u201ageliebte[n] T\u00e4ter\u2018\u201c 35 chiffriert und legt somit das verinnerlichte Gegengewicht zu den stummen Nebenerscheinungen der Figuren ermordeter Mith\u00e4ftlinge, den \u201eRepr\u00e4sentanten der \u00dcberlebensschuld\u201c. 36<\/p>\n<p>Die Bearbeitung der inneren Realit\u00e4t durch szenische Reinszenierung zeigt sich daher in den Stalags in der konkretistischen Form mit dem Schauplatz des Lagers als geschlossener Kosmos von Autorit\u00e4t; mit den verflachten Charakteren der T\u00e4ter und Opfer: die Figuren in den Stalagromanen sind eindimensional, engstirnig und rachs\u00fcchtig \u2013 sie sind Abw\u00fcrfe einer Zwangsphantasie, in der gef\u00fchlt werden kann, was nicht mehr gedacht werden darf. So flach wie die Charaktere der Figuren der Stalags sind, so unfassbar ist die Judenvernichtung. Erst durch die Inszenierung des Gerichtsprozesses, \u201e[&#8230;] durch das Engagieren amerikanischer Filmteams zu Dokumentationszwecken, den Umbau eines Theaters zum Gerichtssaal und den untypischen Einstellungen der Kamera, die die Reaktionen des Verhandlungspublikums einfingen\u201c 37 , konnte Eichmann \u00fcberhaupt \u201eder Prozess gemacht\u201c werden. Bis kurz vor seiner eigenen Hinrichtung, f\u00fcr die<br \/>\nEichmann sich weigerte, eine Augenbinde zu tragen, 38 versprach er im Tode die Judenvernichtung erfolgreich zu beenden: \u201eIn einem kurzen Weilchen, meine Herren, sehen wir uns ohnehin alle wieder.\u201c<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDas perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der Gemarterte zu br\u00fcllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz lie\u00dfe sich kein Gedicht mehr schreiben. Nicht falsch aber ist die minder kulturelle Frage, ob nach Auschwitz noch sich leben lasse, ob vollends es d\u00fcrfe, wer zuf\u00e4llig entrann und rechtens h\u00e4tte umgebracht werden m\u00fcssen.\u201c<\/em><br \/>\n&#8211; &#8211; Theodor W. Adorno, in: Negative Dialektik<\/p><\/blockquote>\n<h3>Fu\u00dfnoten<\/h3>\n<p>1: Saul Friedl\u00e4nder: Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus. Frankfurt\/M: Fischer, 2007. S. 75<\/p>\n<p>2: Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem.<br \/>\nEin Bericht von der Banalit\u00e4t des<br \/>\nB\u00f6sen. M\u00fcnchen: Piper, 2011<br \/>\n2<br \/>\nDie zahlreichen Szenen der vielen Fil-<br \/>\nme Tarantinos, f\u00fcr alle die sich Ta-<br \/>\nrantino offen zum Fu\u00dffetischismus<br \/>\nbekennen w\u00fcrde, hier aufzuz\u00e4hlen,<br \/>\nw\u00fcrde den Rahmen v\u00f6llig sprengen.<br \/>\n3<br \/>\nMarcus Stiglegger: Nazi-Chic und<br \/>\nNazi-Trash. Faschistische \u00c4sthetik in<br \/>\nder popul\u00e4ren Kultur. Berlin: Bertz &amp;<br \/>\nFischer, 2011, S. 32<br \/>\n4<br \/>\nRolf Grimminger: Terror in der Kunst.<br \/>\nIn: Merkur 2\/1998, S. 116-127<br \/>\n5<br \/>\nAmit Pinchevski &amp; Roy Brand: Holocaust<br \/>\nPerversions: The Stalags Pulp Fiction and<br \/>\nthe Eichmann Trial. In: Critical Studies<br \/>\nin Media Communication. Vol. 24, No. 5,<br \/>\nDecember 2007, pp. 387-407, S. 391<br \/>\n6<br \/>\nF\u00fcr den Beginn der Zweiten Welle<br \/>\nder Frauenbewegung in den USA ist<br \/>\ndie Executive Order zur Presidenti-<br \/>\nal Commission on the Status of Women<br \/>\nals zeitliche Z\u00e4sur zu verstehen. Diese<br \/>\nExecutive Order st\u00fctzt sich dabei auf den<br \/>\nunratifizierten, aber inhaltlich verkehrs-<br \/>\nf\u00e4higen Verfassungszusatz zur recht-<br \/>\nlichen Gleichstellung der Frau.<br \/>\n7<br \/>\n8 Pinchevski &amp; Brand, 2007: S. 391<br \/>\n9 Pinchevski &amp; Brand, 2007: S. 394<br \/>\nPinchevski &amp; Brand, 2007: S. 388<\/p>\n<p>11<br \/>\nJasmin Bleimling &amp; Adrian Kind:<br \/>\nStalag Holocaust-Pornographie. Eine psy-<br \/>\nchoanalytische Betrachtung der Trans-<br \/>\nformationen des Traumas im Schatten<br \/>\ndes Eichmann-Prozesses in den 1960er<br \/>\nJahren in Israel. In: Psychosozial: Um-<br \/>\nk\u00e4mpfte Psyche \u2013 Zur Rekontextuali-<br \/>\nsierung phsychischen Leids. 