{"id":754,"date":"2020-11-30T19:02:55","date_gmt":"2020-11-30T18:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fv-gewi.at\/gezeit\/?p=754"},"modified":"2020-11-30T19:13:20","modified_gmt":"2020-11-30T18:13:20","slug":"spaziergang-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewi.bagru.at\/gezeit\/archiv\/2020\/spaziergang-corona\/","title":{"rendered":"Ein Spaziergang durch die Corona-Gesellschaft oder warum wir eine befreite Gesellschaft brauchen."},"content":{"rendered":"\n<p>In den letzten Wochen sind viele Gedanken durch meinen Kopf gewandert &#8211; zur Gesellschaft, dazu, wie diese mit kranken Menschen umgeht, zu meinem eigenen Verhalten und zu meinen \u00c4ngsten. Viele versuchen sich im Moment noch an die Corona-Regeln zu halten, oft mit der guten Absicht, den Virus nicht weiter zu verbreiten. Allerdings fast genauso oft recht gedankenlos. Andere haben <em>auf-<\/em> und dem Wunsch nach Alltag <em>nach<\/em>gegeben oder sich vielleicht auch nie an Abst\u00e4nde und dergleichen gehalten. Vielleicht haben sie gr\u00f6\u00dfere, dringlichere Probleme. Vielleicht haben sie solche Angst, dass sie Corona als Ganzes verdr\u00e4ngen. Das l\u00e4sst sich schwer sagen, ohne ins Gespr\u00e4ch zu kommen, aber gerade das f\u00e4llt mir schwer im Moment. Also versuche ich hier einige Gedanken zu teilen und so vielleicht andere zu Gespr\u00e4chen zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Du musst drau\u00dfen bleiben!<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nach und nach wurden immer mehr Gesch\u00e4fte ge\u00f6ffnet, und im gleichen Ausma\u00df nahmen die Schilder zu, die an ihren T\u00fcren h\u00e4ngen. Vor dem Supermarkt werden nun gro\u00dfe Tafeln aufgeh\u00e4ngt, wer Fieber hat, Husten, Schnupfen oder schlecht Luft bekommt darf nicht hinein, auch, wer sich unwohl f\u00fchlt. Ich bleibe kurz stehen. Luft bekomme ich nie so richtig gut, meine Nase ist immer zu und Husten habe ich auch nicht selten. Soll ich trotzdem rein gehen? Wer hat dieses Schild wohl gemacht? Kennt die Person keine anderen Krankheiten als Corona? Ich ziehe die Maske \u00fcber und gehe hinein. Ein Kratzen im Hals beginnt. Ich will nicht husten. Will nicht, dass mich alle skeptisch anstarren. Dabei schaue ich genauso, wenn andere husten. Warum nur? Habe ich solche Angst vor dem Virus, dass ich andere ablehne, die ihn haben k\u00f6nnten? Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn alle misstrauisch sind und es zur Ausgrenzung von erkrankten Menschen kommt?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Komm mir bitte nicht zu nah!<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Eine Frau beginnt einen Gang weiter herumzuschimpfen, eine andere Person ist ihr zu nahe gekommen. In meinem Kopf k\u00e4mpfen zwei Seiten. Eine, die sich selbst \u00fcber all die Menschen \u00e4rgert, die grunds\u00e4tzlich zu nahe kommen und eine, die dieses Klima nicht mag und sich w\u00fcnscht, dass sich Menschen wieder entspannt und frei begegnen k\u00f6nnen. Dann kommen wieder die Stimmen von all den Menschen und \u00c4rzt*innen, die mir immer wieder gesagt haben: \u201eDu musst aufpassen! Du bist Risikogruppe! Du musst Abstand halten! Es ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr dich!\u201c Diese Stimmen h\u00f6re nicht nur ich, sondern viele, und viele sind verunsichert und ich kann auch gut verstehen, dass eine*n das gereizt machen kann, und dass es Angst macht, so wenig zu wissen und dabei so viel zu \u201em\u00fcssen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wer ist f\u00fcr wen verantwortlich?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Also versuche ich, brav Abstand zu halten, zu den anderen Menschen, die einkaufen, zu jenen, die an mir vor\u00fcbergehen, und zu allen, die dort arbeiten m\u00fcssen. Warum bin ich brav? Warum sind pl\u00f6tzlich so viele \u201ebrav\u201c, die sich sonst das Widerst\u00e4ndige auf die Fahnen heften? In einer Krise sollen Menschen zusammenhalten. Aber wer h\u00e4lt hier zusammen, und entstehen dadurch nicht auch immer auch Ausschl\u00fcsse? Ist es nicht gerade jetzt wichtig, an den richtigen Stellen Kritik zu \u00fcben? Sich f\u00fcr jene einzusetzen, denen es mehr Kraft kostet? Grenzen werden geschlossen, Altersheime d\u00fcrfen nicht betreten werden, und alle, die zur Risikogruppe z\u00e4hlen k\u00f6nnten sollen lieber gemieden werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Selbst- oder Fremdbestimmung?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Meine Oma rufe ich jetzt \u00f6fter an, auch meine Mama und viele meiner Freund*innen. Zum einen, weil diese alleine sind, aber auch, weil ich sie vermisse. Weil jetzt pl\u00f6tzlich viel Abstand zwischen uns liegt &#8211; da, wo Grenzen sind, scheinen sie tats\u00e4chlich un\u00fcberwindbar, und dort, wo keine sind, wirkt alles trotzdem pl\u00f6tzlich sehr weit weg. Meine Oma freut sich \u00fcber die Anrufe, und sie \u00e4rgert sich, dass sie nicht gefragt wird, ob sie das Risiko von Corona eingehen will: \u201eIch sterbe sowieso in den n\u00e4chsten ein bis f\u00fcnf Jahren, da will ich Menschen sehen! Mir ist egal, ob ich Corona bekomme, aber mir ist nicht egal, ob ich einsam bin in dem bisschen Zeit, die ich noch habe!\u201c Mit dieser Meinung ist sie wohl nicht allein. Hier ist die M\u00f6glichkeit zu einem selbstbestimmten Leben gefordert, aber daf\u00fcr fehlen oft die Strukturen &#8211; Altersheime sind daf\u00fcr unzureichend eingerichtet. Das gilt jedoch vermutlich f\u00fcr viele Einrichtungen, in denen Menschen gemeinsam leben. Selbst WGs stellt die Situation vor gro\u00dfe Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was kann ich von anderen verlangen?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nehmen wir an, in einer 5er-WG lebt eine Person, die zur Risikogruppe z\u00e4hlt und vier Personen, die zu jung und gesund sind, um sich zu \u00e4ngstigen. Welche Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen eingefordert werden? Was ist zu viel verlangt? Schon bei einer Zweier-Wohnsituation kommen diese Fragen auf. Was ist, wenn eine*r arbeiten muss? Wie kann mit gegens\u00e4tzlichen Bed\u00fcrfnissen umgegangen werden? Eine Person h\u00e4lt es nicht mehr aus, Freund*innen oder Familie nicht zu sehen und eine andere hat Angst vor jedem Kontakt und will sich zur\u00fcckziehen. Sicher macht es Sinn, immer wieder miteinander zu sprechen, aber gerade, wenn es um Einschr\u00e4nkungen anderer geht, ist genau das oft schwer. Jetzt ist es wohl Zeit, langsam immer mehr Menschen zu sehen, aber auch da braucht es f\u00fcr mich (pers\u00f6nlich?Anm. mm) Regeln, um diese Begegnungen auch genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie sage ich das blo\u00df?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Es ist f\u00fcr mich nicht leicht, Menschen, die ich sehr mag, nicht zu umarmen und von ihnen das gleiche zu verlangen. Es f\u00fchlt sich auch seltsam an, dass ich allen ein eigenes Handtuch gebe, die Flasche nicht teile und nicht zu nah sitzen will. Trotzdem brauche ich diese Verhaltensregeln jetzt noch, um mich mit anderen wohl zu f\u00fchlen. Manche sind von selbst aus achtsam, vielleicht, weil ihnen der Abstand auch ganz recht ist, oder weil sie dar\u00fcber nachgedacht haben, oder weil sie Angst haben, mich anzustecken. Manchmal auch, weil wir dar\u00fcber geredet haben. Gerade bei nicht so engen Freund*innen f\u00e4llt mir das Dar\u00fcber-Reden aber schwer. Weil es sehr pers\u00f6nlich ist, weil ich sagen muss, dass ich chronisch krank bin, weil ich Angst habe, dass sie mich f\u00fcr ein bisschen verr\u00fcckt halten und weil ich grunds\u00e4tzlich ungern etwas einfordere.