38. Jahr-<br \/>\ngang, Nr. 142, 2015, Seite 71-83, S. 81<br \/>\n\u201eAlija\u201c bezeichnet im Judentum<br \/>\ndie R\u00fcckkehr in das Gelobte Land.<br \/>\n12<br \/>\n\u201eKa-Tzetnik\u201c steht als phonetisch aus-<br \/>\ngeschriebene, am Hebr\u00e4ischen angelehn-<br \/>\nte Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u201eInhaftierter des KZ\u201c.<br \/>\n135633 war Feiners H\u00e4ftlingsnummer.<br \/>\n13<br \/>\n14 Pinchevski &amp; Brand, 2007: S. 393<br \/>\n15 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 72<br \/>\n16 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 75<br \/>\n17 Pinchevski &amp; Brand, 2007: S. 390<br \/>\n18 Ebd.<br \/>\n19 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 81<br \/>\nPornographie und Holocaust (2008,<br \/>\nRegie: Ari Libsker)<br \/>\n20<br \/>\n21<br \/>\nBleimling &amp; Kind, 2015: S. 77<br \/>\nYolanda Gampel: Eine Tochter des<br \/>\nSchweigens. S. 147 In: Bergmann,<br \/>\nJucovy &amp; Kestenberg (Hrsg.), Kinder der<br \/>\nOpfer, Kinder der T\u00e4ter. Psychoanalyse<br \/>\nund Holocaust (S. 147-172). Frankfurt\/M.:<br \/>\nFischer.<br \/>\nFreud beschrieb in Jenseits des Lust-<br \/>\nprinzips den unbewussten Auftrieb des<br \/>\nWiderholungszwanges eines Traumas in<br \/>\nein Wiedererleben des Verdr\u00e4ngten. Die<br \/>\nReinszenierung unverarbeiteter und in<br \/>\nder Wiederkehr aufscheinender Traumata<br \/>\nund der dadurch entstehende Widerstand<br \/>\nist ein zentrales Moment in der psycho-<br \/>\nanalytischen Praxis: Widerstand und<br \/>\n\u00dcbertragung als psychische Operationen<br \/>\nsind Gegenstand des Analytiker-Analysa-<br \/>\nnd-Verh\u00e4ltnisses. Die szenische Reinsze-<br \/>\nnierung beschreibt hier die Wiederkehr<br \/>\ndes Verdr\u00e4ngten \u00fcber den Konsum von<br \/>\nStalags, also auf ein nicht zur G\u00e4nze und<br \/>\ndamit nur sekund\u00e4r zu bearbeitendes<br \/>\nTrauma, da es nicht verbal, sondern nur<br \/>\nphantastisch, in einer inneren Realit\u00e4t,<br \/>\n\u201eagiert\u201c wird &#8211; wenn davon denn hier noch<br \/>\ndie Rede sein darf, was zu bezweifeln ist.<br \/>\n30<br \/>\nIlse Grubrich-Simitis (1979): Extrem-<br \/>\ntraumatisierung als kumulatives Trauma.<br \/>\nPsychoanalytische Studien \u00fcber seelische<br \/>\nNachwirkungen der Konzentrationslager-<br \/>\nhaft bei \u00dcberlebenden und ihren Kindern.<br \/>\nPsyche, 33. Jahrgang, 991-1023, zitiert<br \/>\nnach Bleimlinger &amp; Kind, S. 75<br \/>\n31<br \/>\n32 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 80<br \/>\n33 Stoller, 1998: S. 94<br \/>\n34 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 81<br \/>\n35 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 80<br \/>\n36 Ebd.<br \/>\n37 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 74<br \/>\n22<br \/>\nSigmund Freud:(1916-17a). Vorlesun-<br \/>\ngen zur Einf\u00fchrung in die Psychoanalyse.<br \/>\nGW XI<br \/>\n23<br \/>\n24 Bleimling &amp; Kind, 2015: S. 78<br \/>\n25 Ebd.<br \/>\nDer Spiegel 23\/1962, http:\/\/www.spiegel.<br \/>\nde\/spiegel\/print\/d-45140452.html [zuletzt<br \/>\nam 8.5.2017]<br \/>\n38<br \/>\nRobert J. Stoller: Perversion. Die eroti-<br \/>\nsche Form von Ha\u00df. Gie\u00dfen: Psychosozial.<br \/>\n1998, S. 28<br \/>\n26<br \/>\n27<br \/>\nBleimling &amp; Kind, 2015: S. 76<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Verh\u00e4ltnis von Pornographie und Shoah. \u201eFor an Israeli child in the 1960s, these are Jews. 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