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Abstand<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Allerdings ist es auch so, dass ich zu Menschen, die wenig auf die allgemein empfohlenen Regeln achten, mehr Abstand brauche, und dort ist es dann umso schwerer, diesen auch einzufordern. Denn w\u00fcrden sie es genauso sehen oder f\u00fcr sinnvoll halten, w\u00fcrden sie sich ja ohnehin daran halten. Ich muss also etwas fordern, das sie f\u00fcr nicht so wichtig oder gar f\u00fcr sinnlos halten. Ich muss allerdings auch sehen, dass ich einen Vorteil habe, da ich in einer Beziehung bin, mit der ich auch zusammen wohne. Ich habe N\u00e4he und ich habe Ber\u00fchrung und beides fehlt gerade vielen. Da ist es dann auch verst\u00e4ndlich, nicht immer zu allen Abstand halten zu k\u00f6nnen. Manchen Menschen f\u00e4llt es au\u00dferdem immer schwerer als anderen, das richtige Ma\u00df an Distanz zu finden. Was hei\u00dft das aber jetzt f\u00fcr mich? Diese Menschen einfach gar nicht zu sehen ist auch keine befriedigende L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zur Einheit werden.<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Viele WGs, Paare und Familien sind durch die Ausgangssperren, Abstandsregeln etc. zwangsweise st\u00e4rker zu einer Einheit geworden. Wenn es gut l\u00e4uft, dann hei\u00dft das, dass gut abgesprochen und gemeinsam entschieden werden kann, wie agiert wird, und dass Zeit da ist, sich miteinander zu besch\u00e4ftigen und einen gemeinsamen Weg zu finden. Es hei\u00dft aber auch, dass Beziehungen und Familien einen h\u00f6heren Stellenwert bekommen, da ich mich entscheiden muss, wen ich sehe und mit wem ich wohne. Ich stelle mir aber vor, dass es der reine Horror ist, wenn hier eine Zwangsgemeinschaft entsteht mit Menschen, mit denen es bereits vorher schwierig war. Stell dir mal vor, du wolltest dich gerade trennen von dein*er Partner*in, mit der du zusammenwohnst, und dann kommen die Ausgangsbesch\u00e4nkungen und keine*r kann weg und ihr sitzt gemeinsam in der Wohnung fest. Oder mit Eltern, denen du sonst m\u00f6glichst viel aus dem Weg gegangen bist, weil sie dir nicht guttun. Auch die angestiegenen Zahlen bei Gewalt gegen Frauen weisen darauf hin. Unter Krisenbedingungen mit Ungewissheit, Unsicherheit und mit mangelndem Ausgang spitzt sich hier sicher vieles zu. Dazu kommt noch, dass gerade M\u00e4nner oftmals nicht gut gelernt haben, mit Stress und Konflikten umzugehen. Wie kann ich hier helfen? Wie kann ich diejenigen st\u00e4rken, die es gerade brauchen?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum f\u00e4llt mir die Decke nicht auf den Kopf?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen haben meine Kolleg*innen Tipps ausgetauscht, wie sie sich besch\u00e4ftigen k\u00f6nnten: Sport zu Hause, einmal am Tag spazieren gehen, Online-Vortr\u00e4ge besuchen, usw\u2026 In meinem Freund*innenkreis wurden Serientipps weitergereicht, und dennoch hab ich einfach nichts davon geschafft. Meine Tage waren weiterhin so voll wie immer, nur, dass ich eben von zu Hause aus gearbeitet habe, das Abendessen mit der Familie \u00fcber Skype stattfand und ich keine Helfer*innen f\u00fcr meinen Umzug und die Renovierung der Wohnung hatte. Meine Tage sind nach wie vor so voll, dass es mir nicht schadet, wenn ich nicht auch noch ins Kino, zu einer Ausstellung oder einem Vortrag gehe. Zumindest f\u00fcr eine gewisse Zeit tut das sogar ganz gut. Auf Dauer sicher nicht. Auch den Freund*innen mit kleineren Kindern wurde absolut nicht langweilig. Sie waren ganz im Gegenteil vollkommen \u00fcberlastet, weil Home-Office mit ein bis drei Kindern einfach unm\u00f6glich ist und weil jegliche Unterst\u00fctzung weggefallen ist. Weder Freund*innen und Familie noch Kindergarten oder Schule konnten hier etwas \u00fcbernehmen. Wie kann auch unter solchen Bedingungen Last besser verteilt werden? Macht es Sinn, sich zu widersetzen und die Kinder den Freund*innen abzunehmen und\/oder diese einfach trotzdem zu sehen?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Privater Raum<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Gl\u00fcck, das ich habe, ist ausreichend Wohnraum. Ich kann mich, seit meinem Umzug, zur\u00fcckziehen, habe einen Platz f\u00fcr Home-Office mit Videokonferenzen und einen Balkon zum Luft holen. Balkone sind in Wien schon selten, aber auch der Wohnraum ist f\u00fcr viele sehr beengt, und da ist dann nicht nur das Arbeiten schwer, sondern genauso, hin und wieder auf Distanz zu gehen. Wenn die Arbeit, Uni, Schule etc. jetzt auch zu Hause stattfindet, ist das Abgrenzen auch von diesen T\u00e4tigkeiten umso schwerer. In WGs und Familien wird der Kampf um unterschiedliche Ruhebed\u00fcrfnisse mehr ausbrechen. Ganz schwierig wird es wohl f\u00fcr diejenigen, die keinen richtigen Wohnort haben, die sonst bei Freund*innen unterkommen, an wechselnden Pl\u00e4tzen schlafen oder auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ruhezeit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nur wer einen geeigneten Ort hat, kann sich dort auch ausruhen, kann die Zeit \u201ezu Hause\u201c genie\u00dfen. Nur wer genug Unterst\u00fctzung hat, kann sich wohlf\u00fchlen. Durchaus aufgeatmet haben jene Freund*innen, die eigentlich ganz gerne alleine sind, die die es ohnehin als Stress empfinden, zu viel raus zu m\u00fcssen, bzw. diejenigen, die ein sicheres Einkommen haben und nicht von der Angst \u00fcberfordert wurden &#8211; diese konnten durchaus ausruhen. Ich bin \u00fcber einen spannenden Artikel von Julia Pfligl im <em>Kurier<\/em> gestolpert, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Unter dem Titel \u201eFear of going out: Die neue Angst vor dem alten Leben\u201c beschreibt sie, wie die Angst etwas zu verpassen in die Angst vor dem Rausgehen umschl\u00e4gt. Die feministische Kulturwissenschaftlerin Beatrice Frasl gibt in diesem Artikel folgende Antwort auf die Frage, welche Reaktionen sie auf ein Posting bekommen hat, in dem sie beschreibt, dass die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen auf die oben genannten Personen entlastend wirken: \u201eDie Menschen, von denen ich Antworten bekam, empfanden das Wegfallen von professionellen und sozialen Verpflichtungen und Erwartungen als gro\u00dfe Erleichterung. Es war okay, sich zur\u00fcck zu ziehen, weil es alle taten. Viele berichten, dass sich der R\u00fcckzug wie ein nat\u00fcrlicher Modus anf\u00fchlt, dem sie endlich nachgehen konnten.\u201c <a href=\"#note_1\" id=\"link_1\">[1]<\/a>\n So ging es mir zum Teil wohl auch. Ich war zufrieden mit meiner Zur\u00fcckgezogenheit und konnte die Angst, etwas zu verpassen, ablegen. Jetzt habe ich etwas Angst, wieder teilnehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie soll es weiter gehen?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Es ist gar nicht so leicht, wieder zur\u00fcck zu finden zu \u201enormalen\u201c Begegnungen. Zum einen, weil es immer noch kein Heilmittel gegen den Virus gibt, aber auch, weil die Distanz nicht einfach wieder aufzuheben ist. Zwischen heute und Anfang M\u00e4rz haben sich zwar die Zahlen der Erkrankten ge\u00e4ndert und die L\u00e4nder, die besonders unter Corona leiden sind andere, aber eine Impfung oder ein gutes Medikament gibt es noch nicht. Und irgendwie irreal ist es auch weiterhin. Alle wissen noch viel zu wenig, um die Situation gut einsch\u00e4tzten zu k\u00f6nnen. Zumindest die Risikogruppen sollen weiterhin aufpassen. Da bleibt nur die Frage, wie diese weiter aufpassen k\u00f6nnen, wenn die Menschen um sie herum nicht mitmachen. Au\u00dferdem gibt es kaum Unterst\u00fctzung von \u00c4rzt*innen, weil diese selbst noch nicht mehr wissen und zurecht nichts Ungepr\u00fcftes raten wollen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zuspitzung der schlechten Zust\u00e4nde<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Wenn ich so dar\u00fcber nachdenke, spitzt sich gerade einfach viel zu, was schon lange als Problem vorhanden ist. Vereinzelung, mangelnder Raum f\u00fcr selbstbestimmtes Leben, ungleiche Belastung mit Reproduktionsaufgaben, Zuschreibung von Geschlechterrollen, fehlendes Abfangen von Existenz\u00e4ngsten, mangelnde psychologische\/psychosoziale Betreuung, zu wenig guter Wohnraum, schlechte Arbeitsbedingungen, ungleiche L\u00f6hne, viele, die st\u00e4ndig unter Stress stehen, usw\u2026<br><br>Gefahren, an denen ich sterben k\u00f6nnte, gibt es auch sonst immer, und doch setze ich mich vielen davon aus, weil ich ja auch leben will, und genau, weil ich an diesem Leben so h\u00e4nge, bekomme ich jetzt Angst. Die Risiken beim Wandern abzust\u00fcrzen oder von einem Auto angefahren zu werden sind Gefahren, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier habe ich gelernt, mich m\u00f6glichst gut zu sch\u00fctzen und mit dem Risiko zu leben, damit umzugehen und habe es f\u00fcr mich auch immer abgewogen. Corona ist neu und erfordert einen neuen Weg, den ich und alle anderen erst finden m\u00fcssen. Jede*r f\u00fcr sich selbst und alle gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zeit f\u00fcr eine solidarische, befreite Gesellschaft<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Es ist Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, wie eine Gesellschaft aussehen kann, in der Lasten gleich verteilt sind, Zeit zum Verschnaufen bleibt und \u00c4ngste abgebaut werden k\u00f6nnen. In der nicht der Norm entsprochen werden muss, und in der Krankheit und Behinderung keine Gr\u00fcnde sind, abseits zu stehen. In der wir R\u00fccksicht nehmen k\u00f6nnen, ohne uns zu viel einzuschr\u00e4nken, und in der Solidarit\u00e4t tats\u00e4chlich gelebt wird. In der wir frei genug sind, um Kritik zu \u00fcben, und um zu wissen, was wir brauchen und das auch einzufordern. In der wir frei genug sind, um auf andere zu achten und gemeinsam zu leben, ohne dabei als Einzelne unterzugehen. In der wir die Schw\u00e4chsten zu Starken machen und in der alle eine Stimme haben, die etwas z\u00e4hlt und die ernst genommen wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quelle<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"#link_1\" id=\"note_1\">[1]<\/a> Fear of going out: Die neue Angst vor dem alten Leben, Kurier.at (29.05.2020), URL: <a href=\"https:\/\/kurier.at\/freizeit\/leben-liebe-sex\/fear-of-going-out-die-neue-angst-vor-dem-alten-leben\/400865036\">https:\/\/kurier.at\/freizeit\/leben-liebe-sex\/fear-of-going-out-die-neue-angst-vor-dem-alten-leben\/400865036 das ist die Quelle<\/a> (abgerufen am 30.06.2020)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen sind viele Gedanken durch meinen Kopf gewandert &#8211; zur Gesellschaft, dazu, wie diese mit kranken Menschen umgeht, zu meinem eigenen Verhalten und zu meinen \u00c4ngsten. 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